Die Spanische Siesta
Als Siesta wird in Spanien das erholsame Nickerchen zur Mittagszeit bezeichnet. Die Siesta ist aus der spanischen Kultur nicht wegzudenken.
Vor allem in Dörfern und kleineren Städten schließen Geschäfte, Restaurants und Cafés nachmittags für ein paar Stunden ihre Pforten und es kehrt absolute Ruhe ein.
Die Fensterläden werden geschlossen, die Straßen sind menschenleer und man vernimmt nur das Zirpen der Grillen und das Plätschern von Wasser in Brunnen oder Pools.
Lediglich der ein oder andere Tourist wandelt auf der vergeblichen Suche nach einem Lokal durch die Ortschaft.
Zur Mittagszeit, insbesondere in der heißen Jahreszeit, wird in Spanien eine Ruhepause eingelegt. Die nachmittägliche Hitze fordert dem Körper viel ab, denn bei heißem Wetter braucht er viel mehr Energie, um seine Temperatur zu regulieren.
Müdigkeit ist die Folge, weshalb die Einheimischen ganz instinktiv dazu neigen, mittags eine Pause zu machen.
Die Siesta bietet einen Einblick in das entspannte und gemächliche Tempo des Lebens in Spanien und ist ein Erlebnis, das man auf jeden Fall genießen sollte.
Bei dieser alten spanischen Tradition geht es nicht nur darum, ein Nickerchen zu machen, sondern darum, einen Moment der Ruhe zu genießen, um Körper und Geist zu erfrischen.
Und hat man es erst einmal versucht, dann wird man sich wundern, wie schnell man sich an dieses energiespendende Nickerchen zur Mittagszeit gewöhnt.
Woher kommt die Siesta?
Die Siesta ist schon seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil der spanischen Kultur. Es gibt sie auch in anderen Ländern, vor allem dort wo ein heißes Klima vorherrscht.
Doch rührt die spanische Siesta nicht nur vom Klima her sondern auch von der landwirtschaftlichen Geschichte.
Die Arbeitstage der Landarbeiter waren lang und begannen schon früh morgens. Zur Mittagszeit wird die Hitze oft so unerträglich, dass an Arbeit nicht mehr zu denken ist.
Was gibt es da Sinnvolleres als ein Nickerchen in einem kühlen Raum, das Körper und Geist neue Energie verleiht, um den Rest des Tages gut zu überstehen. Gesellschaftlich ist ein Mittagsschlaf in Spanien vollkommen akzeptiert.
Gibt es die Siesta noch?
In Großstädten wie Madrid oder Barcelona hat sich die Praxis der Siesta in den vergangenen Jahren verändert. Die Mittagspause ist kürzer geworden und viele Geschäfte haben ganztags geöffnet.
Doch außerhalb der größeren Städte wird die Siesta nach wie vor nach alter Manier praktiziert. Dies gilt vor allem in Andalusien, wo im Hochsommer selbst in Städten wie Granada, Málaga oder Sevilla für einige Stunden die Siesta-Ruhe einkehrt und die meisten Geschäfte und Lokale schließen.
Lediglich in touristisch geprägten Zonen, wie zum Beispiel in der Altstadt Málaga, bleiben ein paar Restaurants und Cafés geöffnet.
Vier gute Gründe für die Siesta
Eine kurze Siesta zur richtigen Zeit kann im Hinblick auf die geistige Leistungsfähigkeit wahre Wunder bewirken. Untersuchungen zeigen, dass ein kurzes Nickerchen von 20 bis 30 Minuten die Aufmerksamkeit, die Gedächtnisleistung und die Fähigkeit Probleme zu lösen verbessern kann.
Aus Studien geht hervor, dass Menschen, die regelmäßig eine Siesta einlegen, eine verbesserte kognitive Leistungsfähigkeit und ein schärferes Denkvermögen aufweisen, im Vergleich zu jenen, die den ganzen Tag ohne Pause aktiv sind.
Ein Nickerchen zur Mittagszeit verbessert die Stimmung und reduziert Stress. Körper und Gehirn nutzen diese Pause zur Erholung.
Eine Siesta hilft dabei, den Stresshormonspiegel zu senken, was einen entspannteren Geisteszustand und eine besser Stimmung zur Folge hat. Man ist danach eher in der Lage, die restliche Zeit des Tages mit neuer Energie und einer positiven Einstellung anzugehen.
Man könnte die Siesta als natürlichen Reset-Knopf bezeichnen – eine bewusste Pause, um die Auswirkungen der unerbittlichen Hitze abzuwehren.
Regelmäßige kurze Nickerchen werden mit einem besseren Herz-Kreislauf-Befinden in Verbindung gebracht und unterstützen die Herzgesundheit. Durch die Pause wird der Blutdruck gesenkt und die Belastung des Herzens an einem heißen Tag reduziert.
