„Ich liebe es, mit Menschen zu tun zu haben, besonders mit netten Gästen“

Renate Andresen führt das Lifepoint Marbella, eine gemütliche Kneipe mit Herz und Persönlichkeit.

Renate Andresen im Lifepoint Marbella
Renate Andresen im Lifepoint Marbella

Renate Andresen – Lifepoint in Marbella

Renate Andresen führt das Lifepoint Marbella, eine gemütliche Kneipe mit Herz und Persönlichkeit. Die gebürtige Deutsche hat in ihrem Leben schon viele Erfolge gefeiert, vor allem auf der Tanzfläche.

Mit ihren Düsseldorfer Teamkollegen errang sie im Standardformationstanzen mehrfach Weltmeistertitel und prägte eine Ära dieses Sports. Ihre Karriere führte sie um die ganze Welt, von Turnieren in Deutschland bis zu Shows in Kanada und den USA.

Heute hat Renate Andresen ihren Lebensmittelpunkt in Marbella, wo sie als Wirtin das Lifepoint Marbella führt und die deutsche Gemeinschaft zusammenhält. Seit dem 1. April 2024 bietet sie dort traditionelle Spezialitäten wie Currywurst, Leberkäsebrötchen oder Frikadellen und regelmäßig Events mit Live-Musik.

Besonders während großer Sportereignisse wie der Fußball-EM oder der Bundesliga füllt sich das Lokal schnell. Auch Prominente wie Jörg Wontorra, Hans-Peter Briegel oder Charles M. Huber schauen gerne vorbei. Wir haben uns mit der Unternehmerin unterhalten.

Frau Andresen, Sie waren eine sehr erfolgreiche Formationstänzerin. Wie sind Sie damals zum Turniertanzen gekommen?

Angefangen habe ich mit 17. Erst ganz klassisch mit Anfängerkursen, später für Fortgeschrittene und irgendwann kam ich dann in einen Turnierkreis. Später tanzte ich in einer Standardformation, also Wiener Walzer, Tango, Slowfox und Quickstep. Wir waren acht Paare auf der Fläche. Das Training war hart, dreimal die Woche, oft mehrere Stunden am Tag. Aber ich hatte den richtigen Tanzpartner, der übrigens damals auch privat mein Partner war.

Das macht vieles einfacher, oder?

Ja, das hat gut gepasst. Das war bevor ich dann in die Wirtschaftsschule in Düsseldorf gegangen bin. Da habe dann eine Pause gemacht. Die Beziehung war vorbei, die Tanzpartnerschaft auch. Mit 25 habe ich dann wieder angefangen, diesmal mit einem neuen Tanzpartner. Als Paar auf Turnieren zu tanzen ist etwas ganz anderes als in der Formation.

Sie wirken sehr diszipliniert, etwas, das Ihnen sicher im Beruf wie im Tanz geholfen hat?

Absolut. Wenn ich etwas mache, dann richtig, anders geht’s nicht. Als Bilanzbuchhalterin war es da auch nicht anders. Da muss alles stimmen, da kann man nicht mal ein paar Nullen irgendwie verdrehen.

Für Ihre Disziplin wurden Sie belohnt. Wie war es, als Sie zum ersten Mal Weltmeisterin wurden?

Unvergesslich! Das war 1977. Wir standen auf dem Treppchen, die Nationalhymne erklang – das war ein ganz besonderer Moment. Ich erinnere mich noch, wie meine kleine Tochter stets mit einem Blumenstrauß auf mich wartete, wenn ich von einer Meisterschaft zurückkam. Das hat mich sehr berührt. Wir waren damals auch viel unterwegs und traten in Shows in Los Angeles, San Francisco, Montreal und sogar in Peking auf. Unser Club organisierte alles. Wir tanzten auf Galas, bei Shows, und sogar in Fernsehsendungen wie Verstehen Sie Spaß, bei Rudi Carrell oder der Glücksspirale. Damals wurde alles noch aufgezeichnet, es gab noch keine Livesendungen.

Nach der Geburt Ihrer Tochter haben Sie eine Pause eingelegt, später aber wieder angefangen. Das schaffen nicht viele…

Ja, nach der Geburt 1980 habe ich aufgehört, aber irgendwann hat es mich wieder in den Füßen gejuckt. Es war eine lange, wunderschöne Zeit, von 1974 bis 1990. Meine Medaillen hängen heute noch in Düsseldorf. Das war Leistungssport pur, aber eine Erfahrung, die ich nie missen möchte. Ich spreche noch immer gern darüber und tanze heute privat, einfach aus Freude.

