Bernd Schuster: „Ich hätte gerne beim FC Málaga weitergearbeitet“

Bei einem Besuch in Marbella schätzt der einstige Weltklasse-Spieler die aktuelle Lage im spanischen Fußball ein und denkt zurück an seine Zeit bei den Blau-Weißen

Bernd Schuster im Interview in Marbella
Bernd Schuster nach dem Gespräch in einem Strandlokal in Marbella während des GOFUS Medien Cups.

Bernd Schuster im Interview: Der Weggang von Messi und Cristiano hat LaLiga sehr weh getan

Bernd Schuster gehört in Spanien zum Fußball, wie der Deckel zum Topf. Der ‚blonde Engel‘ aus Augsburg hat es in seiner aktiven Karriere geschafft, für alle drei Topclubs der iberischen Halbinsel zu spielen: FC Barcelona (1980-88), Real Madrid (1988-90) und Atlético Madrid (1990-93). Nach seiner Spielerkarriere schlug der Mittelfeldstratege die Trainerlaufbahn ein. In der Saison 2013/14 war er dabei auch für den FC Málaga verantwortlich.

An die Costa del Sol kommt der 61-Jährige regelmäßig. Zum einen, weil der in Madrid lebende Schuster viele Freunde und Bekannte im Süden Spaniens hat. Und zum anderen, weil er ein leidenschaftlicher Golfspieler ist. Einmal im Jahr lässt er es sich zum Beispiel nicht nehmen, beim GOFUS Medien Cup auf Einladung von Moderatorenlegende Jörg Wontorra für einen guten Zweck mit Kollegen der deutschen Fußballwelt zu golfen. In diesem Zusammenhang ist vor wenigen Wochen dieses Interview entstanden.

Herr Schuster, ich habe das Gefühl, dass die spanische Liga unter den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie mit am meisten gelitten hat. Im internationalen Vergleich scheinen die Clubs nicht mehr so stark zu sein. Wie sehen Sie das?

Der Aderlass in Spanien war schon sehr groß, finanziell vor allen Dingen. Für die Spieler war es natürlich auch ein Problem, vor leeren Rängen kicken zu müssen. Ich habe das selbst mal erlebt, als wir wegen einer Strafe ohne Publikum spielen mussten. Das war eine Katastrophe. Deshalb konnte ich mich da ein wenig hineinversetzen. Abgesehen davon muss man auch sagen, dass in Spanien eine Generation zu Ende gegangen ist. Cristiano Ronaldo, Messi oder Sergio Ramos haben den spanischen Fußball jahrelang geprägt. Da ist schon ein großes Loch entstanden.

Sie waren als Spieler bei allen drei großen Clubs in LaLiga unter Vertrag: Bei Real Madrid, beim FC Barcelona und bei Atlético Madrid. Von diesen drei steht Real noch am besten da, finanziell und sportlich, oder?

Ich denke, dass Atlético Madrid die Situation am besten ausgenutzt hat. Während die beiden Vorzeigeclubs Real und Barça kürzertreten mussten, hat Atlético die Lücke ein bisschen mehr schließen können. Letztes Jahr sind sie Meister geworden und in der Champions League eigentlich auch immer gut dabei. Bei Real Madrid kamen außerdem noch die Kosten für das neue Stadion dazu. Das wird großartig, aber daher war natürlich weniger Geld für den Kader vorhanden. Es war jetzt nicht der Moment für einen Mbappé-Transfer.

Und Barcelona?

Das ist noch einmal ein ganz anderes Thema. Man hat dort die letzten Jahre, auch schon vor der Pandemie, ziemlich schlecht gewirtschaftet. Es war irgendwie offensichtlich, dass da etwas nicht richtig funktioniert. Auch bei der Kaderzusammenstellung hat man viele Fehler gemacht. Barça hat sich immer auf Messi verlassen. Aber auch der wurde älter und wichtige Spieler um ihn herum, wie beispielsweise Piqué, genauso. International zählt der FC Barcelona momentan nicht zu den absoluten Topteams. Es gibt eine Hand voll Mannschaften gerade in der Champions League, die weitaus stärker sind.

