
Naturpark Doñana in Andalusien
Der Weiler El Rocío liegt mitten im Naturpark Doñana, einer Naturlandschaft aus Marsch, Dünen und Kieferwäldern. Dass dieser zur Gemeinde Almonte gehörende Ort nicht in den Naturpark integriert wurde und noch bewohnt werden kann, hat er der berühmten Wallfahrt gleichen Namens zu verdanken.
Diese wird schon seit dem 17. Jahrhundert veranstaltet und lockt jährlich zu Pfingsten über eine Million Pilger aus allen Teilen Andalusiens und sogar aus dem Ausland in diesen Weiler.
Die Pilger, die aus allen Himmelsrichtungen zu Pferd, zu Fuß und mit von Pferden gezogenen Karren anreisen, haben das Privileg den Naturpark während der Wallfahrt auf vier ausgeschriebenen Wegen zu durchqueren, um zu dem Heiligtum der Virgen del Rocío zu gelangen.

Außerhalb der Saison wirkt der Weiler, in dem normalerweise kaum mehr als tausend Personen leben, wie ein verlassenes Westerndorf der Südstaaten Nordamerikas.
Staubige, nicht asphaltierte Straßen und Gestänge zum Anbinden der Pferde vor jedem Haus dominieren zusammen mit den an Kolonialbauten erinnernden Bruderschaftssitzen das Stadtbild.
Die einstöckigen Gebäude wechseln sich mit den schmucken Häusern der an der Wallfahrt teilnehmenden Bruderschaften ab, die mit ihrem Glockenturm kleinen Kirchen gleichen und oftmals die Merkmale des Herkunftsortes der Bruderschaft an ihren Fassaden widerspiegeln.
Die hier herrschende Stille wird nur von den im Wind rauschenden Blättern, dem Gesang der Vögel und manchmal durch das Hufenklappern eines Reiters durchbrochen.
Paradies für Vogelfreunde
An dem am Ortsrand von El Rocío befindlichen Charco de la Boca, einem der wenigen das ganze Jahr über Wasser führenden Feuchtgebieten Doñanas, kann man sich schon einen guten Eindruck über diesen einzigartigen Naturpark verschaffen.

Neben wilden Pferden kann man hier eine Vielzahl an Wasservögeln wie Flamingos, Reiher, Störche, Lachseeschwalben, Uferschnepfen, Stelzenläufer und Löffler beobachten, während Schwarzmilane in der Luft ihre Kreise ziehen.
Mit etwas Glück bekommt man sogar den spanischen Kaiseradler, eine der meist bedrohten Raubvogelarten Spaniens, zu Gesicht. Der Charco de la Boca ist zudem eine der wenigen Marschlandschaften Doñanas, die frei und ohne Restriktionen besucht werden kann.
Touren durch die Wildnis
Von El Rocío aus werden auch Touren im Landrover durch den Naturpark selbst angeboten. Wer eine gemütliche Rundfahrt durch ein Naturparadies sucht, sollte besser auf die Teilnahme verzichten. Der Geländewagen ruckelt drei bis vier Stunden lang abenteuerlich durch Dünen und über unwegsame Waldwege.
Der Teilnehmer wird für die holprige Fahrt mit der Sichtung diverser Fauna, darunter Hirsche, Braunsichlern oder Steinkäuze belohnt. Mit etwas Glück kann man sogar einen Blick auf den König dieses Naturgebiets, den Luchs, erhaschen.
Bei der Tour erfährt der Teilnehmer nicht nur viel über die Einmaligkeit dieses Naturgebietes, sondern auch über die Gefahren, denen es ausgesetzt ist.
Eine landwirtschaftliche Tätigkeit mit enormen Wasserverbrauch – die Region Huelva versorgt ganz Europa mit Erdbeeren – gräbt dem Naturpark das Grundwasser ab und nach neuesten Studien wird, wenn keine Maßnahmen ergriffen werden, der Park in rund 60 Jahren ausgetrocknet sein.
Daneben stellen der Klimawandel und die anhaltende Dürre Gefahren für dieses Naturschutzgebiet dar.
Bei einem Besuch der Region sollte man auch das dem hier heimischen Pardelluchs gewidmet Aufzuchtszentrum besuchen, das stark zum Erhalt dieser ehemals stark gefährdeten Art beigetragen hat.
In dem zwischen El Rocío und dem Badeort Matalascañas gelegenen Zentrum El Acebuche kann man die Luchse zwar nicht direkt, sondern nur über die Videokamera des Zentrums sehen, aber anhand von Ausstellungen und Projektionen einen guten Eindruck von dem Naturpark gewinnen.
Auf zwei weitläufigen Wanderwegen, auf denen man zahlreichen Vogelarten und Reptilien begegnet, kann man hier die Natur erkunden.
Der Strand von Doñana

Mit kilometerlangen Sandstränden lockt der nur wenige Kilometer von El Acebuche entfernte Badeort Matalascañas. Die Gemeinde rühmt sich der „Strand von Doñana“ zu sein, da er an beiden Enden an die Dünenlandschaften des Naturgebietes grenzt.
Unter den Sehenswürdigkeiten ist die Torre de la Higuera hervorzuheben ein ehemaliger Küstenwachturm aus dem 16. Jahrhundert, der durch das Erdbeben von Lissabon im Jahr 1755 zerstört wurde.
Seitdem schmücken seine Ruinen sehr photogen den Strand. Sehenswert ist in Matalascañas auch der Dünenpark mit seinen ausgedehnten Wanderwegen.
Der Besuch dieses 1994 von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärten Nationalparks und seines Umfeldes bietet die Möglichkeit, in eines der letzten großen Wildnisgebiete Europas, wo man die Natur noch mit allen Sinnen spürt, einzutauchen.
Die Mischung aus Marschlandschaften, Lagunen, Dünen und mediterranen Wäldern bildet ein Mosaik an Lebensräumen, das auf dem europäischen Kontinent seines Gleichen sucht
Anreise ab Málaga
Mit dem Auto erreicht man El Rocío über die A-45 und A-92 nach Sevilla und fährt dann auf der A-49 Richtung Huelva bis Ausfahrt 48 (Bollullos par del Condado). Von dort folgt man der A-483 bis El Rocío oder Matalascañas.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Anfahrt komplizierter und führt über Sevilla. Vom dortigen Busbahnhof Plaza de Armas gibt es Linien, die nach El Rocío und Matalascañas fahren.
Touren durch den Naturpark

Touren im Landrover vom Besucherzentrum El Acebuche aus (A-483, Km.38,7) kann man unter donanavisitas.es (Tel. 959 430 432 / 648 762 914, E-Mail [email protected]) buchen.
Das Unternehmen Doñana Reservas bietet Rundfahrten mit Start im Weiler El Rocío (Calle Baltasar Tercero 2) an. Nähere Information unter www.donanareservas.com, Tel. 959 442 474 und 629 060 545, sowie der E-Mail-Adresse [email protected].
Beide Unternehmen haben verschiedene Modalitäten (Standard- und Spezialtouren) auf Spanisch und Englisch im Angebot.




















































