Old Swiss House in Fuengirola
Das Old Swiss House in Fuengirola wurde 1981 eröffnet und gehört zu den traditionsreichsten Restaurants der Stadt.
Seit mehr als vier Jahrzehnten wird in dem Familienbetrieb, der weit über die Region hinaus bekannt ist, schweizerische Küche mit andalusischer Gastfreundschaft vereint.
Wir haben mit Tamara und Carlos Gutiérrez Blättler über die Entstehungsgeschichte des Restaurants, die Verbindung ihrer Familie zur Schweiz und Spanien, die beliebten Spezialitäten sowie die besondere Atmosphäre, die das Restaurant ausmacht, gerade jetzt in der Wild- und Vorweihnachtszeit.
Das Old Swiss House bietet kulinarische Spezialitäten der Schweiz. Wie kommt man auf die Idee, ein Schweizer Restaurant an der Costa del Sol zu eröffnen?
Tamara Gutiérrez Blättler: Meinen Eltern Mateo Gutiérrez und Isabella Blättler hat es hier einfach gefallen. Meine Mutter ist Schweizerin, mein Vater stammt aus Málaga. Kennengelernt haben sie sich allerdings in der Schweiz, wo sie viele Jahre gemeinsam in der Gastronomie gearbeitet haben, meine Mutter in der Küche, mein Vater im Service.
Irgendwann dachten beide: „Warum nicht ein eigenes Restaurant in Málaga eröffnen?“ Als sie Fuengirola entdeckten, hat mein Vater sofort gesagt: „Das ist ein schöner Ort, hier können wir etwas aufbauen.“ So ist das Old Swiss House entstanden.
War Schweizer Küche damals hier schon bekannt?
Carlos Gutiérrez Blättler: Nein, überhaupt nicht. Meine Eltern mussten die Leute erst dafür begeistern, unsere Gerichte zu probieren. Sie haben damals viel Werbung gemacht und mit den Jahren ist das alles gewachsen.
Ursprünglich trug es den Namen Old Swiss House Mateo Restaurant, weil viele spanische Gäste das englische Wort „Swiss“ nicht richtig verstanden haben und mein Vater Mateo heißt. Eine Zeit lang standen daher beide Namen gemeinsam auf dem Schild.
Sie und Ihr Bruder Carlos sind beide in Spanien aufgewachsen?
Tamara: Geboren wurden wir beide in der Schweiz, aufgewachsen sind wir aber in Spanien. Ich war noch ein Baby, mein Bruder sehr klein, als wir nach Spanien kamen. Wir sind praktisch hier groß geworden. Zu Hause haben wir immer Schweizerdeutsch gesprochen, mein Vater spricht es nämlich ebenfalls fließend, weil er so lange in der Schweiz gelebt hat. Später habe ich dann auch Hochdeutsch gelernt.
Sie haben in ihrem Restaurant viel Wert auf ein authentisches Ambiente gelegt. Wenn man hereinkommt, fühlt man sich wirklich wie in der Schweiz …
Carlos: Das hören wir oft. Viele Gäste fragen, was so ein Restaurant an der Costa del Sol macht. Aber gerade das macht uns so besonders. Die warme Atmosphäre, viel Holz, viele Bilder, gemütlich, wie in einem Chalet. Manche fühlen sich wie in den Ferien in der Schweiz. Und sie freuen sich, wenn sie wieder Zürcher Geschnetzeltes, Rösti oder Käsefondue essen können. Das freut uns natürlich sehr.
Kochen Sie zu Hause auch Schweizer Küche?
Carlos: Ja, oft. Ich habe immer Käse zu Hause, mache Raclette oder andere Schweizer Spezialitäten und zwischendurch gibt’s zu Hause natürlich auch mal eine Pizza. Aber ich kombiniere auch spanische Produkte, zum Beispiel Chistorra-Würstchen. Und natürlich lade ich Freunde ein, dann kochen wir gemeinsam.
Und welches Schweizer Gericht ist Ihr persönliches Lieblingsgericht?
Carlos: Zürcher Geschnetzeltes und unser Rinderfilet vom heißen Stein. Das liebe ich. Das Fleisch wird auf einem speziellen Stein serviert, es ist fantastisch.
Mit der Schweiz verbindet man Berge, Schnee und Skifahren. Vermissen sie das hier?
Carlos: Wenn ich Zeit habe, fahre ich mit Freunden in die Sierra Nevada, das ist nur eine Stunde von hier. Dort gibt es sehr schöne, lange Pisten. In der Schweiz ist das Skifahren natürlich noch mal anders, wegen der Dörfer und der Infrastruktur. Aber die Sierra Nevada ist wunderschön und es gab sogar eine Weltmeisterschaft dort.
Wir haben Gäste, die jedes Mal hierher essen kommen, nachdem sie einen Tag in der Sierra Nevada verbracht haben. Zu einem Skitag gehört einfach ein Schweizer Essen dazu.
Aus welcher Region der Schweiz stammt Ihre Familie?
Tamara: Aus Luzern. Eine wunderschöne Gegend, von Bergen umgeben, am Vierwaldstättersee, herrliche Natur und gutes Essen natürlich. Genau das wollen wir auch hier in Fuengirola vermitteln: ein Stück Schweizer Tradition. Ich bin nach meinem Schulabschluss in die Schweiz gegangen und habe drei Jahre im Hotelfach gearbeitet, das hat mir sehr gefallen.
Aber dann bin ich zurückgekommen, um in dem Familienbetrieb mitzuarbeiten. Meine Eltern sind mittlerweile beide in Rente. Jetzt kocht unsere Antonia, die ehemalige Sous-Chefin meiner Mutter Isabella, die von ihr alle Rezepte gelernt hat.
Carlos, Sie arbeiten mit Ihrer Schwester hier im Old Swiss House. War das für Sie schon immer klar, dass sie gemeinsam das Restaurant weiterführen?

Carlos: Nicht unbedingt, denn es ist ja nicht selbstverständlich, dass die Kinder in den Familienbetrieb einsteigen. Aber ich habe schon seit meiner Kindheit immer mitgeholfen. Eigentlich bin ich gelernter Elektriker, und den Beruf habe ich lange ausgeübt. Aber irgendwann habe ich mich entschieden, zu Hause einzusteigen.
Der Betrieb existiert ja schon lange, und wir wollten ihn als Familie gemeinsam weiterführen. Und ich habe gemerkt, wie schön das Leben hier im Restaurant ist. Gäste bedienen, guten Service bieten, es ist immer etwas los. Ich lerne ständig neue Menschen kennen und plaudere mit ihnen, über das Wetter, über den Tag, über alles Mögliche. Aber immer ohne unseren Schweizer Stil zu verlieren, denn der macht uns aus.
Kommen hauptsächlich Schweizer und Deutsche zu Ihnen?
Tamara: Im Winter während der Wildsaison ja, viele reservieren bei uns im Voraus. Im Sommer haben wir sehr viele Spanier und internationale Gäste, Engländer, Skandinavier, alles bunt gemischt.
Viele internationale Gäste kennen hier die Schweizer Küche gar nicht. Haben Sie ein paar Empfehlungen für unsere Leser?
Tamara: Gerne! Da habe ich gleich einiges parat. Natürlich das Zürcher Geschnetzelte, Rösti, Raclette und das traditionelle Käsefondue. Dazu haben wir auch Fondue Chinoise mit hausgemachter Brühe, Steak Tatar, das ich am Tisch zubereite, bis zu Chateaubriand mit hausgemachter Sauce Béarnaise, Filet Mignon auf dem heißen Stein, Kalbsleber und Rinderfilet Stroganoff.
Da wir hier an der Küste sehr guten Fisch haben, bereiten wir gerne auch Fischgerichte zu, wie Seezunge in Champagnersauce oder Lachs mit Safransauce. Außerdem gibt es jeden Tag einen Tagesteller.
Eine besondere Spezialität sind bei Ihnen im Winter die Wildgerichte, wie zum Beispiel Rehrücken?
Carlos: Ja, das servieren wir mit Spätzli, hausgemachtem Rotkohl, Blumenkohl, im Ofen gegartem Apfel, karamellisierten Kastanien, Weintrauben und Pfirsich. Wir bereiten auch Hirschfilet, Fasan, Entenbrust, Wildschwein und Hirschpfeffer mit Spätzli zu. Alles nach traditionellen Rezepten. Die Wildsaison dauert bei uns bis Ende Dezember, manchmal sogar bis Anfang Januar.
Ist es schwierig, Wild wie Reh oder Fasan hier in Spanien zu bekommen?
Tamara: Nein. In Andalusien haben wir großartige Produkte und viel Wild. Mein Vater und schon mein Großvater waren Jäger, daher kennen wir hervorragende Bezugsquellen. Das Fleisch kommt aus Andalusien, aber die Rezepte sind traditionell schweizerisch.
Ihre Spätzli sind sicher hausgemacht?
Carlos: Ja, selbstverständlich. Es gibt kein Geheimrezept, es kommt dabei auf die Qualität an. Gute Eier, gutes Mehl, absolute Frische und natürlich alles hausgemacht, ebenso wie unsere Desserts. Viele bestellen auch eine Käseplatte. Schweizer Käse und Schokolade bekommen wir direkt aus der Schweiz angeliefert.
Gibt es im Old Swiss House auch ein Weihnachtsmenü?
Tamara: Bis zum 24. Dezember ja. Viele Firmen reservieren für kleine Feiern. Wir haben Räume für 12 bis 20 Personen und dekorieren alles liebevoll weihnachtlich. Vom 25. Dezember bis zum 15. Januar machen wir Betriebsferien, damit das Team Zeit mit der Familie verbringen kann.
Was unternehmen Sie, wenn Sie freihaben?
Tamara: Ich gehe gerne wandern oder Fahrrad fahren. Im Sommer schwimme ich gerne. Ein schöner Platz im Hochsommer ist Elviria, dort sind etwas weniger Leute. Aber auch Fuengirola ist wunderschön, nur im August etwas überlaufen. Und jetzt zu Weihnachten fahren wir in die Schweiz zu den Großeltern, wo wir als Kinder immer unsere Sommer verbracht haben.
Sie sind mit zwei Kulturen aufgewachsen. Fühlen Sie sich eher als Spanier oder als Schweizer?
Carlos: Ich bin in der Schweiz geboren, und mein Geburtsland bleibt immer in meinem Herzen. Ich habe eine gewisse Sehnsucht nach der Schweiz. Wenn ich dort bin, lade ich meine Batterien auf: Wandern, Berge, Schnee, das brauche ich einfach. Trotzdem ist mein Leben hier in Spanien. Aber die Nostalgie bleibt. Deshalb fahre ich mehrmals im Jahr in die Schweiz.
Das Interview führte Dana Nowak für Costa del Sol ONline.





















































