Spanien will Mietverträge per Gesetz verlängern und Schutz vor Zwangsräumungen erhöhen

Neue Wohnungsmaßnahmen sollen Mieter länger vor dem Verlust ihrer Wohnung schützen und Mietverhältnisse stabilisieren.

Mietverträge Spanien 2026
Der spanische Regierungschef Pedro Sánchez bei einem Besuch in einer der Wohnungen des Programms für bezahlbaren Mietwohnraum. Foto: Pool Moncloa / Sandra Armada.

Mietverträge Spanien 2026

Die spanische Regierung hat am Dienstag zwei neue Dekrete zur Wohnungspolitik beschlossen. Sie sehen unter anderem eine Verlängerung bestimmter Mietverträge um bis zu zwei Jahre sowie einen erweiterten Schutz vor Zwangsräumungen vor. Gleichzeitig sollen weitere Bereiche des Mietmarktes neu geregelt werden.

Laut dem ersten Dekret können Mietverträge über die bisherige Laufzeit hinaus um bis zu zwei Jahre verlängert werden, wenn es sich um die Hauptwohnung des Mieters handelt. Die Regelung betrifft Verträge, die bis Ende 2028 auslaufen.

Eine Begrenzung von Mietsteigerungen ist vorgesehen, sofern sich Vermieter und Mieter nicht auf eine andere Regelung einigen.

Das zweite Dekret sieht darüber hinaus vor, dass sich ein Mietvertrag nach Ablauf der regulären fünfjährigen Laufzeit grundsätzlich automatisch um weitere fünf Jahre verlängert. Ist der Vermieter eine juristische Person, gilt eine Verlängerung um jeweils sieben Jahre. Will der Vermieter den Vertrag nicht verlängern, muss er den Mieter sechs Monate vorher informieren.

In diesem Fall muss grundsätzlich eine Entschädigung in Höhe von mindestens zwölf Monatsmieten für eine vergleichbare Wohnung gezahlt werden. Eine Ausnahme gilt unter anderem, wenn der Vermieter als Privatperson die Wohnung für sich selbst oder ein Familienmitglied zweiten Grades benötigt.

Der Schutz vor Zwangsräumungen für besonders gefährdete Haushalte soll zudem bis 2030 verlängert werden. Voraussetzung sind unter anderem nachgewiesene soziale und wirtschaftliche Notlagen.

Damit soll verhindert werden, dass betroffene Personen ihre Wohnung verlieren, ohne dass eine alternative Unterbringung gesichert ist.

Regulierung von befristeten Mietverträgen

Neu ist außerdem eine stärkere Regulierung von befristeten Mietverträgen und der Vermietung einzelner Zimmer. Damit will die Regierung verhindern, dass reguläre Wohnraummietverhältnisse durch andere Vertragsformen umgangen werden.

Auch für Ferien- und Kurzzeitvermietungen sind neue Regeln vorgesehen. Unter anderem soll für touristische Vermietungen von höchstens 30 Nächten künftig eine Mehrwertsteuer von 10 Prozent gelten. Die Regelung soll am 1. Dezember 2026 in Kraft treten.

Ein weiterer Bestandteil des Pakets betrifft große Investoren. Der Erwerb von Wohnungen durch bestimmte Private-Equity- oder Hedge-Investmentfonds – Fondos buitre in Spanien genannt – soll bis 2028 eingeschränkt werden.

Gleichzeitig sind steuerliche Vergünstigungen sowohl für bestimmte Vermieter als auch für Mieter vorgesehen.

Für junge Menschen soll außerdem der Zugang zu Wohneigentum erleichtert werden, unter anderem durch einen zinsfreien Kredit über den Staat.

Anhaltender Druck auf spanischen Wohnungsmarkt

Die Regierung reagiert damit nach eigenen Angaben auf den anhaltenden Druck auf den spanischen Wohnungsmarkt. Besonders in Regionen mit hohen Mieten und starkem touristischem Druck ist bezahlbarer Wohnraum knapp.

Die beiden Dekrete müssen nun noch vom Abgeordnetenkongress bestätigt werden. Die Regierung hat dafür eine außerordentliche Plenarsitzung am Freitag beantragt.

Die Vorlagen sollen dabei getrennt behandelt werden, wobei für einzelne Maßnahmen die erforderliche parlamentarische Mehrheit noch nicht gesichert ist.

Die Proteste gegen die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt nehmen auch in Málaga zu. Auf der Plaza de la Constitución im Zentrum der Stadt haben Teilnehmer nach einer Kundgebung am Montag ein Protestlager eingerichtet. Für Samstag, den 3. Oktober ist eine Demonstration angekündigt.

Quellen: El País, RTVE, La Moncloa, Cadena SER, BOE

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