„Wer sich an der Costa del Sol fest niederlassen will, sollte erst einige Monate zur Miete wohnen“

Ein Gespräch mit dem deutschen Konsul in Málaga, Arnulf Braun

Konsul in Málaga
Konsul Braun ist seit 3,5 Jahren in Málaga und hat schon viel von der Welt gesehen. Foto: sas
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Deutscher Konsul in Málaga

Seit über dreieinhalb Jahren ist Konsul Arnulf Braun inzwischen in Málaga und zuständig für Andalusien sowie die beiden Exklaven Ceuta und Melilla. Der gebürtige Bayer aus Rosenheim ist seit über 40 Jahre im deutschen Auswärtigen Dienst, mit Stationen unter anderem in Riad (Saudi-Arabien) Mailand (Italien), Douala (Kamerun), Hermannstadt (Rumänien) sowie Las Palmas, Barcelona und Wien. Die vergangenen zwei Corona-Jahre haben auch das deutsche Konsulat vor neue Herausforderungen gestellt. Wir haben nachgefragt.

Herr Braun, ist bei Ihnen im Konsulat nach Corona wieder Normalbetrieb?

Die Anfragen nach Rückkehr- und Reisemöglichkeiten, Impfungen und anderen Fragen im Zusammenhang mit Corona sind tatsächlich spürbar zurückgegangen. Zugenommen dagegen haben Pass- und Personalausweisangelegenheiten, Beglaubigungen und Beurkundungen. Wir haben den Eindruck, dass viele hier lebende Deutsche weniger nach Deutschland reisen und es vorziehen, rechtliche Angelegenheiten hier im Konsulat zu erledigen. Wir sind nach wie vor die wichtigste rechtliche Verbindungsstelle nach Deutschland und waren im Übrigen auch während der Pandemie immer vor Ort und ansprechbar.

Was waren die größten Sorgen der Residenten in der Pandemie?

Es gab mehrere Phasen. Zunächst die Reiseeinschränkungen am Anfang der Pandemie, dann die Einbeziehung der hier lebenden Deutschen mit und ohne „empadronamiento“ in die spanischen Impfaktionen. In der Folge Erläuterungen der Voraussetzungen für die Ein- und Ausreise (Einreiseanmeldung, Impfstatus etc.), allgemeine Fragen zu Inzidenzen und vieles mehr. Sehr arbeitsintensiv waren die ersten Monate nach Ausbruch der Pandemie mit vielen Überstunden, aber auch die Beantwortung der vielen Fragen rund ums Impfen.

Was sind die häufigsten Fragen an das Konsulat?

Das Spektrum reicht von A bis Z, von Stellplätzen für Wohnmobile bis hin zu den Beurkundungen in Erbangelegenheiten. Das Konsulat ist jedoch nicht nur in Rechts- und Konsularangelegenheiten tätig, wir setzen uns auch für die kulturelle Verständigung ein, organisieren kulturelle Veranstaltungen, wie die Deutsche Filmwoche gemeinsam mit SUR, Ausstellungen, die Projektion von „Faces of Europe“ auf den unteren Teil der Mauer der Alcazaba in Málaga und vieles mehr.

Daneben bin ich qua Amtes im Vorstand der Deutschen Schule, unterstütze den andalusischen Germanistenverband oder das Gitarrenfestival in Ronda mit Mitteln aus unserem Kulturfonds.

Konsul in Málaga
Auch der Empfang zum Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober gehört zu den Zuständigkeiten des Konsulats.

Im Bereich Wirtschaft bringen wir Unternehmer und Institutionen zusammen und sind Türöffner. Im politischen Bereich beobachten wir die Situation vor Ort und berichten an die Botschaft in Madrid über wichtige Vorgänge.

In welchen Fällen brauchen deutsche Bürger am meisten Hilfe?

Auch hier ist das Spektrum sehr vielfältig. Uns erreichen täglich Hilferufe von in Not geratenen Deutschen, sei es aufgrund von Diebstahl, sei es aus gesundheitlichen oder anderen Gründen. Wir helfen, soweit es in unserer Macht steht, zeigen Lösungswege auf, stellen Reiseausweise oder vorläufige Pässe aus. Bei Sterbefällen unterstützen wir die Angehörigen bei der Abwicklung der Formalitäten, stehen in dieser schwierigen Zeit mit Rat und Tat zur Seite.

Tourismus an der Costa del Sol und Andalusien wird zunehmen

Können Sie einschätzen, ob in diesem Jahr mehr deutsche Besucher und Residenten an die Costa del Sol kommen?

Ja, ich bin mir ziemlich sicher, dass mit Rückgang der Inzidenzen der Tourismus aus Deutschland wieder Fahrt aufnimmt. Spanien und hier natürlich mit an vorderster Stelle Andalusien und die Costa del Sol sind ja nach wie vor das Reiseziel Nr. 1 unserer Landsleute.

