Modemacher und Maler Hermann Henger feiert seinen 90. Geburtstag

Der Stuttgarter Künstler hat die glamourösen Zeiten in Marbella genossen und erfreut sich seit einigen Jahren dem Leben auf dem Land.

Maler Hermann Henger

Interview mit Hermann Henger

Der Stuttgarter Modemacher und Maler Hermann Henger hat die glamourösen Zeiten in Marbella genossen und erfreut sich seit einigen Jahren dem Leben auf dem Land. Heute feiert er seinen 90. Geburtstag. Wir haben mit dem Jubilar zu seinem Ehrentag gesprochen.

Herr Henger, Sie feiern heute nicht nur Ihren Geburtstag an der Costa del Sol. Sie kennen Marbella bereits seit 50 Jahren?

Das ist richtig. Ich bin 1975 zum ersten Mal nach Marbella gekommen, habe dort viele Jahre gelebt und 50 Jahre später bin ich immer noch ganz nah dran.

In Ihrem Leben haben Sie viele verschiedene Stationen durchlaufen?

Genau. Kurz zusammengefasst: Buffalo, New York, Stuttgart und Marbella.

Ich bin in Amerika aufgewachsen und kurz vor Kriegsende nach Deutschland gekommen. Nach der Schule war ich fünf Jahre lang auf der Kunstakademie in Stuttgart und Basel. Danach habe ich ein Jahr als Grafiker gearbeitet, aber diese Tätigkeit war nicht das, was ich mir vom Leben vorgestellt hatte, und so entschloss ich mich, in dem Modehaus meiner Eltern zu arbeiten. Dort bekam ich einige Kontakte zu internationalen Modelabels.

Sie waren auch als Designer tätig?

Ja, ich war Jahrzehnte als Designer und Agent für ein finnisches Pelzhaus tätig. Dies ermöglichte es mir schließlich, meine kreative Ader auszuleben. In dieser Zeit habe ich ein neuartiges, sehr elegantes Design entwickelt: die Wendepelze, also beidseitig tragbare Jacken, Mäntel und Capes. Ich war auf internationalen Modemessen und hatte auch einen eigenen Showroom in Düsseldorf.

Ist die Malerei trotz allem Ihre Leidenschaft geblieben?

Das kann man so sagen. Seit meinem Ruhestand habe ich das Pelzhaar gegen Pinselhaar ausgetauscht (lacht) – so schrieb es damals die FAZ.

Wie kam es, dass Sie in Marbella gelandet sind?

Das war ein Zufall. Ich hatte Urlaub auf Mallorca gemacht und bei einem Fest gab es eine Verlosung, bei der ich den Hauptgewinn erzielte: vierzehn Tage auf Ibiza im Dezember. Da es dort im Winter oft sehr kalt ist, war ich nicht so begeistert und ich fragte, ob es nicht eine andere Destination gäbe. Der Reiseunternehmer schlug mir Marbella vor. Es ist schon interessant, was das Schicksal manchmal mit einem vorhat.

Sie sind im sogenannten goldenen Zeitalter nach Marbella gekommen. Haben Sie den Glamour von Marbella damals miterlebt?

Marbella hat mich sofort infiziert. Roy Boston, nachdem auch eine Straße in Marbella benannt ist, war ein guter Freund von mir, und wir waren überall eingeladen. Mein Sohn Thorsten hat sich ausgerechnet in der Straße Roy Boston ein Haus gekauft und betreibt dort ein Immobilienbüro.

So schließt sich der Kreis. Als Künstler war ich fasziniert von dem Licht, den Farben und der üppigen Vegetation in Marbella und dem glamourösen Ambiente dieser aufstrebenden Tourismusmetropole. Ich habe mir gesagt, da wirst du einmal deinen Lebensabend verbringen, und das habe ich dann auch gemacht.

Sie haben auch Ihre Frau Elke in Marbella kennengelernt?

Ja, das war ähnlich schicksalhaft. Sie war ein paar Jahre jünger als ich und in Mönchengladbach zuhause. Wie’s der Zufall so wollte, arbeitete sie ebenfalls in der Modebranche und war genauso fasziniert von Marbella wie ich. Das hat auf anhieb gepasst – bis heute.

Wir haben uns dann eine Wohnung in der Siedlung Alhambra der Mar in Marbella gekauft. Diese haben wir vor gut zehn Jahren verkauft, um die Finca in Coín zu bauen, weil wir aufs Land ziehen wollten.

Haben Sie sich gut eingelebt auf dem Land?

Wir genießen das Landleben mit unseren drei Hunden und stellen unser eigenes Olivenöl her und genießen die Bioorangen aus unserem Orangenhain. Nach Coín zu fahren war damals eine kleine Weltreise, beziehungsweise eine Tagestour. Seit es die Schnellstraße gibt sind wir in einer halben Stunde in Marbella oder Málaga.

Das Dörfliche gefällt mir sehr gut, aber wir fahren auch regelmäßig nach Marbella, wenn wir ausgehen wollen.

Hat sich das Leben hier an der Küste sehr verändert?

Natürlich hat sich Marbella verändert und es gibt auch negative Seiten von Marbella, aber über Negatives sehe ich hinweg, denn wo ist es schon hundert Prozent perfekt? Es ist herrlich, hier zu leben, und ich lebe ganz gemäß meinem Leitspruch: Negatives Denken bewegt nichts.

Frau Henger, was gefällt Ihnen besonders gut an Marbella?

Elke Henger: Ich kenne Marbella jetzt auch schon über 40 Jahren. Marbella war immer schön. Verglichen mit heute ist Marbella mondäner geworden, aber es bietet glücklicherweise beides, das mondäne und auch das normale Leben. Damals gab es nicht viel in Marbella und es war im Winter langweilig. Heute ist Marbella das ganze Jahr über lebenswert, zwölf Monate im Jahr. Auch wenn Marbella nicht groß ist, bietet es alles.

Welche Plätze gefallen Ihnen besonders gut hier an der Küste?

Hermann Henger: Wir probieren alles aus. Wir gehen sehr gerne in die Chiringuitos am Strand und auch gerne in die schönen Lokale von Puente Romano. Ich schätze die Vielschichtigkeit hier sehr. Man kann in Marbella sehr preiswert ausgehen und sehr teuer. Wir gehen hier einmal für 9 Euro essen und dann mal wieder für 200 Euro, das gefällt mir.

Wie werden Sie Ihren Geburtstag feiern?

Wir feiern heute mit der Familie und unseren Freunden. Es gibt Livemusik und ich koche, denn mein zweites Hobby heißt Kochen. Meine Frau hat dafür gar keine Begabung, also stehe ich täglich am Herd. Dafür kümmert sie sich um alles Technische, was ich überhaupt nicht kann.

Neben der Malerei und Kochen ist auch Musik eines Ihrer Hobbys?

Ich habe damals zwei Wettbewerbe der Plattenfirma Ariola gewonnen. Aber da muss man dann jeden Abend um 20 Uhr irgendwo sein, dafür bin ich nicht der Typ.

Die Modebranche war für mich genau das Richtige und eine regelrechte Erfüllung. Da habe ich mich ausprobieren können, mit Ideen und mit Farben. Aber ich arbeite jetzt schon seit 20 Jahren nicht mehr. Die Malerei ist ein Hobby, das habe ich nie gemacht um Geld zu verdienen. Aber natürlich bekomme ich auch hin und wieder den einen oder anderen Auftrag.

Welche Themen behandeln Sie in Ihrer Malerei?

Ich fange die Natur in meiner Malerei ein. Ich habe viele Stilrichtungen und arbeite mit Naturmaterialien wie Fasern, Gräser, Palmrinde, Muscheln, Sand und vielem mehr, die ich in meine Bilder einarbeite. Mein letzter Auftrag waren mehrere Bilder für das Hotel Viluz.

Sind Sie in Ihrem Leben angekommen?

Wir haben viel erlebt, wir beide sind viel gereist und jetzt ist es die Natur, die mich erfüllt. Ich bin im Moment sehr glücklich. Das Leben besteht aus Kompromissen, egal ob in der Politik, der Wirtschaft oder in einer Partnerschaft, und da bin ich sehr gerne bereit dazu. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Leben, so kann es bleiben.

Am heutigen 31. März wird Hermann Henger 90 Jahre alt. Costa del Sol ONline gratuliert dem charismatischen Schwaben ganz herzlich zu diesem Ehrentag!

Das Interview mit Hermann Henger führte Dana Novak.

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