Woher kommen die Schilfrohre, die gerade die Strände der Provinz Málaga bedecken?

Die invasive Pflanze stammt aus dem östlichen Mittelmeerraum, erreicht bis zu sechs Meter Höhe und bedroht die heimische Vegetation

Schilfrohr entfernen Málaga
Die Strände von Málagas Stadtteil El Palo sind mit Schilfrohr bedeckt.

Schilfrohr an den Stränden von Málaga

Sie sind das sichtbarste Überbleibsel der jüngsten Unwetter an der Costa del Sol: Massenhaft angeschwemmte Schilfrohre bedecken derzeit die Strände von Málaga.

Während die Reinigungstrupps arbeiten, um die Strände rechtzeitig vor Ostern wieder besucherfreundlich zu machen, stellen die Pflanzen für Verwaltung und Bevölkerung ein tiefergehendes Problem dar.

Denn bei den sogenannten Cañas bravas handelt es sich um eine invasive Art, die sich nur schwer dauerhaft entfernen lässt. “Ihre Beseitigung ist nicht einfach”, erklärte Andalusiens Umweltministerin Catalina García. Man arbeite derzeit an einer strategischen Planung zur Kontrolle der Ausbreitung.

Bis dahin bleibt den Gemeinden an der Küste nichts anderes übrig, als die riesigen Mengen der angeschwemmten Pflanzen provisorisch zu beseitigen – zunächst durch Aufhäufen, anschließend durch den Einsatz sogenannter “Pulpo”-Greifbagger, wie zuletzt an der Playa de la Misericordia oder an den Stränden von El Palo.

Nach Angaben des Gemeindeverbandes der westlichen Costa del Sol wurden allein in diesem Abschnitt fast 2.700 Tonnen Schilfrohr eingesammelt – rund 700 Tonnen mehr als im gesamten Vorjahr.

Schilfrohr an den Stränden von Málaga
Strand El Dedo in Málagas Stadtteil El Palo. Das Schilfrohr wird nach und nach weggeräumt.

Ausbreitung wird durch menschliche Eingriffe begünstigt

Die Ursachen der Schilfrohrplage sind vielfältig. “Diese Art stammt ursprünglich aus dem östlichen Mittelmeerraum und hat sich bei uns in Flüssen, Bächen und Schluchten festgesetzt”, erläutert Enrique Salvo, Direktor des Lehrstuhls für Klimawandel an der Universität Málaga (UMA). Dort verdränge sie heimische Arten wie Tamarisken oder Oleander.

Die Ausbreitung des Schilfrohrs werde zusätzlich durch menschliche Eingriffe begünstigt, etwa durch landwirtschaftliche Nutzung direkt an den Flussläufen oder durch Baumaßnahmen.

Besonders problematisch sei die sogenannte Allelopathie der Pflanzen: Sie stoßen biochemische Stoffe aus, die das Wachstum anderer Arten unterdrücken und verhindern, dass deren Samen keimen.

Als wirksamste Gegenmaßnahme nennt Salvo die Entfernung und den Ersatz durch heimische Pflanzenarten – bevorzugt in manueller Pflanzung. Begleitend sei der Bau von Böschungen mit organischem Untergrund notwendig, um diese neuen Pflanzen zu etablieren.

Zwar sei dies “langsam und teuer”, doch lohne sich die Investition langfristig, da sie spätere Kosten für die Beseitigung von Blockaden und Überschwemmungen vermeiden helfe.

Der Wissenschaftler verweist auf die “Staudamm-Effekte”, die das Schilfrohr an Brückenpfeilern erzeugt habe. “Flüsse gehören zu den sensibelsten und artenreichsten Ökosystemen – wir müssen ihnen mehr Aufmerksamkeit schenken.”

Auch zur möglichen Weiterverwertung der entfernten Pflanzen wird geforscht. Die Universität Málaga untersucht derzeit gemeinsam mit der Firma Tododobarro, ob sich die Schilfrohre als Biobrennstoff nutzen lassen. Alternativ könnten sie im Kunsthandwerk verwendet werden – etwa für Schattendächer in Strandbars.

Doch auch das sei angesichts des großen Volumens der Pflanzen nur eine begrenzte Lösung.

Quelle: Málaga HOY

HINTERLASSE EINE ANTWORT

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein