Zugunglück bei Toledo: Bergungsarbeiten gehen nach der Nacht weiter

Ermittler untersuchen mögliche Fehler in der Leitstelle. Der Verkauf von Fahrkarten für den Hochgeschwindigkeitskorridor Andalusien Madrid ist bis zum 13. Dezember gestoppt.

Zugunglück Spanien
Foto: X@RescueYou247TW

Zugunglück in Spanien

Nach dem schweren Zugunglück in der spanischen Provinz Toledo werden die Bergungsarbeiten am heutigen Donnerstag, den 29. Oktober, fortgesetzt.

Bei der Kollision eines AVE-Hochgeschwindigkeitszuges von Renfe mit einem Zug des privaten Bahnunternehmens Iryo nahe Urda kamen nach bisherigem Stand mindestens 68 Menschen ums Leben.

Die Rettungskräfte suchten während der Nacht nach möglichen weiteren Opfern. Schweres Gerät kam zum Einsatz, um zerstörte Waggons und verbogene Metallteile zu bewegen. Drohnen mit Wärmebildkameras unterstützten die Suche.

Für den heutigen Donnerstag ist außerdem der Einsatz speziell ausgebildeter Suchhunde vorgesehen. Parallel dazu laufen die Identifizierung der Toten und die rechtsmedizinischen Untersuchungen.

Anwohner unterstützen die Rettungskräfte

Auch Einwohner aus Urda und umliegenden Orten beteiligten sich an den Hilfsmaßnahmen. Sie versorgten Betroffene, unterstützten Reisende beim Verlassen der Züge und halfen Angehörigen, Informationen über vermisste Familienmitglieder zu erhalten.

Die Behörden appellierten an die Bevölkerung, nicht eigenständig zur Unfallstelle zu fahren. Die Zufahrtswege müssen für Rettungsfahrzeuge und die Bergung freigehalten werden. Zudem hat die zuständige Richterin den Zugang zur Unfallstelle für Unbefugte untersagt, um Beweismittel zu sichern.

Ermittlungen zur Unfallursache laufen

Die Ermittler untersuchen unter anderem die Kommunikation zwischen der Leitstelle in Madrid und den Zügen. Berichten zufolge fiel das Zugsicherungssystem LZB aus. Welche Rolle die technische Störung und die anschließenden Anweisungen für den Unfall spielten, muss noch geklärt werden.

Ein menschlicher Fehler wird als mögliche Ursache untersucht, ist aber bislang nicht abschließend bestätigt. Die Ermittlungen sollen den genauen Ablauf rekonstruieren und klären, ob technische oder organisatorische Versäumnisse vorlagen.

Spanien ordnet Staatstrauer an

Die spanische Regierung hat eine dreitägige Staatstrauer vom 29. bis zum 31. Oktober angeordnet. Auch aus europäischen Institutionen und zahlreichen Ländern gingen Beileidsbekundungen ein. Die Anteilnahme gilt den Opfern, ihren Angehörigen und den Verletzten.

Renfe stoppt Fahrkartenverkauf für Strecken Andalusien – Madrid

Der Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen Andalusien und Madrid ist weiterhin unterbrochen. Der Bahnbetreiber Renfe arbeitet an alternativen Reisemöglichkeiten.

Ein Ersatztransportplan für die Strecke soll ab Freitag, den 30. Oktober, greifen. Reisende sollten sich vor Fahrtantritt über die aktuellen Verbindungen und Ausfälle informieren.

Zusätzlich hat Renfe den Verkauf von Fahrkarten für den Hochgeschwindigkeitskorridor Madrid Andalusien bis zum 13. Dezember gestoppt.

Renfe hat für betroffene Fahrgäste kostenlose Umbuchungen und Stornierungen ermöglicht. Die Bahnhöfe Málaga María Zambrano, Córdoba, Sevilla und Madrid-Atocha bleiben für die Betreuung der Reisenden geöffnet.

Die Einschränkungen betreffen auch die privaten Bahnunternehmen. Iryo hat sämtliche Verbindungen aus Madrid-Atocha in Richtung Südspanien bis auf Weiteres gestrichen. Ouigo setzt seine Hochgeschwindigkeitszüge zwischen Madrid und Andalusien mindestens bis einschließlich Montag, den 2. November, aus.

Lokführerstreik verschärft die Lage

Zusätzlich zu den Folgen des Unglücks findet am Donnerstag, den 29. Oktober, ein von der Lokführergewerkschaft Semaf angekündigter Streik statt.

Renfe warnt, dass auch Verbindungen betroffen sein können, die im Rahmen des gesetzlich vorgeschriebenen Mindestbetriebs vorgesehen sind. Das Unternehmen empfiehlt, nicht unbedingt notwendige Reisen zu vermeiden.

Reisende sollten vor der Fahrt zum Bahnhof den Status ihrer Verbindung prüfen.

Quellen: EFE, RTVE, EL PAÍS, Cadena SER

HINTERLASSE EINE ANTWORT

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein