Wie Al Thani und seine Familie den FC Málaga jahrelang ausnahmen

Vom Märchen aus 1000 und einer Nacht wurde das Verhältnis zwischen dem Scheich und dem spanischen Traditionsclub schnell zum Albtraum

Al Thani bereichert sich am FC Málaga
Al Thani (l.) bei einem Auswärtsspiel 2016 in Vigo mit zwei seiner Söhnen. // Foto: malagacf.com

Al Thani bereichert sich am FC Málaga

Das Gerichtsverfahren gegen Scheich Al Thani – Stand heute immer noch Hauptaktionär des FC Málaga – läuft bereits seit Februar 2020. Lange Zeit hörte man nichts mehr über die laufende Untersuchungen, doch vor ein paar Tagen brachte ein Bericht der Staatsanwaltschaft endlich etwas Licht ins Dunkle.

Demnach wurde bestätigt, dass Al Thani und seine Familie zwischen 2012 und 2019 Gelder des Vereins für private Zwecke nutzten, um sich selbst zu bereichern. Von Luxusautos über Aufenthalte in hochklassigen Hotels bis hin zu Villen und Krediten wurden zahlreiche Ausgaben des katarischen Stadthalters von Vereinsseite gedeckt – und das laut der Staatsanwaltschaft ohne rechtmäßigen Grund.

Der Bericht deckt zudem auf, wie der Scheich die beschlagnahmten Aktien des FC Málaga von Ex-Präsident Fernando Puche mit Geld des Vereins erwarb oder einen hoch dotierten Vertrag mit seiner Tochter Hamyan “ohne jegliche Rechtfertigung” als Beraterin abschloss.

Neben der Familie Al-Thani beschuldigt die Staatsanwaltschaft unter anderem auch die leitenden Angestellten des FC Málaga in jenen Jahren: Vicente Casado (Geschäftsführer), Manuel Novo (stellvertretender Geschäftsführer), Joaquín Jofre (Leitung Rechtsabteilung) und Roberto Cano (Leitung Finanzen), die mit dubiosen Verfahren und Gehaltserhöhungen in Verbindung gebracht werden, obwohl die finanzielle Lage des Clubs sehr heikel war.

Im Folgenden ein Überblick über den Ermittlungsstand der Staatsanwaltschaft, über den die Tageszeitung Málaga Hoy als erstes Medium am Mittwoch, den 31. Januar 2024 berichtete.

Erwerb der Aktienanteile von Ex-Präsident Fernando Puche

Ein besonders wichtiger Punkt ist der unrechtmäßige Erwerb der Aktienanteile von Málagas ehemaligem Präsidenten Fernando Puche, weil sich Al Thani über seine Firma NAS Football SL dadurch die Mehrheit an Anteilen gegenüber möglichen anderen Parteien sichern konnte.

In einem ersten Schritt kaufte Schatzmeister Roberto Cano im Jahr 2015 die erwähnten Anteile auf privater Basis für einen Wert von rund 87.000 Euro. Allerdings bezahlte er diese nicht selbst. Die Transaktion wurde als Vorschuss für Gehaltszahlungen verbucht.

Nur ein Jahr später verkaufte Cano die Aktienanteile in Höhe von 100.000 Euro an die Firma NAS Football. Kurz danach überweist Cano den Verkaufserlös an den FC Málaga und schreibt im Verwendungszweck „persönlicher Kredit“.

Einen Beleg der Zahlung von NAS Football an Roberto Cano gibt es allerdings nicht. Folglich konnte die Firma von Scheich Al Thani die Aktienanteile auf diese Art und Weise erwerben, ohne dafür zahlen zu müssen.

Zeitgleich wurde das Gehalt von Roberto Cano im Verlauf der Jahre kurioserweise von 50.000 auf über 80.000 Euro erhöht, obwohl es dem Verein finanziell immer schlechter ging.

Leben im Luxus auf Kosten des FC Málaga

Nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hat die Familie Al Thani mit den Geldern des Clubs Luxuswohnungen im Stadtteil El Limonar, in Zentrum von Málaga, in Benalmádena und in Benahavís bezahlt, was dem Verein Ausgaben von über vier Millionen Euro bescherte.

Zum Leben der Al-Thanis auf Kosten des FC Málaga gehörten auch zahlreiche Luxusreisen. Die Staatsanwaltschaft behauptet, sie habe Beweise dafür, dass “Überweisungen von den Konten Málagas auf die Privatkonten der Verwalter oder ihrer Unternehmen ohne jegliche Kontrolle immer wieder vorgenommen wurden”.

In dem Verfahren werden einige konkrete Fälle genannt, in denen das Geld des Vereins für privaten Luxus verschwendet wurde. Ein Fall sticht besonders ins Auge: Die Ausgaben in einem Luxushotel in Los Angeles. Der Bericht der Staatsanwaltschaft hebt hervor, dass es “Rechnungen im Namen von NAS Football für einen Aufenthalt im Beverly Wilshire Hotel in Höhe von 251.224 Euro” gibt.

Damit nicht genug heißt es im Dokument weiter: “Zwischen April 2016 und Juni 2018 wurden 47.572 Euro im Dorchester Hotel und 32.238 Euro in einem Reisebüro bezahlt. Darüber hinaus erteilte Roberto Cano im Jahr 2018 einen Überweisungsauftrag an die Targo Bank, von einem der Konten des Vereins in Höhe von 5.823 Dollar an das Four Seasons Hotel in Boston, was dem Verwendungszweck nach dem Aufenthalt einer dritten Person oder dem Aufenthalt einige Tage zuvor im Hotel derselben Kette in Paris in Höhe von 1.634 Euro entsprechen würde. Darüber hinaus hat Nasser Al-Thani 15.600 Pfund im Bulgary Hotel in London ausgegeben“.

Aber auch Luxusfahrzeuge wurden mit diffusen Transaktionen über den FC Málaga abgewickelt. So wurden im Dezember 2012 beispielsweise acht Mercedes-Fahrzeuge, zwei BMW-Fahrzeuge und zwei Mini Cooper für 500.000 Euro erworben.

Der Gesamtbetrag für persönliche Ausgaben der Familie Al Thani soll laut der Staatsanwaltschaft in die Millionenhöhe gehen. Zudem hatte der FC Málaga eine offene Kreditlinie für NAS Football eingerichtet, bei der sich die Firma des Scheichs immer wieder bedienen konnte. Auch hier ist von mehreren Millionen die Rede.

Staatsanwaltschaft beschuldigt Casado, Novo, Jofre und Cano

Damit Al Thani sich am Club bereichern konnte, brauchte er natürlich die Hilfe der leitenden Angestellten vor Ort. Und das waren wie bereits erwähnt Vicente Casado, Manuel Novo, Joaquín Jofre und Roberto Cano. Über die Gehaltsentwicklung von Schatzmeister Cano ist bereits beim unrechtmäßigen Erwerb der Aktienanteile berichtet worden.

Geschäftsführer Vicente Casado erhielt im Jahr 2012 ein Jahresgehalt von 73.333,26 Euro. Im Oktober 2014 wurde vereinbart, dass seine jährliche Vergütung 350.000 Euro und eine Abfindung in Höhe von 1.500.000 Euro betragen soll. Als Casado im Januar 2016 entlassen wurde einigte er sich mit Al Thani außergerichtlich über eine Abfindung von 1.250.000 Euro.

Weiter geht aus dem Bericht geht hervor, dass Manuel Novo von einem Jahresgehalt von 66.314 Euro im Jahr 2011 auf 183.333,26 Euro im Jahr 2015 kam. Er wurde schließlich mit 203.000 Euro entschädigt, nachdem er eine weitere Vergleichsvereinbarung mit dem Verein getroffen hatte. Im Fall von Joaquín Jofre lag das Gehalt 2013 bei 45.000 Euro pro Jahr und stieg bis 2017 auf 133.232 Euro an.

Anstellung von Familienmitgliedern

Die Einstellung von Familienmitgliedern ist in mehrere Abschnitte im Bericht unterteilt, von denen sich einer auf Al Thanis Tochter Hamyan bezieht, die eine Zeit lang eine starke Präsenz im Tagesgeschäft des Clubs hatte. Allerdings sind die Honorare, die sie über einen Zeitraum von vier Jahren erhielt, nach Auffassung der Staatsanwaltschaft nicht gerechtfertigt.

“Im März 2017 wurde mit dem FC Málaga, vertreten durch den Angeklagten Abdullah Nasser bin Al Thani, vereinbart, Hamyan Al Thani als Beraterin der Frauenmannschaft des Vereins für ein jährliches Gehalt von 80.000 Euro einzustellen, ohne dass es eine Rechtfertigung oder Beweise dafür gibt, dass sie diese Tätigkeit jemals ausgeübt hat, obwohl sie in den Jahren 2017 bis 2020 tatsächlich 167.500 Euro erhalten hat”, heißt es im Bericht.

Vorladung für alle Beteiligten

Die Staatsanwaltschaft hat damit die Ermittlungen für beendet erklärt und beantragt auf Basis des ausführlichen Berichtes nun die Eröffnung einer mündlichen Verhandlung gegen den Scheich, seine drei Söhne, gegen die in dieser Angelegenheit ebenfalls ermittelt wird, und fünf weitere leitende Angestellte, die im beschriebenen Zeitraum beim FC Málaga tätig waren und die als Komplizen bei verschiedenen kriminellen Handlungen angesehen werden.

Aktuelle Informationen zum FC Málaga gibt es immer in der Rubrik Sport.
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