Donkey Dreamland in Mijas
Die reinste Idylle! Kein Lüftchen regt sich, die locker von Oliven und anderen Bäumen bestandenen Hügel sind sonnenüberflutet, in der Ferne glitzert das Meer, die Vögel zwitschern um die Wette. Manchmal fährt oben auf der Straβe ein Auto vorbei, und hin und wieder iaht ein Esel.
Insgesamt 23 dieser netten, auch in Andalusien seltener werdenden Huftiere machen an diesem Ort vielleicht zum ersten Mal die Erfahrung, dass das Leben nicht nur aus Knechtschaft, Ausbeutung, Misshandlungen und Mangel besteht.
Dass sie hier ein ganz anderes Dasein kennenlernen, ist der entschlossenen Initiative einer Frau zu verdanken, die während ihrer glücklichen Kindheit in Granada und in den Alpujarras eine so tiefe Zuneigung zu den sanftmütigen Langohren entwickelte, dass diese später zum Mittelpunkt ihres Lebens werden sollten.
2020 gründete Amaya Isert in La Cala de Mijas einen Gnadenhof mit dem schönen Namen Donkey Dreamland und nahm dort 22 Exemplare der akut vom Aussterben andalusischen Rasse auf. Einige, weil ihre Besitzer verstarben oder zu krank waren, um sich weiter um sie zu kümmern, andere, weil sie keinen Profit mehr abwarfen.
So auch acht Tiere aus Mijas, die bereits im Alter von 16 bis 18 ausrangiert wurden – sehr früh eigentlich, denn Esel können gut und gern 40 Jahre alt werden. Doch diese hier waren vor der Zeit verbraucht von ihrer schweren Arbeit in den malerischen Gassen von Mijas Pueblo.
Eseltaxis waren meistfotografierte Urlaubsmotive
In den frühen sechziger Jahren, als der Massentourismus auch Mijas entdeckte, kamen findige Eseltreiber und Landarbeiter auf die Idee, ihre Tiere mit folkloristischem Zaumzeug herauszuputzen und den Touristen während ihrer Besichtigungstouren durch Pueblo als Transportmittel anzubieten.
Bald waren die sogenannten „Burro Taxis“ eines der meistfotografierten Urlaubsmotive an der Costa del Sol und erreichten Kultstatus. Ihr Beitrag zur touristischen Identität des pittoresken Bergdorfs und seiner Wirtschaftsentwicklung der letzten 60 Jahre ist überhaupt nicht zu ermessen.
„Genau weiβ ich es nicht, aber ich denke, dass momentan in Mijas Pueblo noch ungefähr 40 Esel in dieser Form aktiv sind. Drei oder vier Halter haben ihre nicht mehr profitablen Tiere bei uns abgestellt. Sie brauchten sie nur als Arbeitsgeräte, aber nun betrachten sie sie nur noch als Kostenfaktor“, fasst Martine Meign die Situation zusammen.
Die Holländerin war vor knapp drei Jahren mit Camper und Hund an die Costa del Sol gekommen, machte sich sehr bald bei Donkey Dreamland nützlich und führt heute praktisch die Regie über die Anlage.
So kann sich Amaya Isert darauf konzentrierten, 100 Kilometer weiter westlich in Gaucín, das bei ausländischen Residenten ähnlich beliebt zu werden beginnt wie Mijas, einen weiteren Zufluchtsort für Esel aufzubauen.
Bei ihrer zupackenden, klar strukturierten holändischen Vertreterin und den 30 Voluntären aus aller Herren Länder weiβ sie das Donkey Dreamland in La Cala de Mijas derweil in den besten Händen.
Ein unbeschwertes Dasein für die Tiere

Selbst bei gröβter Hitze haben die sympathischen Grautiere, deren Fell in Wirklichkeit auch ganz andere Farbtöne aufweisen kann, bis zum Umfallen schuften müssen. Oft wurden sie mangelhaft ernährt, nachts mit so kurzen Stricken angeleint, dass sie nie im Liegen schlafen konnten, sie wurden geschlagen und getreten und kamen mit entsprechenden Spuren gezeichnet im Donkey Dreamland an.
Die Mitabeiter von Donkey Dreamland setzen alles daran, die körperlichen wie seelischen Spuren und Traumata mit ganz viel Verständnis, Respekt, Geduld und Zuneigung zu heilen. Und so könnnen sie den Besuchern zur Vorgeschichte, so sie bekannt ist, wie auch zum Entwicklungsfortschritt der einzelnen Tiere einiges erzählen.
Der Aufenthalt der Esel im Refugium endet, wenn die Heilung an Körper und Seele endet und geeignete Adoptionspartner gefunden sind. Was die nächste Etappe anbelangt, haben die ansonsten recht genügsamen Esel allerdings Ansprüche. Sie sind schlieβlich Herdentiere, die sich am wohlsten fühlen unter ihresgleichen, zusammen mit Pferden, Fohlen und sogar Ziegen.
Die Mitarbeit bei Donkey Dreamland als Gym-Ersatz
Vier bis fünf Freiwillige werden bei Donkey Dreamland täglich gleichzeitig gebraucht. Sie misten die Koppeln und Unterstände aus, sorgen für frisches Wasser und Futter, striegeln und umsorgen die dankbaren, sanftmütigen Tiere.
Esel sind bekanntlich zutraulich, neugierig und hochintelligent. Aber Vorsicht, wenn sie unvermittelt ihre zärtlichen Nasenstüber verteilen, steht man besser mit beiden Beinen fest auf dem Boden.
„Für die Arbeit auf dem Eselhof sollte man körperlich in Topform sein“, erwähnt Christiane Rudigier in diesem Zusammenhang. Sie macht sich hier jeden Samstag nützlich und packt überall mit an.
„Bei 40 Grad im Schatten oder Matschwetter fällt es zweimal so schwer, die mit Mist beladenen Schubkarren die Hügel hochzuwuchten. Aber was soll’s? Seit ich Donkey Dreamland habe, brauche ich kein Workout im Gym.“
Generierung finanzieller Mittel
Die monatlichen Kosten des Gnadenhofs belaufen sich auf durchschnittlich 6.000 Euro, aber mit öffentlichen Subventionen ist nicht zu rechnen.
Diese Situation dürfte sich auch nicht ändern, solange die Gemeinde Mijas nicht ihre ehrgeizigen Pläne in die Tat umsetzt, die gemeinsam mit Donkey Dreamland und den Haltern der noch im Einsatz befindlichen Esel erarbeitet wurden und am Anfang der Website www.donkeydreamland.com eingesehen werden können.
Ohne das entschiedene Engagement der ehrenamtlichen Mitarbeiter könnte diese Zufluchtsstätte für ausgemusterte Esel nicht existieren, ohne Spenden oder hauseigene Initiativen und Aktivitäten zur Generierung von Einnahmen aber auch nicht.
Dazu zählt der hübsche Laden im Eingangsbereich, wo Freunde, Gönner und Mitarbeiter kunsthandwerkliche Artikel, Schmuck, Marmeladen und andere selbst gemachte Produkte zugunsten der Esel anbieten.
Die wichtigste Einnahmequelle jedoch sind die unterschiedlich langen, von Mitarbeitern des Refugiums geführten Touren und Spaziergänge mit den Eseln durch die Hügellandschaft wie auch die Begegnungen mit den Tieren in den Koppeln.
Man erfährt viel über ihre früheren Lebensumstände, ihre Merkmale, Eigenschaften und Bedürfnisse und hat die Möglichkeit, enge, für beide Seiten wohltuende, entspannende Kontakte mit ihnen zu etablieren.
Veranstaltungsprogramm für Besucher
Darüber hinaus bietet das Donkey Dreamland seinen Besuchern das ganz Jahr über ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm, unter anderem mit Klangschalen-Events, gesunden andalusische Frühstücken, Halloween-Nächten und natürlich auch dem für Samstag, den 20. Dezember von 13 bis 17 Uhr geplante Weihnachts-Event.
Vor Besuchen jedweder Art bittet das Mitarbeiterteam um telefonische Anmeldung unter +34 640 11 16 51, da die personellen und räumlichen Kapazitäten dieser bemerkenswerten Einrichtung begrenzt sind.
Was dort aktuell los ist, erfährt man auf der informativen und anschaulich bebilderten Website www.donkeydreamland.com.





















































