
Iberienadler in Andalusien
Noch in den 60er Jahren befand sich der imposante Iberienadler (Aquila adalberti) auf einem Rekordtiefstand: Nur 30 Vogelpaare überlebten Stromschläge von defekten Strommasten, Vergiftungen, Abschüsse und Nahrungsknappheit.
Das ist besonders alarmierend, da diese Adlerart weltweit einzig und allein auf der Iberischen Halbinsel vorkommt. Sie ist also ein sogenannter „Endemit“ in Spanien und Portugal – allerhöchste Zeit zu reagieren.
Der Iberienadler: Ein wahrer Romantiker
Die Vogelpaare leben monogam, bleiben also meist ein Leben lang zusammen. Ihre Paarungszeit erfordert Kraft, Kunst und Ausdauer: Während der Balzzeit schwingen die imposanten Vögel ihr Tanzgefieder. Forscher beobachteten beeindruckende gemeinsame Balzflüge, in denen beide Geschlechter charakteristische, teils synchronisierte Flugmanöver zum Besten geben.
Nach erfolgreicher Paarung bauen beide Geschlechter gemeinsam ein riesiges Nest – wobei zu betonen ist, dass das Weibchen die Hauptarbeit übernimmt. Die Nester werden in 10-25 Metern Höhe in Korkeichen, Kiefern oder Eukalyptusbäumen gebaut. Und die Adler scheuen keine Mühe: Das Endresultat hat einen Durchmesser von bis zu 2,40m und einer Höhe von rund 1,80m.
Ist es dann so weit und das Weibchen legt bis zu vier Eier, liegt es hauptsächlich am Mann die Nahrung zu beschaffen. Er versorgt seine Angetraute mit ihrer Leibspeise Wildkaninchen und anderen Kleinsäugern, Vögel oder Reptilien – Liebe geht halt durch den Magen.
Die Adlerküken: Von Geschwisterliebe weit entfernt
Im Durchschnitt überleben aber nur 1,2 Jungvögel pro Jahr und Paar die kritische Jungvogelzeit. Die Kleinsten im Nest werden von ihren größeren Geschwistern getötet – eine erschreckende, aber lebenswichtige Maßnahme damit überhaupt Nachwuchs der Adler durchkommt. Dieser sogenannte „Kaninismus“ – Geschwistermord – wird durch die aktuelle Nahrungsknappheit begünstigt, betonen Forscher des Doñana Nationalparks.
Die Aggression im Nest steigt merklich je weniger Futter die Adler bringen können. Der Mangel an Nahrung zwingt die erwachsenen Vögel außerdem dazu, außerhalb des Schutzgebietes zu jagen. Doch dort lauern Gefahren: Viele Strommasten haben defekte, tödliche Stromleitungen, immer wieder werden illegale Giftköder ausgelegt und man findet sogar abgeschossene Iberienadler.
Der Iberienadler braucht unseren Schutz
EU geförderte Projekte wie das LIFE-Projekt, Schutzprogramme von SEO/BirdLife sowie staatliche Programme setzen sich für den so dringenden Schutz des Greifvogels ein – auch bei uns in Andalusien.
Im andalusischen Sierra Morena arbeiten die Adlerschützer zusammen mit Landbesitzern, um geeignete Bewirtschaftungsformen der landwirtschaftlichen Flächen für den Kaiseradler zu fördern. Durch die Einbeziehung der Bevölkerung sollen auch Vergiftungen und Abschüsse der Vögel reduziert werden.
Im Nationalpark Doñana kämpft man außerdem für den Schutz des Wildkaninchenbestandes. Ohne die Hauptnahrungsquelle haben die Adler – genauso wie viele andere Raubtiere – keine Chance auf Überleben.
In Cádiz werden gerettete, genese Iberienadler wieder in die Natur entlassen, um eine stabile Population aufzubauen.
Naturschützer haben künstliche Nestplattformen entworfen, die den imposanten, riesigen Strukturen der Adler bestmöglich ähneln. Somit möchte man die hohe Kükensterblichkeit durch zusammenbrechende Nester bekämpfen. Mit Erfolg: Die Adlerpaare nutzen diese künstlichen Strukturen und mehr junge Adlerküken überlebten die kritischen, ersten Wochen.
Die Bemühungen tragen Früchte
Und der Adler ist tatsächlich zurück: Heute ziehen wieder rund 1000 fortpflanzungsfähige Vögel ihre Runden an Spaniens und Portugals Himmel – viele davon in Andalusien. Mit seiner beeindruckenden Flügelspannweite von bis zu 2,20 Metern sieht man den Iberienadler vor allem in Andalusien, Extremadura, Kastilien und Léon, Madrid sowie Kastilien-La Mancha.
Im Doñana Nationalpark und La Janda in Cádiz befinden sich eine der größten Brutpopulationen in Spanien. Auf ihnen liegt große Hoffnung. Denn trotz imposantem Come-Back ist die Ikone nach wie vor als „gefährdet“ auf der Roten Liste aufgeführt. Es steht also noch viel Arbeit bevor.



























































