25 Jahre an der Costa del Sol – ein Leben zwischen Medizin und mediterranem Alltag

Dr. med Wolfgang Schmitt und Dr. Felipe Schmitt Sánchez im Doppel-Interview mit Costa del Sol ONline

Die Ärzte Wolfgang und Felipe Schmitt im Familieninterview
Dr. Wolfgang Schmitt mit seinem Sohn Dr. Felipe Schmitt Sánchez.

Interview mit Dr. Wolfgang Schmitt und Dr. Felipe Schmitt Sánchez

Seit einem Vierteljahrhundert arbeitet Dr. med. Wolfgang Schmitt, Orthopäde und orthopädischer Chirurg, in Marbella und Torrox. Bereits 2002 hatte er die Idee, mehrsprachige Polikliniken an der Costa del Sol zu eröffnen.

Die Facharztpraxen OTS Clinic Marbella und auch die OTS Clinic Concept Torrox haben sich längst zu einer festen Größe für Residenten und Langzeitbewohner in Marbella und Torrox entwickelt.

Auch sein Sohn, Dr. Felipe Schmitt Sánchez, gehört zum Team. Er ist in Málaga aufgewachsen, hat in Deutschland studiert und arbeitet heute als plastischer und rekonstruktiver Chirurg außerdem an mehreren Kliniken an der Costa del Sol und auf Ibiza.

Wir haben mit Dr. Wolfgang Schmitt und Dr. Felipe Schmitt Sánchez über ihre Anfänge, ihre Beweggründe, ihren Alltag und warum für die beiden Medizin mehr Berufung als Beruf ist, gesprochen.

Herr Dr. Wolfgang Schmitt, wie kam es damals zu Ihrer Entscheidung, nach Spanien zu gehen?

Ich hatte kein Interesse mehr an der Massenmedizin und an dem zunehmenden Bürokratismus in Deutschland. Meine Frau und ich wollten eine persönlichere, patientenorientierte Form der Medizin praktizieren. Das war die Grundidee.

Nach dem Studium in Hamburg und Marburg und der Ausbildung zum Facharzt kam der Entschluss, nachdem ich mehrere Jahre als Facharzt gearbeitet hatte, etwas Neues zu wagen. Da wir mehrere Sprachen sprechen und meine Frau – ihre Mutter ist Deutsche, ihr Vater Spanier – die doppelte Staatsbürgerschaft besitzt, lag Spanien nahe. Unsere Kinder sprachen ohnehin fließend Spanisch.

Warum ausgerechnet die Costa del Sol?

Marbella, Málaga und Torrox gehören zu den Regionen mit der höchsten Dichte an Residenten aus ganz Europa, nicht nur aus Deutschland. Unsere Zielgruppe sind internationale Residenten: Deutsche, Engländer, Russen, Skandinavier, Spanier und viele andere.

Der größte Anteil sind zwar Deutsche, aber insgesamt sind die Patienten hier sehr gemischt. Ein wichtiger Punkt ist das Versicherungssystem. Viele Deutsche hier sind privat versichert, während andere gar keine oder nur eine gesetzliche Versicherung haben, aber trotzdem privat behandelt werden möchten. Diese Patienten zahlen ihre Behandlungen meist selbst.

Ihre Frau Alicia Sánchez arbeitet ebenfalls in Ihrer Klinik…

Ja, sie ist ein wichtiger Teil unseres Teams. Sie betreut bei unseren Patienten die sekundäre Rehabilitation, ein wenig auch die Krankengymnastik und natürlich die medizinische Trainingstherapie, die besonders wichtig nach einer Operation ist. 

Nach der Akutphase (Physiotherapie), in der es zunächst um Heilungsprozesse geht, kommen die Phasen des Muskelaufbaus, der Wiederherstellung der Koordination und der Belastbarkeit. Und genau da setzt die medizinische Trainingstherapie an. Ohne sie lässt sich eine nachhaltige Genesung kaum erreichen.

Wie haben Sie und Ihre Frau sich eigentlich kennengelernt?

Vor fast 40 Jahren auf einer großen Sportmesse in Frankfurt. Meine Frau stellte damals für eine amerikanische Firma die ersten computergesteuerten Trainingsgeräte vor, die damals völlig neu auf dem deutschen Markt waren. Ich hatte großes Interesse an diesen Geräten und bin deshalb zur Messe gefahren. Sie war dort federführend bei der Präsentation.

Danach haben sie gemeinsam in Hamburg gelebt und gearbeitet. Von dort ging es nach München und dann nach Berlin…

In Berlin war ich über sechs Jahre lang leitender Oberarzt in einer großen Klinik. Danach reifte der Wunsch, etwas Eigenes aufzubauen.

Wie haben Sie den Umzug an die Costa del Sol und den Aufbau der Klinik organisiert?

Ich bin anfangs zwei Jahre lang regelmäßig gependelt, um mir die Gegebenheiten vor Ort anzuschauen: Hygienestandards, Kliniken, Abläufe. Anfänglich habe ich dann mit mehreren privaten Krankenhäusern zusammengearbeitet, in denen ich heute noch operiere, und wurde dort sehr freundlich aufgenommen.

Die privaten Kliniken waren damals sehr interessiert an Ärzten mit internationaler Klientel, da private Patienten ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor sind. So konnten wir Schritt für Schritt Strukturen aufbauen.

Wie ging es dann mit der eigenen Klinik los?

Ich habe zunächst mit Dr. Stöver zusammengearbeitet, einem sehr kompetenten und menschlich herausragenden Allgemeinmediziner und Internisten mit großer Praxis in Marbella. Wir arbeiteten rund acht bis neun Jahre zusammen, bis er leider verstarb.

Danach wurde die Praxis zu klein, und da seine Frau, ebenfalls Ärztin, nicht expandieren wollte, suchte ich nach einer neuen Lösung. 2011 fand ich diese größere Immobilie hier in Marbella. Wir integrierten weitere Kolleginnen und Kollegen, die teilweise von sich aus auf uns zukamen, weil sie sahen, dass unsere Organisation gut funktionierte und die Patienten zufrieden waren.

So kamen unter anderem ein Neurologe, ein Dermatologe, ein Urologe, eine Gynäkologin und ein Kieferorthopäde hinzu. Aus dieser Kooperation entwickelte sich mit der Zeit ein recht großes medizinisches Zentrum. In Spitzenzeiten waren wir in beiden Praxen, Marbella und Torrox, mit rund 22 Mitarbeitern und Kollegen tätig.

Wie kam es zu der zweiten Praxis in Torrox?

Die Praxis entstand ziemlich zeitgleich mit der in Marbella. Ich begann 2002 hier in Marbella, und ein Jahr später kam Torrox dazu.

Wir haben festgestellt, dass die Patienten aus Torrox ungern nach Marbella fahren und umgekehrt. Es sind schlicht zwei verschiedene Regionen mit unterschiedlicher Bevölkerungsstruktur. In Torrox haben wir viele Winterresidenten, Menschen, die im September kommen und bis April bleiben.

In dieser Zeit ist dort sehr viel zu tun. Touristen sind hingegen nicht unsere primäre Zielgruppe. Wir konzentrieren uns auf Langzeiturlauber und Patienten mit dauerhaftem Wohnsitz.

Gibt es in Ihrer orthopädischen Chirurgie besondere Schwerpunkte?

Das hängt auch von der beruflichen Lebensphase ab. In Berlin und München lag mein Schwerpunkt stark auf Sporttraumatologie: Kreuzbandchirurgie, Schulterchirurgie, Verletzungen bei Leistungssportlern.

Darauf habe ich mich auch spezialisiert. Gleichzeitig musste ich damals allerdings in meiner Funktion als Oberarzt auch das gesamte operative Spektrum der Orthopädie abdecken. Hier insbesondere die Endoprothetik und Fußchirurgie.

Heute stehen vor allem Prothesen, Meniskusoperationen und kleinere Handoperationen im Vordergrund, die klassischen, häufigen Eingriffe. Brüche behandeln wir natürlich ebenfalls, aber viele werden direkt mit dem Krankenwagen in größere Kliniken gebracht, sodass sie oft nicht bei uns ankommen.

Gibt es hier viele Sportverletzungen? 

Sportverletzungen sehen wir regelmäßig, besonders weil hier viele junge Menschen leben, die Kinder internationaler Familien, viele in sportlich aktiven Schulen.

Komplexere Sporttraumata fallen jedoch oft unter die gesetzliche Unfallversicherung oder Berufsgenossenschaften. Dafür braucht man spezielle Verträge, die wir als Privatklinik nicht abschließen können.

Die Ärzte Wolfgang und Felipe Schmitt im Familieninterview
Dr. med. Wolfgang Schmitt führt zwei Praxen in Marbella und Torrox.

Sie haben fünf Kinder die alle Medizin oder Zahnmedizin studiert haben und zwei von Ihnen arbeiten bereits in ihrer Klinik.

Ja, meine Familie ist stark medizinisch geprägt. Einer meiner Söhne ist Orthopäde und Unfallchirurg, Oberarzt in Köln. Meine Tochter schließt ihr Medizinstudium nächstes Frühjahr ab und überlegt, dann ihren Facharzt in Deutschland zu machen. Und zwei meiner Söhne sind Zahnärzte (der Jüngste ist noch nicht ganz fertig), von denen einer hier in der Klinik in Marbella arbeitet und auch spezielle Wurzelkanalbehandlungen anbietet.

Das heißt, Ihre Praxis könnte sich in Zukunft noch um weitere Familienmitglieder erweitern?

Ja, das wollen wir in den kommenden Jahren weiter ausbauen. Ob mein Sohn aus Köln irgendwann dazukommt, weiß ich nicht. Das ist seine Entscheidung, da rede ich ihm nicht rein.

War für Sie, Herr Dr. Felipe Schmitt Sánchez, immer klar, dass Sie in die Fußstapfen Ihres Vaters treten und ebenfalls Mediziner werden?

Nein, anfangs nicht. Ich habe mich zwar früh entschieden, Medizin zu studieren, aber es war keine bewusste Nachahmung meines Vaters. Zu Hause habe ich viel von seiner Arbeit mitbekommen, und auch meine Geschwister haben diesen Weg eingeschlagen. Ich bin der Älteste, aber nicht der Einzige in der Familie, der Arzt ist.

Eigentlich wollte ich Kinderarzt werden. Während des Studiums merkte ich jedoch, dass mir die Arbeit mit schwerkranken Kindern emotional zu nahegeht. Ich hätte Schwierigkeiten gehabt, das im Alltag loszulassen.

Später absolvierte ich Praktika in Deutschland, unter anderem in der Unfallchirurgie. Das faszinierte mich sofort. Kurz vor Ende des Studiums bekam ich das Angebot, in Málaga unter einem deutschen Chefarzt (plastischer und rekonstruktiver Chirurg) einen Teil meiner Facharztausbildung in der plastischen Chirurgie zu machen. Dort habe ich angefangen und schnell gemerkt, dass das mein Fach ist.

Heute sind Sie auf plastische und rekonstruktive Chirurgie spezialisiert…

Genau. Ich arbeite in Málaga und Torremolinos, wo ich als Chefarzt für vier private Kliniken der HM-Gruppe tätig bin. Dort behandle ich Patienten auf Spanisch, Englisch oder Deutsch. Ich operiere anschließend meist im HM-Krankenhaus Santa Elena in Torremolinos, wo auch mein Vater seit über 20 Jahren als Belegarzt tätig ist.

Außerdem arbeite ich regelmäßig auf Ibiza, meist ein- bis zweimal im Monat. Dort führe ich vor allem ästhetische Operationen durch, aber auch rekonstruktive Eingriffe, etwa nach Unfällen oder bei Verbrennungen. Letzte Woche habe ich beispielsweise eine Brustrekonstruktion durchgeführt und anschließend eine Achillessehnenrekonstruktion mit Hauttransplantation.

Sie bieten also ein breites Spektrum, von Schönheitsoperationen bis zu rekonstruktiven, wiederherstellenden Eingriffen, an?

Ja, das ist mir wichtig. Während meiner Facharztausbildung in Deutschland arbeitete ich in einem großen Krankenhaus mit über 4.000 Betten, wo wir viele schwere Fälle hatten – Unfälle, Verbrennungen, komplexe Rekonstruktionen.

Diese Erfahrung wollte ich nicht aufgeben. Auch heute mache ich bewusst beides: ästhetische und rekonstruktive Chirurgie. So bleibe ich nah an der „richtigen Medizin“, wie ich es nenne, und kann Menschen helfen, die nach Unfällen oder Tumorerkrankungen wiederhergestellt werden müssen, etwa nach Brustkrebs oder Gesichtsverletzungen.