Sind die Katalanen dieses Jahr überhaupt noch ein Kandidat, um sich in der Liga wieder für die Champions League zu qualifizieren? Kann der neue Trainer Xavi dabei helfen?

In diesem Jahr muss Barça versuchen, sich so gut wie möglich aus der Affäre zu ziehen. Es wird ganz schwer werden. In der Meisterschaft ist man schon viele Punkte hinten dran. Da sind Real oder Atlético viel konstanter. Für Xavi wird es nicht einfach, aber die Saison dauert ja noch ein bisschen. Vielleicht können sie nochmal oben anklopfen.

Eine Ihrer bisher letzten Trainerstationen war der FC Málaga. Damals wurde der Verein noch von Scheich Al Thani geführt, der inzwischen gerichtlich seines Amtes enthoben wurde. Der Club stand kurz vor dem Bankrott. Haben Sie zu Ihrer Zeit bei den Blau-Weißen schon mitbekommen, dass es Probleme in der Vereinsführung gab?

Ich bin 2013 zum FC Málaga gekommen. Das war genau zu der Zeit, wo der Umbruch stattfand. Wenige Monate zuvor standen die Blau-Weißen noch im Viertelfinale der Champions League. Al Thani hat in den ersten beiden Jahren unglaublich viel investiert und eine Riesenmannschaft zusammengestellt aus spanischen und internationalen Stars. Aber als ich kam, hat man mir schon mitgeteilt, dass die wichtigen Spieler verkauft werden müssen. Es konnte finanziell so nicht weitergehen. Meine Aufgabe war damals, aus den erfahrenen Leuten, die geblieben sind, und den vielen jungen Talenten, eine wettbewerbsfähige Mannschaft zu formen. Das ist uns auch gelungen. Allerdings hat man schon gemerkt, dass die Stimmung innerhalb des Clubs nicht mehr so gut war und dass der Weg für Málaga nach unten zeigt.

Bis es dann 2018 endgültig in die zweite Liga ging…

Wie gesagt, dass hat sich damals schon abgezeichnet. Es ist sehr schade, aber wer im Fußball viele Fehler macht, der wird auch irgendwann bestraft. Ich denke, dass der Verein noch ein paar Jahre benötigt, bis er wieder hochkommt. Der Club braucht frisches Blut, jemanden mit Begeisterung und Ideen. Málaga hat hervorragende Voraussetzungen: Tolle Stadt, tolles Klima, sehr gute Infrastruktur, ein schickes Stadion, dass man gut voll bekommt. Die Fans kann man mit ehrlicher Arbeit und gutem Fußball schnell begeistern.

Der FC Málaga und Bernd Schuster, das hätte schon ganz gut gepasst.

Der Club war damals sehr ehrlich zu mir. Mich hat die Situation angespornt. Es war eine Herausforderung, bei der man sich beweisen muss. Erfahrung hatte ich als Trainer genug um einschätzen, was auf mich zukommt. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, aus den erfahrenen Spielern, die geblieben sind, zusammen mit den großartigen Talenten ein Team zu formen. Es lief auch eigentlich ganz gut in der Saison.

Stimmt. Ich glaube der FC Málaga ist am Ende Zehnter geworden, oder?

Elfter leider. Ich hatte eine Klausel zur automatischen Vertragsverlängerung, wenn wir unter die ersten zehn Mannschaften kommen. Und ich hätte wirklich gerne die Mannschaft weiterentwickelt. Aber die Pläne von Al Thani waren leider andere.

Bernd Schuster Interview
Bernd Schuster auf einer Pressekonferenz des FC Málaga. // Foto: malagacf.com
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