Olivenanbau für Anfänger – Vom Fincabesitzer plötzlich zum Olivenfarmer

Viele Fincabesitzer besitzen Olivenbäume, ohne Erfahrung im Olivenanbau. Dieser Leitfaden erklärt Pflege, Schnitt, Ernte und Ölgewinnung.

Olivenanbau in Spanien: Tipps für Fincabesitzer
Bereit für die Olivensaison: Dieser Baum hat eine pilzähnliche Form, die Äste wachsen hauptsächlich zu den Seiten und bringen maximal Licht an die Krone. Keine „Sucker" um den Hauptstamm herum.

Olivenanbau in Spanien

Gewollt oder ungewollt – wer eine Finca in Spanien kauft, ist automatisch oft auch stolzer Besitzer von einigen hundert Olivenbäumen.

Doch keine Panik: Mit etwas Pflege und leicht grünem Daumen kann man sich bald über sein eigen gewonnenes Olivenöl freuen. Wenn man die Natur ihre Arbeit machen lässt und sein Land ökologisch bewirtschaftet, bringt das nicht allzu viel Arbeit und umso besseres Öl als Belohnung.

Nicht jeder, der sich eine Finca in Spanien zulegt, zielt primär darauf ab, Olivenfarmer zu werden. Dennoch kaufen die allermeisten jener frisch gebackenen Fincabesitzer einige hundert Olivenbäume mit.

Hier also ein Einblick, wie man auch ganz ohne Oliven-Vorwissen die genügsamen Bäume pflegen und mit etwas Glück im nächsten Jahr sein ganz eigenes Olivenöl genießen kann.

Spanien mit höchster Produktion

Etwas Hintergrundwissen, um warm zu werden: Spanien ist der weltweit größte Produzent von Olivenöl. Hier im Land sind Millionen von Hektar landwirtschaftlicher Fläche als Olivenhaine genutzt.

Olivenöl gibt es also in Hülle und Fülle, der entscheidende Punkt ist aber die Nachhaltigkeit: Spanien hat immerhin die größten Flächen für ökologischen Olivenanbau – wenn auch immer noch nur einen kleinen Teil des Gesamtanbaus. Denn die intensiven Monokulturen, die mit Pestiziden gespritzt und stark gedüngt werden, schaden der Natur und letztendlich auch unserer Gesundheit.

Doch was machen Bio-Olivenbauern anders? Das Konzept ist einfach: Sie arbeiten mit der Natur, nicht gegen sie. Die natürliche Vegetation auf dem Boden zwischen den Bäumen darf bleiben und wird nicht gespritzt, denn ein bedeckter Boden ist besser vor Verdunstung geschützt.

Gleichzeitig wird so ein Lebensraum für heimische Tiere und Pflanzen geschaffen. Statt der Pestizide arbeiten dann Nützlinge wie der Marienkäfer fleißig mit, um beispielsweise Blattläuse fernzuhalten.

Gedüngt wird mit natürlichem Mist oder Baumrückschnitten und nur dann, wenn Boden und Baum es nötig haben.

Was bedeutet das für mich?

Nun stehen Sie aber da mit Ihren neuerworbenen Olivenbäumen und wissen nicht, wo Sie anfangen sollen. Beginnen wir einfach ganz unten. An der Wurzel, um genau zu sein.

Dort wachsen die sogenannten „Sucker“ oder Wurzeltriebe. Das sind all die kleinen, jungen Äste, die sich um die dickeren Hauptstämme drängen und Nährstoffe und Wasser „saugen“, die der Baum für die Früchte – die Oliven – dringend braucht. Also weg damit.

Außerdem strebt man eine Art pilzförmige Krone des Baumes an, bei der die Äste vor allem zu den Seiten wachsen statt senkrecht nach oben. So bekommen alle Triebe maximal viel Licht und die Olivenernte wird ebenfalls erleichtert.

So viel zum Äußeren des Baumes – schauen wir uns nun das komplette Olivenjahr an.

Das Jahr als Olivenbauer

Wenn auch genügsam, freut sich ein Olivenbaum über das Jahr verteilt über etwas Aufmerksamkeit. Aber: Wer keine Massenproduktion anstrebt, der kann es ruhig angehen lassen. Auch wenn er jahrelang nicht gepflegt oder geerntet wurde, schenken die meisten Olivenbäume noch Früchte.

Olivenanbau in Spanien: Tipps für Fincabesitzer
Etwas aus der Form: Diese Olive bräuchte einen Schnitt. Die „Sucker“ verdecken die Hauptstämme und „saugen“ wichtige Nährstoffe, die der Baum für die Olivenproduktion bräuchte.

Winter – Vorbereitung auf ein gesundes Wachstum

Es hilft, alte und abgestorbene Äste im Winter zu entfernen, damit sich der Baum voll auf die gesunden Triebe konzentrieren kann und mehr Licht an alle bestehenden Äste gelangt. Besonders interessant: Jeder Hauptast hat eine zugehörige Hauptwurzel im Boden. Entfernt man den Ast, verschwindet nach und nach die entsprechende Wurzel.

Winter ist auch die Zeit, um je nach Bodenbeschaffenheit zu düngen. Um die Biodiversität zu schützen und komplett ökologisches Olivenöl herzustellen, empfehlen sich natürlicher Mist, Grünschnitt und Kompost.

Frühling – Erste Erfolge in Sicht

Mit frischem Schnitt und ausgedünnter Krone ist der Olivenbaum bereit, alles in die Fruchtproduktion zu stecken. Eine Vorahnung, wie gut Ihre Ernte sein mag, gibt es in der ersten Hälfte des Jahres: Von März bis Mai blühen die Bäume und Hektar um Hektar von Olivenhainen erstrahlen in Weiß.

Jedes einzelne dieser kleinen Blütchen möchte einmal eine Olive werden. Jetzt heißt es Daumen drücken, dass in der Zeit vor und während der Blüte kein Stress für den Baum herrscht.

Neben Krankheiten oder Schädlingen sind mögliche Ursachen für eine reduzierte Blüten- und damit spätere Olivenbildung oft das Wetter: zu kalt, zu heiß, zu trocken, zu nass, zu windig oder zu wenig Wind. Was soll also schon schiefgehen?

Sommer – Einfach mal zurücklehnen

In den heißesten Monaten hat man als neu ernannter Olivenbauer Glück und muss sich um nicht viel kümmern. Freuen Sie sich also über die allseits schattenspendenden Bäume und sehen Sie den Oliven beim Wachsen zu.

Herbst – Jetzt wird es ernst

Im Oktober beginnt die offizielle Erntezeit. Im großen Stil werden oft sogenannte Rüttelmaschinen genutzt, um die reifen Früchte auf die darunter ausgebreiteten Netze fallen zu lassen. Das kann man natürlich auch per Hand machen oder die reifen Früchte mit Stöcken von den Ästen abschlagen.

Von hier geht es dann zur lokalen Olivenmühle. Je nach Mühle und Prozedur vor Ort kann man sein eigenes Olivenöl beziehungsweise seine eigenen Oliven mitnehmen oder aber seine Menge gegen bereits verarbeitete Oliven eintauschen.

Wer ökologisch anbaut und sichergehen möchte, dass er auch wirklich seine eigenen Früchte genießt, der fährt spezielle Mühlen an.

Somit ist das Olivenjahr um und sicher ist: Wenn Sie dann endlich ein frisches Baguette mit Ihrem ersten kostbaren Öl genießen, wissen Sie, das war es wert! Es muss sicherlich nicht gleich jeder Baum auf Hochglanz gebracht werden. Eine Olive verzeiht viel, hat jede Menge Zeit (das älteste Exemplar ist rund 3500 Jahre alt) und schafft das meiste ohnehin allein.

Außerdem: Wenn Sie dieses Jahr trotz aller Bemühungen keinen guten Ertrag haben, zweifeln Sie nicht gleich an Ihrem olivgrünen Daumen. Wie viele fruchtende Bäume hat auch der Olivenbaum ein gutes und ein weniger gutes Jahr. Nächstes Jahr wird es bestimmt etwas!

Olivenwissen zum Angeben
  • Oliven kann man nicht einfach vom Baum pflücken und essen. Sie sind bitter und müssen erst eingelegt werden, um genießbar zu sein.
  • Sie fragen sich, ob Sie schwarze oder grüne Oliven haben? Die Antwort ist: Ja! An jedem Baum wachsen stets beide Früchte. Die grünen sind lediglich noch nicht vollreif und werden erst später schwarz.
  • Im Supermarkt werden oft grüne, aber schwarz eingefärbte Oliven verkauft. Die „echten“ schwarzen Oliven sind wesentlich teurer und kommen fast immer mit Kern.
  • Immer wieder versuchte man, den Olivenanbau weiter in den Norden Europas zu bringen. Und immer wieder scheiterte man am Frost. Doch eine der nördlichsten Anpflanzungen Europas befindet sich heute in Stommeln nahe Köln – allerdings (noch) ohne Olivenertrag.

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