Nach 46 Jahren im Konsulat in den Ruhestand – Alles Gute Gloria!

Gloria Carillo aus dem deutschen Konsulat in Málaga wird am 7. Juli pensioniert. Im Interview erzählt sie wie sich die Arbeit im Laufe der letzten Jahrzehnte gewandelt hat

Glorilla Carillo Konsulat Málaga
Gloria Carillo mit Konsul Arnulf Braun. Sie bekam für ihre Dienste eine Dankurkunde der Bundesrepublik Deutschland überreicht. Foto: sas
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Glorilla Carillo Konsulat Málaga

Am 7. Juli 2022 geht Gloria Carillo in den Ruhestand. Die Spanierin (Morón de la Frontera/Sevilla), die als Kind in Gelsenkirchen wohnte und zweisprachig aufgewachsen ist, war über vier Jahrzehnte lang ein bekanntes Gesicht des deutschen Konsulats in Málaga. Immer fröhlich, immer hilfsbereit und immer mit ganzem Herzen dabei – so kennt man die 64-Jährige, die auch unter deutschen Residenten einfach nur als „Gloria“ bekannt ist.

Begonnen hat die Karriere von Gloria Carillo mit einem Anruf: „Meine Schwester hat gehört, dass es im Konsulat in Málaga viel zu tun gibt und dann habe ich mich einfach beworben.“ Das war im Jahr 1976, vor genau 45,5 Jahren. Wir haben mit Gloria über ihre Zeit im Konsulat gesprochen.

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Tag im Konsulat?

Meine Schwester hatte irgendwie mitbekommen, dass im Konsulat viel zu tun war. Ich habe dann dort angerufen und bin im Dezember 1976 zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden. Das war damals noch im Konsulat in Málagas Stadtteil El Limonar mit Juan Hoffmann als Honorar-Generalkonsul. Im Januar 1977 konnte ich als Ortskraft anfangen.

Wir waren sechs Sekretärinnen und ich erinnere mich noch, dass wir alle elektrische Schreibmaschinen hatten. Gleich am ersten Tag hat mir Herr Hoffmann eine Brief diktiert. Das war aber eine Maschine mit Kugelkopf, die etwas komplizierter zu bedienen war und die deshalb keiner haben wollte. Nach meinem ersten Brief im Konsulat wollte ich dann sofort wieder kündigen. Aber Gott sei Dank hat mich mein Chef überzeugt zu bleiben. Und das ist jetzt bald 46 Jahre her.

Was waren Ihre Aufgaben in der Anfangszeit?

In den 70er und 80er Jahren waren auch schon viele deutsche Residenten an der Costa del Sol. Damals wurde jeder Besuch handschriftlich mit Tag, Grund des Besuches, Namen und Vornamen eingetragen. Die meisten haben nach Reisepässen gefragt. Außerdem musste jeder Resident eine Meldekarte für die Polizei haben, dass er im Konsulat gemeldet ist. Diese Einschreibungen haben wir vorgenommen und in Karteikarten gespeichert.

Und wir hatten auch Personen, die in Marokko wegen Drogenbesitzes festgenommen und nach Spanien überführt wurden. Wir haben diese dann besucht oder ihnen bei der Weiterreise nach Deutschland geholfen.

Wie viele Konsuln haben Sie miterlebt?

Das waren im Laufe der Zeit schon einige. In Limonar waren es fünf Entsandte. Nach dem Tod von Herrn Hofmann im Jahr 1998 ist Herr Lubczyk gekommen, der die Büroräume in der Calle Mauricio Moro im Zentrum von Málaga angemietet hat. Seitdem sind wir hier untergebracht. Eine Zeitlang hatten wir dann Generalkonsul, Konsul und Vizekonsul. Ich denke, dass ich insgesamt bestimmt an die 20-25 Entsandten (Generalkonsul, Konsul, Vizekonsul) begleitet habe.

Woran denken Sie gerne zurück in den ganzen Jahren?

Ich habe lange zu 80 Prozent im Rechts- und Konsularwesen gearbeitet, also Festnahmen, Todesfälle, Aufenthaltsermittlungen, Übersetzungsdienste und generelle Verwaltung. Als im Jahr 2018 Konsul Braun nach Málaga gekommen ist, haben wir mehr kulturelle Veranstaltungen organisiert. Das war sehr interessant und ich konnte mich mehr auf diesen Bereich konzentrieren, der mir viel Spaß gemacht hat.

Gab es auch belastende Situationen?

Ja, sehr viele. Ich habe sehr oft geweint, vor allem wenn es um Todesfälle mit Kindern ging. Sehr traurig war es auch, wenn Menschen hier verstorben sind und bei der Angehörigenermittlung herauskam, dass die Familie nichts mit dem Verstorbenen zu tun haben will.

Wie hat sich die Arbeit im Konsulat in den ganzen Jahren verändert?

Sehr viel. Wir hatten damals in El Limonar direkteren Kontakt mit dem Publikum. Früher brauchten wir auch keinen Wachmann. Jetzt ist alles abgetrennter.

In meinen ersten Jahren haben wir nur mit Telefon und Fax gearbeitet, es gab ja kein Internet. Wir haben die Reisepässe mit der Hand schreiben müssen, nachdem wir in Deutschland schriftlich die Ermächtigung eingeholt hatten.

Außerdem waren wir, wie oben erwähnt, ja auch Meldebehörde und haben Dinge erledigt, die heute von den Gemeinden übernommen werden wie zum Beispiel das Empadronamiento (Anmeldung im Einwohnermeldeamt). Wir waren in den Anfangszeiten auch zuständig für die KFZ-Anmeldung.

Glorilla Carillo Konsulat Málaga
Die Jubilarin an ihrem Arbeitsplatz im Konsulat. Nachfolgerin Anni wird schon eingearbeitet.

Was wurden Sie immer und immer wieder gefragt?

In jedem Fall kamen und kommen die meisten Fragen zum Reisepass: „Wie kann ich den Reisepass verlängern, beziehungsweise neu ausstellen“? „Wo muss ich mich anmelden“? „Welche Unterlagen benötige ich“?

Erinnern Sie sich an besonders komische oder absurde Situationen?

Oftmals wurden bei Anrufen Orte in einer Weise ausgesprochen, die wir nicht sofort verstanden haben. So wurde ich zum Beispiel gefragt, ob man für Koita einen Reisepass benötigt. Erst später habe ich dann festgestellt, dass die spanische Exklave Ceuta gemeint war. Auch bei Hülfa (Huelva) hat es eine Weile gedauert. Aber das ist normal, wenn Spanier die Namen von deutschen Dörfern aussprechen müssen, sieht es auch nicht anders aus.

Was war die größte Herausforderung?

Die letzten Jahre hatten es schon in sich. Eine große Herausforderung war mit Sicherheit die Corona-Pandemie. Von einem Tag auf den anderen konnte niemand Andalusien verlassen, es gab keine Flüge, die Menschen waren eingesperrt. Dann das Thema Impfung, zu dem wir auch viele Anfragen bekommen haben. Das war schon eine schwierige Zeit.

Eine andere große Herausforderung war, als der Reiseveranstalter Thomas Cook im Jahr 2019 bankrottgegangen ist und alle Flüge storniert hat. Da standen auf einmal alle Urlauber in Málaga und konnten nicht weg. Wir mussten uns dann um Rückführungen und Versicherungsfragen kümmern.

Was haben Sie jetzt vor, wird es nach den vielen Herausforderungen nicht langweilig?

Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Ich lasse es auf mich zukommen. Jetz im Juli und August werde ich erste einmal zu Hause ausruhen. Nach 46 Jahren habe ich nicht mehr den Druck, was mich alles nach meiner Rückkehr auf dem Schreibtisch erwartet.

Außerdem möchte ich mich ab September um deutsche Patienten kümmern, die allein im Krankenhaus sind.

Dann möchte ich gerne Kurse für Senioren an der Universität Málaga belegen, vielleicht Literatur oder Geschichte. Ich habe lange Zeit selbst an der Uni unterrichtet und möchte jetzt die andere Seite kennenlernen. Lernen ohne den Druck einer Prüfung – da habe ich Lust zu.

Ein großer Wunsch ist auch, mit meinem Mann eine Deutschlandtour zu machen und nicht nur unsere Kinder in Passau und Berlin, sondern auch viele ehemalige Kollegen und Freunde zu besuchen, die in ganz Deutschland verteilt leben. Auch aus der Städtepartnerschaft zwischen Málaga und Passau, die ich seit langem begleite, sind viele Freundschaften entstanden, die ich gerne pflegen möchte.

Mehr Informationen zum deutschen Konsulat gibt es unter diesem Link. Ein Gespräch mit Konsul Arnulf Braun kann man hier nachlesen.

Costa del Sol Online sagt vielen Dank für eine herausragende Leistung im Konsulat der Bundesrepublik Deutschland in Málaga und wünscht Gloria Carillo alles Gute für die neue Lebensphase!

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