Zahlreiche Tote bei Zugunglück nahe Toledo – Verbindung zwischen Andalusien und Madrid unterbrochen

Zwei Züge von Renfe und Iryo kollidieren nahe Toledo. Mindestens zwei Waggons stürzen einen Bahndamm hinunter. Rettungskräfte sind vor Ort.

Zugunglück in Spanien
Bei dem Unglück sind einige Wagons den Bahndamm hinuntergestürzt. // Foto: Vito Quiles/X

Schweres Zugunglück in Spanien

Bei einem schweren Zugunglück in der spanischen Provinz Toledo sind am Mittwochmorgen (28. Oktober) Medienberichten zufolge mindestens 68 Menschen ums Leben gekommen.

Der Präsident der Autonomen Region Kastilien-La Mancha, Emiliano García-Page, bestätigte am Mittag bereits 64 Tote und 170 Verletzte.

Der Unfall ereignete sich nahe dem Bahnhof Urda, im Bereich der Gemeinde Los Yébenes. Nach ersten Informationen prallte ein Hochgeschwindigkeitszug des Typs AVE der staatlichen Bahngesellschaft Renfe auf einen Zug des privaten Bahnunternehmens Iryo, der auf den Gleisen stand.

Dabei wurden offenbar zwei Waggons des Iryo-Zuges aus den Gleisen gerissen und stürzten einen Bahndamm hinunter.

Der Unfall geschah gegen 8.53 Uhr. Rettungskräfte, darunter Feuerwehrleute aus Alcázar de San Juan und Orgaz, Zivilschutzteams sowie drei Rettungshubschrauber und zwei intensivmedizinisch ausgestattete Rettungswagen, sind vor Ort im Einsatz.

Zum Zeitpunkt des Unglücks befanden sich 544 Personen in beiden Zügen.

Regierung vermutet menschliches Versagen

Nach Informationen der spanischen Tageszeitung El País konzentrieren sich die ersten Untersuchungen auf einen möglichen menschlichen Fehler in der Leitstelle von Adif in Madrid.

Demnach könnte eine Störung des automatischen Signalsystems dazu geführt haben, dass der Zugverkehr vorübergehend manuell gesteuert wurde. In dieser Phase könnte es zu einer Fehlentscheidung gekommen sein.

Die Ursache des Unglücks ist bislang nicht abschließend geklärt. Die Angaben zum möglichen menschlichen Versagen beruhen auf ersten Einschätzungen aus Regierungskreisen. Eine weitere Ursache könnte der Ausfall der Signalanlage auf der Strecke gewesen sein, die Medienberichten zufolge bereits seit gestern fehlerhaft arbeitete.


Verkehrsminister Óscar Puente erklärt den Unfallhergang

Spaniens Verkehrsminister Óscar Puente hat auf einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag erste Einzelheiten zum Unfallhergang bekannt gegeben.

Demnach war gegen 8.32 Uhr das automatische Zugsteuerungssystem LZB auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke ausgefallen. Daraufhin wurden sechs Züge auf einem rund 90 Kilometer langen Streckenabschnitt automatisch gestoppt.

Anschließend übernahm die Leitstelle des Infrastrukturbetreibers Adif am Madrider Bahnhof Atocha die Kontrolle. Bereits acht Minuten später erhielt der Zugverkehr die Genehmigung zur Weiterfahrt. Nach Angaben des Verkehrsministeriums verstieß diese Entscheidung jedoch gegen die geltenden Sicherheitsvorschriften.

Wie Europa Press unter Berufung auf Ministeriumskreise berichtet, hätten die Züge nach dem Ausfall des Sicherheitssystems nur auf Sicht und mit einer Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h weiterfahren dürfen. Stattdessen wurde die normale Fahrt freigegeben.

Der AVE beschleunigte daraufhin auf rund 200 km/h und prallte gegen 8.53 Uhr auf den weiterhin auf den Gleisen stehenden Iryo-Zug.

Warum die Leitstelle die Weiterfahrt ohne entsprechende Geschwindigkeitsbeschränkung genehmigte und weshalb die Sicherungssysteme den Zusammenstoß nicht verhindern konnten, ist Gegenstand der laufenden Untersuchungen.

Ehemalige Ministerin Fátima Báñez unter den Todesopfern
Zugunglück in Spanien
Ex-Ministerin Fátima Báñez. // Foto: Wikipedia

Unter den Opfern des schweren Zugunglücks soll sich auch die frühere spanische Arbeitsministerin Fátima Báñez befinden. Wie die spanische Nachrichtenplattform okdiario am Mittwochnachmittag berichtete, kam die 59-Jährige bei dem Zusammenstoß ums Leben. Eine unabhängige offizielle Bestätigung lag zunächst nicht vor.

Báñez war von 2011 bis 2018 Ministerin für Beschäftigung und Soziale Sicherheit in der Regierung von Mariano Rajoy. Seit 2020 stand die aus Huelva stammende Politikerin an der Spitze der Stiftung des spanischen Arbeitgeberverbandes CEOE. Sie war mit dem Iryo-Zug auf dem Weg nach Sevilla, wo sie an einer Unternehmensveranstaltung teilnehmen wollte.

Zugverkehr nach Andalusien unterbrochen

Der Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen Madrid, Ciudad Real und Andalusien ist bis auf Weiteres eingestellt. Die Bahninfrastrukturgesellschaft Adif hatte die Unterbrechung nach dem Zusammenstoß bestätigt. Wie lange die Sperrung andauern wird, ist noch offen.

Die staatliche spanische Eisenbahngesellschaft RENFE bestätigte unterdessen, dass aktuell zahlreiche Züge auf der betroffenen Strecke stillstehen.

Die spanische Regierung hat angesichts des Unglücks ihre für Mittwoch geplanten Termine abgesagt.

Bereits am 19. Januar dieses Jahres hatte ein schweres Zugunglück bei Córdoba mehr als 40 Todesopfer gefordert.

Quellen: Diario SUR, El País, Adif, Europa Press, okdiario

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