Kastanienfeste in Andalusien
Wenn im Oktober die Tage kürzer werden und sich die Luft in den Bergen abkühlt, beginnt in Andalusien eine Zeit, die man hier fast so sehr liebt wie den Sommer. Die Kastanienzeit.
In den weißen Dörfern der Serranía de Ronda und der Sierra de las Nieves feiern die Bewohner ihre „Fiesta de la Castaña„, Feste voller Rauchduft, Musik und Geschichten. Eine Hommage an die Esskastanie, die hier seit Jahrhunderten wächst und ganze Landschaften prägt.
Ein Meer aus Bäumen rund um Pujerra
Eines der bekanntesten Kastaniendörfer ist Pujerra, ein kleines Bergdorf rund 25 Kilometer von Ronda entfernt. Es liegt im Valle del Genal, einem Tal, das im Herbst in allen Farben glüht, von leuchtendem Gelb über Orange bis hin zu tiefem Rot. Hier stehen Tausende von Kastanienbäumen, die die Hänge wie ein herbstlicher Teppich überziehen.
In Pujerra feiert man Anfang November den „Día de la Castaña„, ein Dorffest mit langer Tradition. Schon Tage vorher beginnen die Vorbereitungen. Frauen backen Kastanienkuchen, Männer holen Feuerholz aus dem Wald, Kinder sammeln die schönsten Früchte. Am Festtag selbst duftet es auf den Straßen nach gerösteten Maronen, Likör und frisch gebackenem Brot.
Besucher können sich durch unzählige Variationen probieren: Von Kastanienmarmelade und Kastanienlikör bis hin zu Eintöpfen, in denen die braunen Früchte eine herzhafte Note geben.
Die Fiesta gilt als eine der authentischsten Herbstfeiern Andalusiens. Es gibt Musik, Volkstänze und Wettbewerbe rund um die Kastanie, die hier nicht nur als Nahrungsmittel, sondern auch als Symbol für Gemeinschaft gilt.
Noch heute ist der Kastanienanbau in der Region ein wichtiger Wirtschaftszweig, viele Familien besitzen kleine Parzellen, deren Ernte im Oktober beginnt und oft in Handarbeit erfolgt.
Yunquera: Wenn die Sierra de las Nieves nach Rauch riecht
Auch im Bergdorf Yunquera, am Rand des Naturparks Sierra de las Nieves, widmet man dem braunen Herbstschatz ein eigenes Fest. Die „Sampablera„, benannt nach dem heiligen San Pablo, verbindet religiöse Tradition mit kulinarischem Genuss.
Hier werden die Kastanien in großen Pfannen über offenem Feuer geröstet, dazu gibt es Most, Wein und Musik bis spät in die Nacht.
Yunquera ist zudem ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen. Wer mag, verbindet den Besuch des Festes mit einem Spaziergang durch den Naturpark, wo uralte Pinsapo-Tannen wachsen. Im Herbst ist das Licht hier besonders weich und der Geruch von feuchtem Laub und Kastanienrauch begleitet einen auf jedem Schritt.
Während die Costa del Sol meist noch Sonne und 25 Grad bietet, kann man in den Bergen Andalusiens in diesen Wochen den echten Herbst erleben.
In Orten wie Genalguacil, Jubrique oder Igualeja ziehen sich Nebelschwaden über die Kastanienhaine, die Bäche führen wieder Wasser, und in den Bars dampfen Teller mit potaje de castañas, einem Eintopf aus Kastanien, Bohnen und Chorizo.
Viele dieser Feste sind klein, familiär und kaum touristisch. Wer dabei sein will, sollte am besten früh anreisen. Parkplätze sind rar und die Zufahrtsstraßen kurvenreich. Dafür wird man mit einem authentischen Stück Andalusien belohnt, das man so an der Küste kaum findet.
Kastanienküche: süß, deftig, überraschend vielseitig
In Andalusien werden Kastanien nicht nur geröstet gegessen. Besonders beliebt sind Kastanien in Sirup, die in vielen Dörfern als Hausrezept weitergegeben werden, oder Kastanienkuchen, der an einen kräftigen Brownie erinnert.
Auch deftige Gerichte wie Wildschwein mit Kastanien oder Suppe mit Speck und Maronen stehen im Herbst auf den Speisekarten.
Wer mag, kann in kleinen Dorfläden oder auf Wochenmärkten hausgemachte Produkte kaufen. Marmelade, Likör oder Mehl aus Kastanien, das sich hervorragend für Pfannkuchen oder Brot eignet.
Ein Ausflugstipp für Genießer
Die Kastanienfeste in Pujerra, Yunquera und den Nachbardörfern bieten nicht nur kulinarische Erlebnisse, sondern auch ein Stück andalusische Kultur, die sich in ihrer Einfachheit bewahrt hat. Man trifft sich auf dem Dorfplatz, tanzt, trinkt und lacht, während aus großen Pfannen der Duft frisch gerösteter Maronen aufsteigt.
Wer den Besuch mit einem Wochenendausflug verbindet, kann in einem der vielen Landhotels oder Casas rurales übernachten. Am Morgen ziehen Nebel über die Täler, und sobald die Sonne durchbricht, glitzern die Kastanienblätter wie Gold.
Tipp: Das Kastanienfest in Pujerra findet meist am ersten Wochenende im November statt, das in Yunquera oft Ende Oktober. Die genauen Termine werden jedes Jahr kurzfristig von den Gemeinden veröffentlicht.






















































