Moderne Therapie bei Prostatakrebs - Alle Informationen
Dr. med. Erik Schulten ist Urologe in den OTS Kliniken in Marbella und Torrox.

Prostatakrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen des Mannes (in Europa und den USA die Häufigste). Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr mehr als 65.000 Männer neu daran.

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko deutlich an: Die meisten Betroffenen sind über 65 Jahre alt.

Dank moderner Vorsorgeuntersuchungen und verbesserter Diagnostik wird der Tumor heutzutage meistens früh erkannt – und damit in einem Stadium, in dem sehr gute Heilungschancen bestehen.

Die Bedeutung moderner Diagnostik

Die wichtigsten diagnostischen Verfahren sind:

  • der PSA-Wert im Blut,
  • die Tastuntersuchung,
  • sogenannte multiparametrische MRT-Untersuchungen,
  • Gewebeproben (Biopsien), welche idealerweise als transperineale Biopsien mit oder ohne vorangegangene Fusion durchgeführt werden
  • sowie in bestimmten Fällen spezielle PET-CT-Untersuchungen.

Entscheidend für die Therapieplanung sind vor allem:

  • das Tumorstadium,
  • die Aggressivität des Tumors,
  • das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten,
  • sowie persönliche Wünsche hinsichtlich Lebensqualität und Sexualfunktionen

Gerade letzterer Punkt hat in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen.

Aktive Überwachung: Nicht jeder Tumor muss sofort behandelt werden

Bei kleinen, wenig aggressiven Tumoren wird heute häufig zunächst keine sofortige Behandlung durchgeführt. Dieses Konzept nennt sich „Aktive Überwachung“ (Active Surveillance).

Dabei wird der Krebs engmaschig kontrolliert – mit PSA-Messungen, MRT-Untersuchungen und gelegentlichen Biopsien.

Ziel ist es, eine Übertherapie (damit meint man eine Therapie welche mehr Schaden als Nutzen bewirkt) zu vermeiden. Viele Männer können dadurch jahrelang ohne Operation oder Bestrahlung leben. Allerdings muss man berücksichtigen, dass die Lebensqualität durch die psychische Belastung beeinträchtigt sein kann.

Operation: Die radikale Prostata-Entfernung

Ist der Tumor auf die Prostata begrenzt, stellt die Operation weiterhin eine der wichtigsten Heilungsmöglichkeiten dar. Dabei wird die Prostata vollständig entfernt.

Heute erfolgt der Eingriff meist laparoskopisch (“Bauchspiegelung”) mit oder ohne Einsatz eines OP-Roboters. Diese Technik ermöglicht besonders präzises Arbeiten, schont wichtige Nervenstrukturen und ist mit einer kürzeren Verweildauer im Krankenhaus verbunden.

Strahlentherapie: Hochpräzise Behandlung ohne Operation

Die Strahlentherapie hat sich in den vergangenen Jahren erheblich weiterentwickelt. Moderne Geräte bestrahlen den Tumor heute äußerst präzise und schonen umliegendes Gewebe deutlich besser als früher.

Zum Einsatz kommen die äußere Bestrahlung sowie die sogenannte Brachytherapie, bei der kleine Strahlenquellen direkt in die Prostata eingebracht werden.

Die Heilungschancen sind bei vielen Tumoren ähnlich gut wie nach einer Operation. Die Entscheidung hängt häufig von Alter, Begleiterkrankungen und persönlichen Vorlieben ab.

Hormontherapie und moderne Medikamente

Hat sich der Tumor bereits außerhalb der Prostata ausgebreitet, kommen häufig medikamentöse Therapien zum Einsatz.

Prostatakrebs wird meist durch männliche Hormone – insbesondere Testosteron – stimuliert. Die sogenannte Hormontherapie senkt diesen Einfluss.

Zusätzlich stehen heute moderne Medikamente zur Verfügung:

  • neuartige Hormonblocker,
  • Chemotherapien,
  • zielgerichtete Therapien,
  • sowie in speziellen Fällen Immuntherapien.

Dadurch konnte die Lebenserwartung vieler Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung in den letzten Jahren deutlich verbessert werden.

Moderne Fokaltherapien: Behandlung nur des Tumors

Ein besonders spannender Fortschritt sind sogenannte Fokaltherapien. Dabei wird nicht die gesamte Prostata behandelt, sondern gezielt nur der Tumorherd zerstört.

Ziel ist es, Krebs wirksam zu behandeln und gleichzeitig Nebenwirkungen möglichst gering zu halten.

Diese Verfahren eignen sich vor allem für:

  • lokal begrenzte Tumoren,
  • ausgewählte Patienten mit mittlerem Risiko,
  • sowie Männer, denen der Erhalt von Lebensqualität und Sexualität besonders wichtig ist.

Im Bereich der Fokaltherapie finden insbesondere zwei Verfahren vermehrt Anwendung: HIFU und Irreversible Elektroporation.

HIFU – Hochintensiver fokussierter Ultraschall

Bei der HIFU-Therapie („High Intensity Focused Ultrasound“) werden hochgebündelte Ultraschallwellen gezielt auf den Tumor gerichtet. Durch die entstehende Hitze wird das Krebsgewebe zerstört, ohne dass ein größerer chirurgischer Eingriff notwendig ist.

Irreversible Elektroporation (IRE), “Nano-Knife”

Eine weitere moderne Fokaltherapie ist die Irreversible Elektroporation (IRE), auch unter dem Namen „NanoKnife“ bekannt.

Hierbei werden feine Nadeln in den Tumor eingebracht. Sehr kurze elektrische Impulse zerstören anschließend gezielt das Tumorareal, während umliegende Strukturen – etwa Nerven oder Blutgefäße – geschont werden können.

Vorteile der Fokaltherapien sind:

  • keine Operation mit Schnitt, keine strahlenbedingte Nebenwirkungen
  • Krankenhausaufenthalte von kurzer Dauer (in der Regel 1 Tag)
  • minimales Risiko für Inkontinenz und Sexualfunktionsstörungen.

Für ausgewählte Patienten stellen die Fokaltherapien eine attraktive Alternative zwischen aktiver Überwachung und radikaler Therapie dar.

Welche Therapie ist die richtige?

Die moderne Behandlung des Prostatakarzinoms folgt heute zunehmend dem Prinzip der „personalisierten Medizin“.

Wichtige Fragen sind:

  • Wie aggressiv ist der Krebs?
  • Ist der Tumor auf die Prostata begrenzt?
  • Wie alt ist der Patient?
  • Welche Begleiterkrankungen bestehen?
  • Welche Bedeutung haben Kontinenz und Sexualfunktion?
  • Wie wichtig ist maximale Sicherheit gegenüber möglichst geringer Belastung?
Ausblick: Immer präzisere und schonendere Therapien

Die Behandlung des Prostatakrebses hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Während früher oft eine radikale Entfernung der gesamten Prostata im Vordergrund stand, ermöglichen moderne Diagnostik und innovative Therapien heute deutlich individuellere Konzepte.

Insbesondere die Fokaltherapien wie HIFU und Irreversible Elektroporation eröffnen neue Möglichkeiten, Tumoren gezielt zu behandeln und gleichzeitig die Lebensqualität zu erhalten.

Für Patienten bedeutet dies vor allem eines: Mehr Wahlmöglichkeiten, bessere Heilungschancen und zunehmend schonendere Behandlungen.

Entscheidend ist und bleibt eine sorgfältige individuelle Beratung – denn die beste Therapie ist natürlich diejenige, die sowohl medizinische als auch persönliche Aspekte vollends berücksichtigt

Der Artikel wurde von Urologe Dr. med. Erik Schulten verfasst. Termine kann man bei den OTS Clinic Marbella sowie bei OTS Clinic Concept Torrox vereinbaren.

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