Verband der Ferienwohnungsbesitzer in Málaga: “Touristen sind nicht schuld am Wohnungsmangel”

An die 15.000 Menschen haben vergangene Woche in Málaga für angemessenen Wohnraum demonstriert. Der andalusische Verband der Ferienwohnungsprofis (AVVAPro) rief nach dem Marsch zu einer ruhigeren Debatte auf.

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Proteste gegen Massentourismus in Málaga

Die große Demonstration gegen den Wohnungsmangel in Málaga hat in der Tourismusbranche zahlreiche Reaktionen ausgelöst. Der Präsident des andalusischen Verbands der Ferienwohnungsprofis (AVVAPro), Carlos Pérez-Lanzac, erklärte, dass Airbnb-ähnliche Mietobjekte ein Sündenbock für ein größeres Problem seien. “Touristen sind nicht schuld am Wohnungsmangel”, sagte der Präsident.

Diese Art von Immobilien mache nur zwei Prozent aller Wohnungen in Málaga aus, während 15 Prozent der Wohnungen in der Provinz Málaga leer stünden.

Auch der Verband der Bar- und Restaurantbesitzer in Málaga, Mahos, plädierte für Vernunft hinsichtlich der Auswirkungen des Tourismus und äußerte seine Besorgnis über die Aneignung der legitimen Forderung nach Wohnraum durch politische oder soziale Gruppen, um gegen den Tourismus zu hetzen.

15.000 Menschen auf der Straße

An die 15.000 Menschen hatten vergangene Woche in Málaga für angemessenen Wohnraum demonstriert. Unter dem Motto “Málaga para vivir, no para sobrevivir” (Málaga zum Leben, nicht zum Überleben) nahmen an der Demonstration verschiedene Gruppen teil, darunter Jugendliche, ältere Menschen und Familien aus verschiedenen Vierteln der Stadt.

Kritisiert wurde auch das derzeitige Tourismusmodell der Stadt Málaga, wobei Bürgermeister Francisco de la Torre und der andalusische Ministerpräsident Juan Manuel Moreno die Hauptzielscheiben der Angriffe waren.

Während des Marsches wurden Slogans wie “Wo ist denn nur Paquito? Paquito verkauft, was von der Stadt übrig ist”, “Wir haben kein Zuhause”, und “Massentourismus, Viertel ohne Anwohner” skandiert. Es gab auch zahlreiche Transparente mit Slogans wie “Ich will leben, nicht überleben”, “Málaga für die Anwohner” und “Ich lebe vom Tourismus, aber der Tourismus lässt mich nicht leben”.

Auf der Plaza de la Constitución wurde ein Manifest verlesen, in dem die derzeitige Situation des “touristischen Kollapses und der Ferienvermietung” angeprangert wurde. “Wir werden nicht zulassen, dass die Stadt zu einem Vergnügungspark wird, in dem es keine Anwohner mehr gibt”, hieß es abschließend in dem Manifest.

Unmut in ganz Spanien über Folgen des Massentourismus

Der Unmut über die negativen Folgen des Massentourismus nimmt in ganz Spanien zu. In den vergangenen Wochen und Monaten gab es ähnliche Demonstrationen auf Mallorca sowie auf den Kanaren.

Nicht nur die Wohnkosten, sondern auch die Umweltbelastung, Staus, allgemeine Überfüllung, Wassermangel sowie die Überlastung des Gesundheitssektors und der Abfallentsorgung empören viele Einheimische.

In Barcelona forderten nach Behördenangaben bei einer Demonstration rund 3.000 Menschen angesichts immer höherer Wohn- und Lebenshaltungskosten Beschränkungen für die Tourismusbranche, wie spanische Medien berichten.

Gäste von Restaurants in Barcelona, die vor allem bei Urlaubern beliebt sind, wurden am Wochenende mit Wasserpistolen bespritzt.

Barcelona hat im Kampf gegen Wohnungsnot angekündigt, die Vermietung von Ferienwohnungen bis Ende 2028 ganz abzuschaffen, indem die Genehmigungen einfach nicht erneuert werden. Allerdings droht hier juristische Gegenwehr der Vermieter.

Vor dem Hintergrund der Demonstrationen verschärfen auch die Gemeinden an der Costa del Sol zunehmend die Beschränkungen für Mietobjekte. Vergangenen Monat kündigte die Stadt Málaga an, neue Ferienwohnungen in Wohnblöcken mit gemeinsamen Eingängen zu begrenzen.

Diese Maßnahme wurde unter den Schutz des neuen Dekrets über Ferienwohnungen in Andalusien gestellt. Vergangene Woche stimmte auch der Gemeinderat von Cádiz zu, neue private Ferienwohnungen im historischen Zentrum der Stadt zu verbieten.

Auch Marbella schloss sich der Diskussion an und kündigte an, die Universität Málaga zu beauftragen, um zu untersuchen, wie der Gemeinderat Ferien-Mietobjekte verwalten sollte. Fast sieben Prozent der Wohnungen in Marbella fallen in diese Kategorie, was die Stadt zur viertgrößten in Spanien nach Madrid, Barcelona und Málaga macht.

Die zunehmende Besucherzahl in Spanien wird für viele Probleme verantwortlich gemacht. Bis Ende Mai 2024 wurden bereits 33,2 Millionen ausländische Touristen gezählt. Schätzungen gehen davon aus, dass es bis zum Jahresende 91 Millionen Urlauber werden könnten, die rund 125 Milliarden Euro in die spanischen Kassen spülen werden.

Die Hochkonjunktur im Tourismus sorgt in Spanien derzeit auch für wesentlich bessere Wirtschaftsdaten als in Deutschland.

Quellen: Diario SUR, Málaga HOY, La Vanguardia, AVVAPro, Mahos

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