Wenn eine so intensive sportliche Zeit endet, fällt man da nicht in ein Loch?

Nein, gar nicht. Ich habe es ruhig angehen lassen, meinen Mann Uli kennengelernt, mich um die Familie und um meine Arbeit in der Brauerei gekümmert. Marbella war dann der perfekte Ort für den nächsten Lebensabschnitt. Das Einzige, was mich gestört hat: Man nimmt etwas zu (lacht). Also habe ich hier Flamenco- und Sevillanas-Kurse besucht. Bewegung gehört einfach zu mir.

2011 haben Sie Ihren Lebensmittelpunkt ganz nach Marbella verlegt. Wurde Ihnen das Rentnerleben zu ruhig?

Ja, wer rastet, der rostet. Ich fliege regelmäßig nach Düsseldorf und Hamburg um meine Tochter und meine zwei Enkelkinder besuchen.

Wie kam es, dass Sie das Lifepoint übernommen haben?

Das war ein glücklicher Zufall. Ich mochte das Lokal schon immer. Nach dem Tod des Vorbesitzers suchte seine Frau Gerlinde einen Nachfolger. Da habe ich gedacht: Warum eigentlich nicht? Jetzt steckt mein ganzes Herzblut darin. Ich liebe es, mit Menschen zu tun zu haben, besonders mit netten Gästen. Abends ist immer etwas los, und das macht einfach Spaß. Während der EM war hier richtig Stimmung. Ich wollte einen Ort schaffen, der beides ist, sowohl Sportbar und gemütliche deutsche Kneipe, mit Atmosphäre und Herz.

Renate Andresen im Lifepoint Marbella
Bei Renate gibt es auch alkoholfreies Bier vom Fass, frisch gezapft und wohl temperiert.

Ihr Mann und Sie sind ein eingespieltes Team?

Ja, mein Uli macht den Einkauf und unterstützt mich bei den Events in der Küche. Ich kümmere mich um alles andere und betreue die Gäste. Abends setze ich mich auch gerne mal dazu und wir lachen und reden. Es gibt regelmäßig Live-Musik und manchmal öffnen wir auch für Geburtstagsfeiern, das hält mich auf Trab.

Sehr beliebt ist auch das Oktoberfest, das wir gerade ausgiebig gefeiert haben, und natürlich die Knobelrunde. Bei mir gibt es deutsche Tapas. Ein Restaurant wollte ich nie, da müsste ich Leute einstellen, und das möchte ich nicht, das wäre mir zu viel. Ich bin nicht mehr 60, da muss die Arbeit Spaß machen. Und das tut sie.

Erinnern Sie sich, wann Sie das Lokal zum ersten Mal betreten haben?

Ja, vor etwa 14 Jahren, da hieß es noch Restaurant Live. Ich komme schon lange nach Spanien, meine Eltern lebten hier. Marbella kenne ich seit 1990.

Hatten Sie vorher bereits Erfahrung in der Gastronomie gesammelt?

Ja, ich war viele Jahre Bilanzbuchhalterin in der Altbierbrauerei Schumacher in Düsseldorf. Dort habe ich viel gelernt und am Wochenende half ich manchmal in einer Kneipe in der Altstadt aus.

Das Lifepoint hat sich zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt. Sie haben einen Pachtvertrag über drei Jahre, denken Sie schon an eine Verlängerung?

Ganz ehrlich: Drei Jahre sind genug. Ich bin Jahrgang 1950, wenn der Vertrag endet, bin ich 77. Dann möchte ich den Rest meines Lebens mit meinem Mann genießen – hoffentlich noch viele Jahre.

Haben Sie das Gefühl, hier in Marbella endgültig angekommen zu sein?

Ja, absolut. Ich liebe das Klima, die spanische Mentalität, das Leben hier. Ich reise regelmäßig nach Deutschland, um meine Familie zu sehen, aber leben möchte ich dort nicht mehr. Mein Zuhause ist jetzt hier.

Das Interview führte Dana Nowak für Costa del Sol ONline

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