Medizin spielt in Ihrer Familie eine große Rolle…

Wir sind tatsächlich alle im medizinischen Bereich tätig. Unser Vater sagt immer, er hätte sich zur Abwechslung noch einen Anwalt oder Architekten in der Familie gewünscht, was durchaus praktisch wäre (lacht).

Aber der Beruf war nie eine Vorgabe. Unsere Eltern haben uns nicht gedrängt, sondern eher gewarnt, wie lang und anstrengend der Weg ist. Entscheidend war die positive Haltung, mit der sie über ihren Beruf gesprochen haben. Das hat uns geprägt.

Ihr Vater sagt, er habe seinen Kindern immer mitgegeben, dass man Arzt nicht wegen des Geldes werden soll?

Genau. Er hat immer betont, dass man diesen Beruf aus Überzeugung ergreifen muss und nicht aus finanziellen Gründen. Der Weg ist lang: sechs Jahre Studium, dann Facharztausbildung, viele Nachtdienste, wenig Freizeit. Wer Chirurg wird, arbeitet hart und wird nicht in den ersten Jahren reich. Dafür ist es ein sicherer, erfüllender Beruf, den man überall auf der Welt ausüben kann, vorausgesetzt, man spricht die Sprache.

Sie haben sowohl in Deutschland als auch in Spanien gelebt und gearbeitet. Fühlen Sie sich eher als Deutscher oder als Spanier?

Das ist eine gute Frage. Wenn ich in Deutschland bin, fühle ich mich manchmal mehr als Spanier, hier in Spanien wiederum eher als Deutscher. Ich denke in manchen Dingen einfach anders als meine Kollegen, in der Arbeitsweise, Organisation und Disziplin. Das ist nichts Negatives, sondern eine Bereicherung. Natürlich vermisst man in jedem Land etwas, aber man gewinnt auch etwas anderes dazu.

Sie leben nicht in Málaga wie ihr Vater?

Felipe Schmitt: Mein Wohnsitz ist in Benalmádena, zentral zwischen den Kliniken in Málaga und Torremolinos. Das ist logistisch ideal, kurze Wege, gute Fluganbindungen, und auch meine Universität war in Málaga.

Herr Dr. Wolfgang Schmitt, was schätzen Sie besonders an Marbella?

In Marbella bin ich vor allem beruflich. Aber ich schätze die Menschen hier sehr. Viele meiner Patienten leben dauerhaft hier, ebenso gute Freunde, die ich unter anderem im Lions Club kennengelernt habe, dessen Präsident ich vor einigen Jahren war. Das Netzwerk und die Lebensqualität sind großartig.

Sie haben einen sehr vollen Terminkalender. Wünschen Sie sich manchmal etwas mehr Freizeit?

Ja, inzwischen schon. Die operativen Tätigkeiten sind körperlich und zeitlich sehr fordernd, besonders Notfälle am Abend oder in der Nacht. Früher habe ich das leichter weggesteckt, jetzt merke ich die Belastung stärker. Ich denke daher zunehmend darüber nach, meine Arbeitszeit etwas zu reduzieren, um wieder mehr Raum für mich selbst zu haben.

Und was machen Sie mit der freien Zeit, die Sie sich gönnen?

Ich verbringe sie gern draußen, mit meinem Hund, beim Radfahren oder bei Spaziergängen am Meer. Golf spiele ich gelegentlich, aber das große Fieber hat mich noch nicht gepackt. Vielleicht kommt das noch. Wichtig ist mir vor allem, den Kopf freizubekommen und etwas Abstand vom Klinikalltag zu bekommen.

Das Interview für Costa del Sol ONline führte Dana Nowak

2 BEMERKUNGEN

  1. schönen guten tag. wir wohnen hier an der Costa blanca. meine mutter 86 lebt in Recklinghausen NRW. Gerne würde sie Chondrofiller bekommen in ihr Knie. hyaluron usw. hat sie alles schon mal ausprobiert. War auch immer für einen Zeitraum ok. Wissen Sie vielleicht jemand in Deutschland der dieses Verfahren nutzt? Vielen Dank im voraus. Jennifer Hahn Fürstenberg

    • Vielen Dank für Ihren Kommentar. Wir von Costa del Sol Online kennen keinen Orthopäden in Deutschland, der dieses Verfahren nutzt. Fragen Sie am bestens das Team von Dr. Schmitt in den OTS Kliniken in Marbella oder Torrox direkt.

HINTERLASSE EINE ANTWORT

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein