Nach dem Abriss des Grenzzauns in Gibraltar: Sánchez feiert Ende einer «300 Jahre alten Wunde»

Spanischer Ministerpräsident leitet symbolischen Abriss der Grenzanlage in La Línea de la Concepción. Startschuss für neue Phase der «geteilten Prosperität» in der Region

Verja Gibraltar Abriss
Foto: La Moncloa

Abriss der Verja in Gibraltar

Der Grenzzaun zwischen Spanien und Gibraltar gehört seit Mittwoch der Vergangenheit an. In der Nacht zum 15. Juli fiel die letzte durchgehende Grenzbarriere auf dem europäischen Festland.

Bereits um Mitternacht feierten beide Seiten den historischen Moment: auf gibraltarischer Seite mit einem kleinen offiziellen Akt, auf spanischer Seite mit tausenden Menschen, die erstmals frei über die früheren Kontrollposten liefen – die Freude über den Fall der Verja verband sich mit der Begeisterung über den Einzug der spanischen Nationalmannschaft ins WM-Finale.

Zwölf Stunden später fand der offizielle spanische Festakt zum Abriss der Grenzanlage statt, an dem auch der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez teilnahm.

„Wir schreiben Geschichte“, erklärte Sánchez in einer Ansprache vor dem inzwischen funktionslosen Zollgebäude. Mit dem Fall der „letzten Mauer des europäischen Festlands“ schließe sich „eine 300 Jahre alte Wunde“ – ein Verweis auf den Vertrag von Utrecht von 1713, mit dem Spanien den Felsen von Gibraltar an Großbritannien abtrat.

Zugleich beginne eine „neue Phase geteilter Prosperität“, sowohl für die rund 40.000 Einwohner Gibraltars als auch für die 300.000 Menschen in der umliegenden Region.

„Gegenseitiger Nutzen“

Sánchez zufolge bringt das zwischen der Europäischen Union und Großbritannien geschlossene Abkommen einen „gegenseitigen“ Nutzen.

Als Beispiel nannte er die mehr als 15.000 Grenzpendler, die täglich nach Gibraltar fahren und rund die Hälfte der dortigen Arbeitskräfte stellen. Nach übereinstimmenden Berichten spanischer Medien besitzen etwa 70 Prozent dieser Pendler die spanische Staatsangehörigkeit.

Die neue Phase beschrieb der Regierungschef als Zeit des Zusammenlebens“ zwischen Bewohnern, die „nie mit dem Rücken zueinander gelebt“ hätten und nun gemeinsam nach vorn blicken könnten. Der Campo de Gibraltar solle künftig als „Tor der Begegnung zwischen Meeren, Kulturen und Kontinenten“ fungieren.

„Über Jahrzehnte war die Verja eine offene Wunde für die Tausenden Arbeiter, die jeden Tag zur Arbeit fuhren, ohne zu wissen, wie lange sie brauchen würden – und für Familien, die durch wenige Meter Metall getrennt waren, sowie für Generationen, die aufwuchsen und dachten, es gebe keine Lösung“, so Sánchez.

Zugleich stellte Sánchez klar, dass Spanien seine Ansprüche auf die britische Kolonie in keiner Weise aufgebe. Das Abkommen, das den Wegfall der Passkontrollen ermöglicht, wahre die spanischen Interessen und erfülle die von Spanien gesteckten Ziele.

Einzelheiten des Abkommens

Verja Gibraltar Abriss
Am offiziellen Festakt nahm auch der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez (3.v.r.) teil. Foto: La Moncloa

Bei der Personenfreizügigkeit wird Spanien im Hafen und Flughafen von Gibraltar die Schengen-Zuständigkeiten ausüben und so die Sicherheit der europäischen Außengrenze sowie die volle Visumskontrolle gewährleisten.

Beim Warenverkehr wird eine Zollunion zwischen der EU und Gibraltar eingerichtet; eine steuerliche Angleichung soll die „historischen Ungleichgewichte“ beenden.

Im Verkehrsbereich wird der Flughafen von Gibraltar für den zivilen Luftverkehr geöffnet – mit einem Modell gemeinsamer Verwaltung, das neue Chancen für Bürger, Tourismus, Investitionen und die Entwicklung der gesamten Region eröffnen soll.

Für die Grenzpendler sichert das Abkommen die Ansprüche: Arbeitslosengeld bleibt garantiert, Renten werden geschützt und können bis zum spanischen Mindestniveau aufgestockt werden.

Zudem kann künftig jeder EU-Bürger mit legalem Wohnsitz in Spanien ohne Diskriminierung und zu gleichen Bedingungen in Gibraltar einer abhängigen Beschäftigung nachgehen.

Ein Sozialfonds, gemeinsam von EU und Großbritannien finanziert, soll den Zusammenhalt zwischen Gibraltar und dem Campo de Gibraltar mit konkreten Maßnahmen in Ausbildung und Beschäftigung, insbesondere für junge Menschen der Region stärken.

Quellen: La Moncloa, El País, Diario SUR

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