So wird dem Stress durch hohe Temperaturen und lange Arbeitszeiten auf natürliche Weise entgegengewirkt, was letztlich zu einem gesünderen und glücklicheren Herzen beiträgt.
Eine Siesta spart Energie bei extremer Hitze. In Klimazonen mit übermäßig starker Sonneneinstrahlung ist eine Siesta kein Luxus sondern eine Strategie zum Energiesparen. Indem man sich während der heißesten Zeit des Tages zurückzieht, vermeidet man die körperlichen Belastungen, die eine ständige Hitzeeinwirkung mit sich bringt.
Diese Pause beugt nicht nur Erschöpfung vor, sondern hilft auch dabei, körperliche und geistige Energie für die Zeit zu sparen, in der die Temperaturen sinken. Dadurch wird der Tag angenehmer und besser zu bewältigen.
Wann ist Siesta-Zeit?
Traditionell bezeichnet die Siesta eine Pause von etwa 14 bis 17 Uhr. In der Regel wird in dieser Zeit nicht gearbeitet. Die Menschen essen gemütlich mit der Familie zu Mittag, bevor sie ein Nickerchen machen oder einfach eine entspannende Aktivität im Kühlen genießen, zu der Zeit wenn die Sonne am heißesten ist.
Natürlich wirkt sich diese Ruhepause auf die Arbeits- und Öffnungszeiten aus. Die meisten Geschäfte und Büros sind am Vormittag von 9 oder 10 Uhr bis um 14 Uhr geöffnet. Nach der Siesta machen sie um 17 Uhr wieder auf und schließen gegen 20 Uhr. Der Einzelhandel ist am Abend allerdings häufig länger geöffnet.
Wie macht man richtig Siesta?
Die beste Zeit für eine Siesta ist zwischen 14 und 15 Uhr. Legt man erst nach 15 Uhr eine Siesta ein, kann dies zu nächtlichen Schlafstörungen führen. Außerdem sollte ein Siesta-Nickerchen nicht in stundenlangen Schlaf ausarten, da dieser sich eher negativ auf die Energie später am Tag auswirkt.
Eine Dauer von rund 20 Minuten ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Siesta.
Also einen bequemen, ruhigen und abgedunkelten Ort aufsuchen und am besten einen Wecker stellen, damit man rechtzeitig aufwacht bevor die Tiefschlafphase startet.
Buchtipp zum Thema ‚Siesta‘
Macht ein Mittagsschlaf wirklich träge und faul, oder ist gerade das Gegenteil der Fall? Dieser Frage geht der Philosoph, Autor und überzeugte Mittagsschläfer Ben Rakidzija in seinem Taschenbuch ‚Verteidigung des Mittagsschlafs‚ nach. Das Buch erschien 2025 im Verlag Königshausen & Neumann und hat 123 Seiten.
In seinem Buch lässt der Autor den Mittagsschlaf selbst zu Wort kommen, indem dieser sich nach einer Anklage in dem imaginären Dorf Tasmunien vor Gericht verteidigt. In zahlreichen Episoden entführt der in sich ruhende Angeklagte den Leser in seine Welt aus Schlaf und Traum, Betten und Decken, schattigen Ruheplätzen und kuscheligem Wohlgefühl, und hebt dabei auf subtile Art die vielen Vorzüge hervor, die so ein tägliches Schläfchen zu bieten hat.
Von der Anklage über die Verteidigung bis zum abschließenden königlichen Urteil ist Ben Rakidzijas Werk nicht nur durchgehend unterhaltsam, sondern überzeugt auch durch seine amüsante, teils ironische und sehr poetisch gehaltene Erzählweise.
Ich selbst empfinde diese Erzählung gerade in unserer hektischen und schnelllebigen Zeit als eine lehrreiche Lektüre, die uns dabei unterstützen kann, wieder ein Stück ‚in unsere Mitte‘ zu finden.
Denn wie in der Episode ‚Etymologie der Schläfrigkeit‘ beschrieben, ist die Wortherkunft von ‚Mittag‘ auf ‚in der Mitte befindlich‘ zurückzuführen.
Der ‚Kunst des Mittagsschlafs‘ ist ebenfalls ein Kapitel gewidmet, und sehr schön ist auch, dass thematisch passende Illustrationen von Gemälden bekannter Künstler aus aller Welt dieses Werk zusätzlich bereichern.
Ben Rakidzijas Buch handelt zwar vom Schlaf, hält beim Lesen jedoch hellwach, und sei gerade den Siesta-Kritikern besonders ans Herz gelegt.
Mein persönliches Fazit: Ein kurzer Schlaf zur rechten Zeit ist bei weitem keine Verschwendung derselben, sondern durchaus eine Bereicherung.

























