Was raten Sie Deutschen ganz allgemein, die sich an der Costa del Sol niederlassen wollen?

Jede/r, der sich hier niederlassen will, sollte zunächst einige Monate hier zur Miete wohnen und sich ein eigenes Bild machen. Erst dann sollten unter Zuhilfenahme von Beratungs- und Serviceleistungen der „Gestores“ oder deutschsprachiger Anwälten Entscheidungen von größerer Tragweite, wie Kauf oder Bau eines Hauses oder Grundstücks, getroffen werden.

Auch alle Fragen von steuerrechtlicher Relevanz sollten mit Fachleuten abgeklärt werden. Als vorbereitende Lektüre empfehle ich unsere Homepage www.spanien.diplo.de, die Informationen des Bundesverwaltungsamts für Auswanderer, und natürlich auch die hiesigen deutschsprachigen Medien.

Welche Schwerpunkte gibt es kulturell im Jahr 2022?

Eindeutiger kultureller Schwerpunkt ist die dritte Ausgabe der Deutschen Filmwoche, die dieses Jahr voraussichtlich wieder im Oktober stattfinden wird. Wir organisieren sie gemeinsam mit der deutschen Ausgabe der spanischen Tageszeitung SUR. Ich hoffe, dass die Filmwoche auf ein großes und positives Echo auch bei unseren hier lebenden Landsleuten stößt.

Daneben planen wir eine Fotoausstellung, sammeln gerade Bilder von Spaniern, die in den 60er und 70er zum Arbeiten nach Deutschland ausgewandert sind. Dies ist ein Teil unserer gemeinsamen Geschichte, den wir gerne der Öffentlichkeit in Erinnerung rufen wollen. Aber es fehlen uns leider noch viele Fotos.

Haben Sie regelmäßigen Kontakt zur Botschaft in Madrid und zu den spanischen Kollegen?

Für eine erfolgreiche Aufgabenerfüllung des Konsulats ist es von großer Bedeutung, dass wir sehr gute Kontakte zu den spanischen Behörden und Institutionen haben. Wir pflegen diese und nehmen an Veranstaltungen teil. Mit den hier ansässigen (Honorar-)Konsuln tausche ich mich regelmäßig aus.

Ein Beispiel für die gute Zusammenarbeit im Konsularkorps waren zum Beispiel die gemeinsamen Demarchen bei den fachlich zuständigen andalusischen Behörden für die Einbeziehung der hier lebenden ausländischen MitbürgerInnen in die Impfaktionen.

Selbstverständlich stehen wir – nahezu täglich – in Verbindung mit den Kolleginnen und Kollegen an der Botschaft Madrid, dem Generalkonsulat Barcelona, den Konsulaten in Las Palmas und Palma sowie mit unseren Honorarkonsuln. Wir stimmen uns in rechtlichen Angelegenheiten ab, arbeiten aber auch in den anderen Bereichen, Kultur, Wirtschaft, Presse und Politik, eng zusammen. Einmal im Jahr findet eine Konsularkonferenz in Madrid statt, in der alle Konsulate und Honorarkonsuln vertreten sind.

Hilfe für Geflüchtete aus der Ukraine

Sind Sie in Kontakt mit dem Konsulat der Ukraine in Málaga?

Ja, ich stehe in Kontakt mit meinen ukrainischen Kollegen und Kolleginnen in Málaga und Barcelona. Gemeinsam mit dem Deutschen Wirtschaftsforum in Andalusien wollen wir Geflüchteten aus der Ukraine konkret und unmittelbar helfen. Wir haben einen Aufruf an die hier lebenden deutschen Landsleute gestartet, nicht genutzte Ferienunterkünfte zur Verfügung zu stellen oder Geld für den Transport und die Betreuung hier vor Ort zu spenden.

Eine persönliche Frage… Was gefällt Ihnen am besten an der Costa del Sol, was haben Sie anders erwartet?

Die Antwort fällt mir leicht! An allererster Stelle stehen die Menschen. Ich bin hier auf viel Herzlichkeit, Gastfreundschaft, Offenheit, Toleranz und Hilfsbereitschaft gestoßen. Ich habe, was auch für meine Funktion als Konsul wichtig ist, leicht Zugang gefunden, sowohl auf dienstlicher als auch auf privater Ebene.

An zweiter Stelle steht dieses wunderschöne Andalusien mit seiner reichen Geschichte, seinem faszinierenden Hinterland. Ich mag diese Weite, „las manchas blancas“, die andalusischen Dörfer, in einem Meer von Olivenbäumen. Und natürlich das Meer, da ich ein passionierter Segler bin.

Ich kannte Spanien und Andalusien schon aus vorhergehenden beruflichen und privaten Aufenthalten, hatte daher keine anderen Erwartungen.

Kontakt zum deutschen Konsulat gibt es unter diesem Link.

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