Eines der am stärksten gefährdeten Säugetiere Europas soll wieder spanische Gewässern bewohnen

Die Mönchsrobbe ist eine der am stärksten bedrohten Robben überhaupt

Mönchsrobbe in Spanien
Foto: Marinko Babić / Wikimedia

Mönchsrobbe in Spanien

Knopfaugen, Stupsnase und tapsiger Gang an Land – nicht viele Raubtiere erfreuen sich derartiger Beliebtheit wie Robben. Und das Mittelmeer hat sogar eine ganz besondere Art zu bieten: Die Mittelmeer-Mönchsrobbe (Monachus monachus).

Was sie so besonders macht? Sie und ihren engen Verwandten – die Hawaii- und die Karibische Mönchsrobbe – haben eine traurige Gemeinsamkeit: Sie alle sind entweder stark gefährdet oder gar ausgestorben.

Von der hawaiianischen Art gibt es weniger als 1000 fortpflanzungsfähige Tiere, die Mittelmeer-Mönchsrobbe zählt gerade einmal 500 und die Karibische? Sie gilt seit 2008 offiziell als ausgestorben.

Damit es unserer Mittelmeer-Mönchsrobbe nicht ähnlich widerfährt, arbeiten Spaniens Regierung und Naturschützer an Plänen die Robbe wieder an die spanische Küste zu bringen.

Noch bis in die 60er Jahre war das Meeressäugetier insbesondere an Andalusiens Küste, vor allem in Alicante und Almería, vor den Balearen und den Kanaren Zuhause. Einst lebte sie sogar im gesamten Mittelmeer, im Schwarzen Meer und im Atlantik bis hinunter zu Senegals Küste. Doch das ist Vergangenheit.

Was geschah mit der Mittelmeer-Mönchsrobbe?

Ihre Leibspeise macht sie zum Feind. Denn die „putzigen“ Meeressäuger sind Raubtiere. Offensichtlich fressen sie Fisch. Viel Fisch. Das macht sie leider zur Konkurrenz für Fischer. Sie werden gezielt verfolgt und getötet, weil sie Schäden an den Netzen verursachen und man besorgt ist, sie „fressen den Ozean leer“.

Gerne vergisst man, dass die Prädatoren für die Gesundheit des marinen Ökosystems verantwortlich sind. Sie regulieren Populationen und verhindern die Ausbreitung von Krankheiten. Außerdem sind sie selber eine wichtige Nahrungsquelle für Orcas oder Haie.

Oft verfangen sich die Meeressäuger auch in den Fangnetzen und ertrinken elend oder enden als Beifang.

Ohne Lebensraum kein Leben

Felsen und ruhige Küstenbereiche sind heute der Treffpunkt für die scheuen Meeressäuger. Hier wird geruht, gestillt und sich gepaart.

Forscher berichten von einem Lebensraumwechsel der Mittelmeer-Mönchsrobbe. Früher waren die Tiere an langen, offenen Stränden zu finden.

Doch sie haben sich angepasst, sie mussten sich anpassen. Mittlerweile suchen sie nicht nur abgelegenere Gebiet auf, oft werden die Robbenjungen sogar in versteckten Höhlen zur Welt gebracht, die nur tauchend zu erreichen sind.

Denn im Laufe der Jahre blieb den Robben nicht mehr viel des ursprünglichen Lebensraums übrig: Hotels, Siedlungen, Häfen wurden in ihre Welt gebaut. Sporttaucher, Touristen oder Fischer erreichen mittlerweile fast jeden noch so versteckten Bereich.

Das Resultat: Heute leben sie nur noch vereinzelt im Osten des Mittelmeers, vor Mauretanien sowie an Madeiras Küste. Insgesamt mit nur noch rund 500 Tieren, die Nachkommen produzieren und somit die Art vor dem Aussterben retten können.

Das ist ein trauriger Rekord: Weltweit ist sie einer der am stärksten bedrohten Robben überhaupt. Auf der Roten Liste der Gefährdeten Arten steht sie als gefährdet, in Spanien gilt sie als komplett ausgestorben. Doch das soll sich ändern.

Aber wo soll und kann die Robbe noch leben?

Experten sind sich einig: Ein Raubtier, wie die Robbe, ist elementar für das marine Ökosystem. Sie nimmt einen unersetzbaren Platz in der Nahrungskette ein.

Daher gibt es mittlerweile verschiedene Pläne zur Wiederansiedlung der Mönchsrobbe in spanischen Gewässern. Das Spanische Umweltministerium MITECO veröffentlichte bereits 2018 Pläne für die Wiederansiedlung von 36 Tieren auf Fuerteventura.

Doch Fischer kritisierten die Pläne so heftig, dass sie zum Stillstand kamen – bis heute.

Der katalanische Staatssekretär für den ökologischen Wandel Jordi Sargatal berichtete aber aktuell, dass es ein Projekt zur Rückkehr an das Cap de Creus in Katalonien gibt und dies 2027 wieder aufgenommen werden soll.

Das könnte zusammen mit der Wiederansiedlung von Tieren auf der  balearischen Insel Cabrera geschehen. Noch sei man in der Planungsphase – sicher ist aber, die Mönchsrobbe zurück in spanischen Gewässern zu haben, würde helfen, das ökologische Gleichgewicht wiederherzustellen.

Doch woher bekommt man eigentlich stark gefährdete Robben?

Erster Schritt: Robbenschule

Sobald die Tiere – bereits nach wenigen Wochen – eigenständig sind und das Robbenknigge von ihren Müttern erlernt haben, sind sie bereit für die Umsiedlung. Sie haben extrem fettreiche Milch von ihrer Mutter bekommen, gelernt zu jagen, zu schwimmen und zu tauchen sowie die richtigen Brut- und Nahrungsplätze zu finden. Somit sind sie bereit für ein Robbenleben.

Die Robben würden dann von Spezialisten behutsam ausgewählt, narkotisiert und umgesiedelt werden.

Zweiter Schritt: Planung und Robbenmathematik

Biologen müssen erforschen, wo geeignete Lebensräume für die Robben sind. Brutplätze, Nahrungsangebot und möglichst geringe Konfliktpunkte mit Menschen stehen ganz oben auf der Checkliste der Naturwissenschaftler. Ein passender Ort wäre das vorgeschlagene Cap de Creus in Katalonien.

Außerdem haben Forscher mathematisch modelliert, ob es möglich wäre Individuen der Art für Wiederansiedlungsprojekte aus einer Population in Mauretanien, West-Sahara, zu entnehmen. Diese Population im Naturschutzgebiet Cabo-Blanco ist stabil und gesund.

Das Ergebnis des Modells: Die behutsame Entnahme von 6 entwöhnten Jungtieren im Zeitraum über 5 Jahre hätte laut diesem Modell nur geringe Auswirkungen auf die Ausgangs-Population in Mauretanien.

Dritter Schritt: Analysen und Auswertungen

Sind die Robben erstmal wieder in spanischem Wasser, werden die Wiederansiedlungsprojekte wissenschaftlich begleitet. GPS-Senderdaten, Verhaltensbeobachtungen, Unterschutzstellung von Lebensräumen und andere Methoden helfen, die jungen Robben zu schützen, zu sehen, ob sie sich gut einleben und mögliche Gefahren und Trends in der Population frühzeitig zu erkennen.

Der Fortschritt der Jungtiere wird verfolgt und genauestens analysiert. Das hilft auch bei zukünftigen, ähnlichen Projekten.

Die Hoffnung ist groß…

Wir wissen noch erstaunlich wenig über die heute scheuen Mittelmeer-Mönchsrobben. Sie haben sich an uns angepasst, ihren Lebensraum geändert und dennoch stehen sie kurz vor dem Aussterben.

Wenn die Pläne der spanischen Regierung in die Tat umgesetzt werden, hat die Robbe eine Chance wieder an der spanischen Küste heimisch zu werden. Das wäre eine große Bereicherung für das marine System.

Mönchsrobben-Fakten im Überblick:

  • Sie haben eine lange Tragzeit von 9-11 Monaten.
  • Mit 300kg Körpergewicht und 2,8 m Länge ähneln sie den Kegelrobben an deutschen Küsten.
  • Mönchsrobben jagen allein und meistens nachts.
  • Die maximale Tauchtiefe ist 200m; unter Wasser können sie 15 Minuten lang bleiben.
  • Gefundene Mönchsrobben-Knochen mit Schnittspuren belegen, dass sie bereits von Neandertalern bejagt wurden.
  • Mönchsrobben stehen auf der Roten Liste der IUCN und gelten als gefährdet.

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