Das digitale Zertifikat: So erledigt man Behördengänge in Spanien von der Couch aus

Mit dem Certificado Digital lassen sich Steuererklärungen, Verträge und Behördengänge in Spanien vollständig online abwickeln – auch für Ausländer mit NIE.

Arbeiten in Spanien

Digitales Zertifikat in Spanien

Wer als Resident an der Costa del Sol schon einmal stundenlang in einem spanischen Amt gewartet hat, kennt das Gefühl. Dabei gibt es längst eine Lösung: das Certificado Digital, auf Deutsch das digitale Zertifikat oder freier übersetzt: die digitale Unterschrift.

Es funktioniert als elektronische Unterschrift mit voller Rechtsgültigkeit – und wer es einmal hat, fragt sich, wie man vorher ohne ausgekommen ist.

Das Zertifikat wird für Privatpersonen kostenlos von der Fábrica Nacional de Moneda y Timbre (FNMT-RCM), der spanischen Staatsdruckerei und Münzprägeanstalt, ausgestellt.

Es enthält die persönlichen Identifikationsdaten des Inhabers und ermöglicht eine sichere Identifizierung im Internet sowie die Durchführung offizieller Verwaltungsvorgänge.

Anders als Cl@ve, das vor allem für einfache Behördenlogins genutzt wird, trägt das Certificado Digital den Stellenwert einer echten Unterschrift – und ist damit für alle Vorgänge Pflicht, bei denen eine rechtsgültige Signatur erforderlich ist.

Dazu zählen die jährliche Einkommensteuererklärung (Declaración de la Renta), das digitale Unterzeichnen von Verträgen und Mietvereinbarungen, die An- oder Abmeldung einer selbstständigen Tätigkeit (Autónomo) sowie Immobilienvorgänge – von Kauf und Verkauf bis zur Grundbucheintragung in Andalusien.

Auch Anträge auf Förderungen, Subventionen und ausländerrechtliche Verfahren lassen sich damit online abwickeln, genauso wie eine Vielzahl von bürokratischen Gemeindeangelegenheiten.

Wer kann das digitale Zertifikat in Spanien beantragen?

Das digitale Zertifikat steht allen Volljährigen offen – Spaniern ebenso wie Ausländern, die im Besitz einer gültigen DNI oder einer Tarjeta de Identificación de Extranjero (TIE) sind.

Ausländer mit einer NIE-Nummer können es ebenfalls beantragen, sofern sie ein offizielles Dokument vorlegen, das die Vergabe der NIE belegt, sowie einen gültigen Lichtbildausweis.

So läuft der Antrag für das digitale Zertifikat in Spanien ab

Aktuell gibt es vier Wege, das Zertifikat zu erhalten: per Video-Identifikation, persönlich in einer Akkreditierungsstelle, über die elektronische DNI oder über ein Mobilgerät. Die Video-Identifikation ist dabei kostenpflichtig, alle anderen Methoden sind kostenlos.

Am gebräuchlichsten ist der Weg über eine persönliche Vorsprache: Zunächst stellt man auf der Website der FNMT online einen Antrag und erhält per E-Mail einen Antragscode. Dann muss man sich persönlich in einer der Akkreditierungsstellen ausweisen – mit Originalausweis beziehungsweise Reisepass oder amtlich beglaubigter Kopie.

Digitales Zertifikat in Spanien
Auf der Webseite der Fábrica Nacional de Moneda y Timbre (FNMT) gibt es ausführliche Informationen.

Die FNMT hat landesweit mehr als 2.400 solcher Stellen eingerichtet; ein Locator auf der FNMT-Website hilft beim Finden der nächstgelegenen.

Wer einen Termin bei der Steuerbehörde (AEAT) oder der Sozialversicherung Seguridad Social bucht, muss vorab eine Cita Previa, also einen Termin, vereinbaren.

Tipp: in vielen Rathäusern ist die Vorsprache ohne Termin möglich. Man sollte allerdings zwischen 9:00 und 11:00 Uhr vor Ort sein.

Nach der Identitätsprüfung kann das Zertifikat ausschließlich auf demselben Computer und im selben Browser heruntergeladen werden, mit dem der Antrag gestellt wurde.

Es empfiehlt sich dringend, eine Sicherungskopie anzulegen – denn wechselt man den Computer, muss der gesamte Prozess neu gestartet werden. Das Zertifikat etwa drei Jahre gültig.

Alles online erledigen

Ein Tipp für alle, die möglichst wenig Lauferei wollen: Wer bereits über ein aktives Cl@ve-Permanent-Konto mit hohem Sicherheitsniveau verfügt, kann den Identitätsnachweis auch vollständig online erledigen und das Zertifikat direkt herunterladen.

Das Certificado Digital und Cl@ve schließen sich übrigens nicht aus – die meisten Langzeit-Residenten nutzen beide, da verschiedene Behördenportale unterschiedliche Anforderungen stellen. Wer beides hat, läuft nie gegen eine digitale Wand.

Es gibt in Spanien und Andalusien natürlich auch Gestorias, die die Beantragung des Certificado digital übernehmen.

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