Hantavirus auf Kreuzfahrtschiff: WHO plant Einlaufen in Kanarische Häfen, aber Madrid zögert

Hantavirus Kreuzfahrtschiff

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Dienstag bestätigt, dass das Kreuzfahrtschiff MV Hondius, auf dem ein Hantavirus ausgebrochen ist, die Kanarischen Inseln anlaufen soll.

Das spanische Gesundheitsministerium hat dies nach Angaben der spanischen Tageszeitung El Mundo jedoch nicht bestätigt und will erst nach Auswertung epidemiologischer Daten entscheiden.

Seit dem 1. April, dem Abfahrtsdatum des Schiffes sind sieben Personen erkrankt: drei sind gestorben, eine befindet sich in kritischem Zustand, drei zeigen leichte Symptome.

An Bord befinden sich 149 Personen aus 23 Nationen, darunter 14 Spanier.

Das Schiff fuhr vom argentinischen Ushuaia ab und ist derzeit auf dem Weg über Kap Verde in Richtung Kanarische Inseln. Unter den Toten soll sich auch ein Deutscher befinden, wie die Reederei mitteilte.

Maria Van Kerkhove, WHO-Direktorin für Epidemie- und Pandemieprävention, erklärte, die spanischen Behörden hätten zugesagt, das Schiff aufzunehmen und eine vollständige Desinfektion sowie eine epidemiologische Untersuchung durchzuführen.

Das Gesundheitsministerium unter Mónica García widersprach: Man werde erst nach Auswertung der Daten, die beim Passieren von Kap Verde erhoben werden, entscheiden, welcher Hafen geeignet sei. „Bis dahin trifft das Ministerium keine Entscheidung, wie wir der WHO mitgeteilt haben“, hieß es in einer Stellungnahme.

Fernando Simón, Direktor des Zentrums für Gesundheitsalarme und -notfälle (CCAES) im Gesundheitsministerium, erklärte im katalanischen Rundfunk, das Schiff führe niederländische Flagge, weshalb auch eine Weiterfahrt direkt in die Niederlande in Betracht gezogen werde. „Diese Entscheidungen werden gerade jetzt, in diesen Stunden getroffen“, sagte Simón.

Er betonte, das Schiff werde Kap Verde ohne symptomatische Patienten verlassen, da diese vorher evakuiert werden. Das globale Risiko für die Bevölkerung stuft die WHO derzeit als niedrig ein.

Auf den Kanaren selbst zeigen sich die zuständigen Stellen gespalten. Der Vizepräsident der Regionalregierung, Manuel Domínguez, sagte, es wäre besser, wenn das Schiff die Inseln nicht anlaufe und stattdessen einen Hafen auf dem spanischen Festland ansteuere.

Der Regierungsbeauftragte für die Kanaren, Anselmo Pestana, gab sich zuversichtlicher: „Spanien ist auf solche Situationen vorbereitet. Wir haben ein robustes öffentliches Gesundheitssystem.“ Auf den Kanaren existiere zudem eine Spezialeinheit für die Behandlung hochansteckender Patienten.

Das Hantavirus wird normalerweise durch Kontakt mit Urin oder Kot infizierter Nagetiere übertragen. Einen Hinweis auf die Infektionsquelle an Bord gibt es bislang nicht.

Die WHO hält eine Übertragung von Mensch zu Mensch für möglich, obwohl dies bei Hantaviren äußerst selten vorkommt. Entsprechende Fälle seien in der Vergangenheit jedoch dokumentiert worden.

Quelle: El Mundo

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