Beliebte Zahlungs-App Bizum macht Visa und Mastercard Konkurrenz

Das Zahlungssystem der spanischen Banken ist ab sofort auch im stationären Handel einsetzbar.

Bizum in Spanien
Bezahlen mit dem Handy wird mit Bizum noch einfacher.

Bizum in Spanien

Wer in Spanien lebt, kennt Bizum. Der Satz „Ich zahl, ihr macht mir ein Bizum“ gehört zum Alltag – ob beim Aufteilen der Restaurantrechnung, beim Überweisen der Miete oder beim Sammeln für ein Geschenk.

Seit dem 18. Mai geht Bizum einen entscheidenden Schritt weiter: Das Zahlungssystem der spanischen Banken ist ab sofort auch im stationären Handel einsetzbar.

Der Start ist nach Angaben der spanischen Tageszeitung El Mundo bewusst vorsichtig.

Wer ab sofort an der Kasse mit dem Handy zahlen will, braucht ein Konto bei einer der teilnehmenden Banken – zunächst CaixaBank, Bankinter und Sabadell.

Andere Institute wie BBVA, Santander, Unicaja oder Kutxabank folgen in den kommenden Wochen und Monaten.

Das große Marketing-Rollout plant Bizum für September oder Oktober, mit dem Ziel, bis Dezember 2026 die meisten seiner gut 30 Millionen Nutzer einzubinden.

Die eigenständige App Bizum Pay, die unabhängig von der jeweiligen Bank-App funktionieren soll, lässt noch bis zum 1. Juni auf sich warten. Bis dahin läuft alles über die Banking-Apps der teilnehmenden Institute.

So funktioniert Bezahlen mit Bizum in Spanien

Technisch funktioniert das Bezahlen wie kontaktloses Kartenzahlen: Handy ans Kartenlesegerät halten, fertig. Genutzt wird die NFC-Technologie, die bei Kartenzahlungen ohne PIN seit Jahren Standard ist.

Bei Android reicht es, das Handy zu entsperren und ans Terminal zu halten. Bei iPhone tippt man zweimal auf den Seitenknopf.

Der entscheidende Unterschied zur klassischen Kartenzahlung: Das Geld fließt direkt von Konto zu Konto, ohne Umweg über Visa oder Mastercard.

Für Händler bedeutet das: Die Zahlung ist sofort auf dem Konto, keine Wartezeiten wie bei der üblichen Kartenabrechnung.

Die Kassenhardware müssen Händler nicht austauschen. Die Banken aktualisieren die Software der vorhandenen Terminals.

Das klingt einfach, ist es aber nicht überall: In manchen Regionen berichten Händlerverbände, dass ihre Banken die neuen Konditionen bisher kaum kommuniziert haben.

Offen bleibt die Frage der Gebühren. Jede Bank legt ihre eigenen Konditionen fest. Bizum signalisiert, die Kosten für Händler vergleichbar mit Debitkartengebühren halten zu wollen. Ob das stimmt, wird sich zeigen.

José Luis Nevado, Geschäftsführer des spanischen Zahlungsdienstleisters Sipay, bringt es auf den Punkt: Wenn Bizum Pay spürbar günstiger ist als Karte, wird es schnell angenommen – vor allem in Betrieben mit kleinen Margen oder hohem Transaktionsvolumen.

Liegen die Gebühren auf Kartenniveau, wird der Rollout langsamer, aber die wachsende Vertrautheit der Verbraucher mit dem System treibt ihn dennoch voran.

Bizum trifft auf einen Markt, der sich wandelt. Laut Banco de España wurden im ersten Halbjahr 2025 allein im stationären Handel rund 135,9 Milliarden Euro per Karte bezahlt, fast die Hälfte davon bereits mit dem Handy.

Im Onlinehandel akzeptierten zum Ende 2025 rund 111.000 Shops Bizum – dreimal so viele wie noch zwei Jahre zuvor. Große Namen wie El Corte Inglés, Decathlon oder Ikea sind bereits dabei.

Zusammenarbeit mit anderen europäischen Ländern

Das Timing ist kein Zufall. Bizum feiert in diesem Jahr seinen zehnten Geburtstag. Die Plattform wurde 2016 von einem Konsortium spanischer Banken gegründet, zunächst nur für Überweisungen unter Privatpersonen. 2019 kam der Onlinehandel dazu.

Ende 2025 zählte Bizum 30,6 Millionen Nutzer, über 1,2 Milliarden Transaktionen und ein Gesamtvolumen von rund 105,6 Milliarden Euro allein im E-Commerce. Für 2026 rechnet das Unternehmen mit 32,5 Millionen Nutzern.

Hinter dem Schritt steckt auch europäische Geopolitik. Zwei Drittel aller Kartenzahlungen in der EU laufen über Visa oder Mastercard, beides US-Unternehmen.

Bizum verhandelt bereits mit dem französisch-deutschen System Wero sowie Bancomat in Italien und MB Way in Portugal über Interoperabilität.

Der Aufbau einer eigenständigen europäischen Zahlungsinfrastruktur ist erklärtes Ziel der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank.

Quellen: El Economista, ABC, El Mundo

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