Ceuta – Spanien auf der anderen Seite des Meeres

Von der Costa del Sol aus kann man einen schönen Tagesausflug in die spanische Exklave Ceuta machen.

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Ceuta - Von der Costa del Sol aus mit der Fähre erreichbar

Besuch in der spanischen Exklave Ceuta

Ana Rosa Garcia ist Spanierin durch und durch. Auf den Tisch der 51-jährigen kommen Tortilla und Jamón Iberíco, am Wochenende geht es mit der Familie in ein Restaurant und in ihrer Freizeit ist sie gerne wie viele ihrer Landsleute am Meer oder auf der Promenade unterwegs. Aber dennoch lebt Ana Rosa anders als die meisten Spanier.  Sie ist in Ceuta zu Hause. In dieser 18,5 Quadratkilometer kleinen Exklave in Nordafrika wohnen rund 85.000 Spanier. Ceuta ist wegen seiner Grenze zu Marokko eine geschlossene Gemeinde,  gehört aber zur EU und verfügt über einige Sonderrechte wie den zollfreien Einkauf. Ana Rosa fühlt sich nicht als “Expat”. Im Gegenteil: “Wir Spanier, die in Ceuta wohnen, sind in der Regel spanischer als diejenigen auf dem Festland”, sagt sie.

Auf die andere Seite des Meeres fährt die Beamtin zum Familienbesuch nach Málaga oder wenn es gemeinsam mit Ehemann Kiko in Urlaub geht. Letztes Jahr hat das Ehepaar eine Reise nach Nordspanien gemacht. Die spanische Regierung fördert die Fahrt auf das Festland mit einer Reihe von Vergünstigungen. Wer als “Residente” die Fähre nach Algeciras nimmt, zahlt nur einen Bruchteil des normalen Preises. Sogar eine Hubschrauberverbindung gibt es. So ist man von Ceuta aus in etwa 30 Minuten mit dem Hubschrauber am Flughafen in Málaga. Isoliert fühlen sich die Bewohner Ceutas nur dann, wenn in den Herbstmonaten ein so starker Sturm herrscht, dass die Fähre im Hafen bleiben muss.

Spanier und Portugiesen

Wegen seiner strategischen Lage an der Straße von Gibraltar, die Mittelmeer und Atlantik miteinander verbindet, hat Ceuta schon immer Begehrlichkeiten geweckt.  Vor gut 600 Jahren eroberten die Portugiesen die Stadt. 1668 fiel Ceuta schließlich an das Königreich Spanien. Nach der Unabhängigkeit Marokkos im Jahr 1956 blieben die Stadt und die ebenfalls in Nordafrika gelegene Exklave Melilla spanisch. Seit 1995 hat Ceuta den Status einer autonomen Stadt.

Bei einem Rundgang durch das Zentrum von Ceuta ist man in der Tat überrascht, wie spanisch-andalusisch hier alles ist: Viele Cafés, belebte Tapas-Bars und Restaurants sowie Zara, Massimo Dutti und Co. sind in der breiten Fußgängerstraße zu finden.

Die zollfreien Geschäfte mit Uhren, Elektrogeräten und Handys erinnern daran, dass hier aber eben doch einiges anders ist. Nicht zuletzt die Bewohner: Auf dem Rundgang durch die Innenstadt begegnen dem Besucher modern gekleidete Teenager, Frauen mit Kopftuch oder Männer mit Turban. Im heutigen Ceuta leben Menschen vier verschiedener Kulturen: etwa 50 Prozent Christen, fast ebenso viele Moslems sowie eine kleine Minderheit Hindus und Hebräer. “Das Zusammenleben mit den Marokkanern ist gut”, sagt Ana Rosa. Viele Marokkaner kommen täglich mit einem Visum über die Grenze, um in Ceuta zu arbeiten oder einzukaufen. Die Kinder aus den grenznahen marokkanischen Dörfern gehen in Spanien zur Schule. Man ist das Zusammenleben gewohnt.

Geht man die Fußgängerzone hinab in Richtung Meer stößt man unweigerlich auf ein Wahrzeichen der Stadt: die königlichen Stadtmauern und den Graben Foso de San Felipe. Die Anlage wurde von den Arabern errichtet und nach der Eroberung Ceutas durch die Portugiesen ausgebaut. Heute sind die königlichen Mauern, die Murallas Reales, ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische und Besucher. Durch den Graben kann man – wie Ana Rosa – mit dem Kajak fahren oder die mächtige Anlage bei einem Spaziergang von oben bewundern.

Nicht weit von den königlichen Mauern entfernt befindet sich mitten im alten Kern von Ceuta die Plaza de Nuestra Señora de África, auf der das Denkmal für die Gefallenen des spanisch-marokkanischen Krieges (1859-60) steht. Hier stehen außerdem das Rathaus und die Kathedrale Santa Maria de Asunción, die über einer, während der arabischen Herrschaft (711-1415) erbauten, Moschee errichtet wurde. Im Kircheninneren sind Gemälde aus dem 18. Jahrhundert zusammen mit Werken renommierter zeitgenössischer Künstler aus Ceuta zu sehen.

Nahe der Plaza de África liegt in der Calle Queipo die Basilika de Tardorromana, die seit 1991 Kulturgut von nationaler Bedeutung ist. Außer den sehenswerten Überresten der Basilika selbst bietet das anliegende Museum einen Streifzug von der Vorgeschichte bis zur Zeit der islamischen Herrschaft. Hier befinden sich auch die einzigen christlichen Funde aus dem 4. Jahrhundert im nördlichen Mittelmeerraum.

Ein weiterer Anziehungspunkt im Zentrum ist die Casa de los Dragones. Das dreistöckige Haus wurde von 1900 bis 1905 vom damaligen Bürgermeister Ceutas erbaut. Die maurischen Bögen erinnern an die hispanisch-islamische Geschichte Ceutas. Höhepunkt sind aber zweifellos die vier Drachen auf dem Dach.

Der Mittelmeerpark

Eine der modernsten Attraktionen in Ceuta ist der Parque Marítimo del Mediterráneo, ein 55.000 Quadratmeter großer Freizeitkomplex, der aus drei künstlichen Salzwasserseen besteht und  von dem bekannten kanarischen Künstler César Manrique erbaut wurde. Der Mittelmeerpark hat sich zu einem Kulturzentrum für Musikveranstaltungen und Freizeitevents entwickelt. Die Bewohner Ceutas gehen zwar in den Park, aber – so wie Ana Rosa und ihre Familie –mindestens genauso gerne an den Strand. Tatsächlich gibt es in Ceuta über 20 Kilometer an Küstenlinie mit teilweise wunderschönen weißen Sandstränden und vielen Möglichkeiten, die Flora und Fauna des Meeres kennenzulernen, zum Beispiel beim Tauchen.

Sporthafen

Der Monte Hacho

Wer kann, sollte sich ein Auto mieten oder sich im Taxi einmal um den Berg Monte Hacho herumfahren lassen. Die Blicke von den verschiedenen Aussichtspunkten sind grandios.  Vom Mirador de San Antonio aus hat man einen herrlichen Ausblick auf Ceuta. Und auf die Küste Marokkos mit dem Berg Jbel Musa, der mit seinem Gegenüber auf der anderen Seite der Meerenge, dem Felsen von Gibraltar,  als eine der Säulen des Herkules gilt.

Ceuta ist außerdem ein wichtiger spanischer Militärstützpunkt. Hier oben, auf dem Monte Hacho, sind Kontingente der spanischen Fremdenlegion in der Festung Fortaleza del Monte Hacho stationiert.

Die Stadt Ceuta hat übrigens aus der Not eine Tugend gemacht und wegen des begrenzten Platzes eine 6 Kilometer lange Jogging und Spazierstrecke rund um den Monte Hacho errichtet. Etwa 1,5 Stunden sind Spaziergänger unterwegs, wenn sie einmal die Halbinsel umrunden.

Die Grenze

Beindruckend ist auch eine Fahrt Richtung Grenze: Ceuta wird, wie Melilla, von einem Hightech-Schutzwall umgeben und von der spanischen Guardia Civil bewacht. Der riesige Grenzzaun erinnert an die menschlichen Dramen, die sich hier abspielen, wenn die vielen, meist afrikanischen, Migranten versuchen, die letzte Grenze nach Europa zu durchbrechen.

Hier, in der Nähe der Grenze, befindet sich auch das mehrheitlich von marokkanischer Bevölkerung bewohnten Stadtrandviertel Principe, das eine hoher Kriminalität und Arbeitslosenrate verzeichnet. Es ist mit dem Zentrum von Ceuta durch eine Hauptstrasse verbunden, die auch nach Süden zum Grenzübergang mit Marokko führt. In Spanien ist das „Barrio El principe“ auch wegen einer bekannten Fernsehserie berühmt-berüchtigt.

Das ist Ceuta: einerseits eine beeindruckende Stadt mit vielen monumentalen Wahrzeichen und spanischer Lebensweise, auf der anderen Seite gekennzeichnet durch seine Lage als Grenzstadt zwischen Europa und Afrika.

Marokkanisch essen

Abschließen sollte man seine Rundfahrt über den Monte Hacho mit einem Besuch im Restaurant Oasis. Ganz oben, mit Blick auf die gesamte Halbinsel, serviert das 1971 eröffnete Oasis allerbeste marokkanische Speisen.
Auch Ana Rosa kommt mit ihrer Familie gerne am Wochenende ins Oasis. Und schaut von hier aus auf Ceuta. Die Stadt zwischen zwei Welten.

Die Anreise

Es gibt täglich mehrere Fährverbindungen vom südspanischen Algeciras nach Ceuta. Die Fahrt dauert, je nach Gesellschaft, zwischen 45 Minuten und 1,5 stunden. Außerdem gibt es die Möglichkeit, mit dem Hubschrauber in 30 Minuten vom Flughafen Málaga nach Ceuta zu fliegen. In Ceuta selbst gibt es öffentliche Verkehrsmittel wie auf dem Festland.

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