Whale Watching – wie die boomende Tourismusattraktion schützen und zeitgleich zerstören kann

So finden Sie verantwortungsvolle Walbeobachtungsanbieter an Andalusiens Küste und solche, von denen Sie lieber die Flossen lassen sollten

Whale Watching in Andalusien: Nachhaltig Wale beobachten
Die Stiftung firmm in Tarifa bietet bereits seit 1998 respektvolles Whale Watching an. // Foto: firmm.org

Whale Watching in Andalusien

„Man schützt nur, was man liebt – man liebt nur, was man kennt.“ Der berühmte Biologe Konrad Lorenz hat es auf den Punkt gebracht. Das gilt einmal mehr für die faszinierende und so geheimnisvolle Welt der Meere.

Whale Watching (WW) kann genau das: Es bringt uns Landeiern den beeindruckenden Meeressäugern nahe, zeigt uns hautnah die Kraft, Schönheit und auch die Verletzlichkeit des marinen Ökosystems.

Doch wie wir Landeier eben gerne sind, kann das schnell nach hinten losgehen: Vollgestopfte Boote mit Touristen, die sich über die Reling hängen, um einen Wal anzufassen. Guides, die wie die Geisteskranken hinter Schulen von Delfinen her rasen, um ihre Touris glücklich zu machen. Handys, die im Meer landen, weil der nächste Insta-Shot möglichst ein Close-up sein sollte.

Das Ergebnis sind Kälber, die von ihren Familien getrennt werden, gestörte und damit reduzierte Nahrungssuche der Tiere und ja, sogar die Änderung jahrhundertelanger Migrationsrouten der Meeressäuger.

Dabei gibt es dafür überhaupt keinen Grund. Biologen und Meeresschützer beobachten: Die intelligenten und neugierigen Tiere nähern sich sogar freiwillig den Booten von Organisationen, die ihnen mit Abstand und Respekt begegnen.

Immer wieder haben sie Vorfälle, in denen die Tiere von den aufdringlichen Booten Reißaus nehmen und sich denen nähern, mit denen sie keine schlechten Erfahrungen gesammelt haben.

So finden Sie gewissenhafte Walbeobachtungsanbieter

Während ich also „Whale Watching Andalusien“ in meine Suchmaschine eintippe, wird mir schnell klar: Anbieter gibt es wie Sand am Meer. Nach der Nachhaltigkeit muss ich aber deutlich tiefer buddeln.

Und sicher hat man im Urlaub keine Lust auf stundenlange Recherche für den nächsten Ausflug. Daher hier deutliche Warnsignale von Tourenanbietern, mit denen Sie lieber nicht buchen sollten:

  • Wer Sichtungen garantiert, hat den Ozean und seine wilden Bewohner nicht verstanden.
  • Spektakuläre Aufnahmen sind Glückssache und nicht das Resultat von verantwortungslosen Booten, die den Tieren den Weg abschneiden.
  • Schwimmen mit Walen, Anfüttern und sämtliche Interaktionen sollten ein Grund sein, direkt auf dem Absatz kehrt zumachen.
  • Achten Sie stattdessen darauf, ob es verbundene Forschungsprojekte gibt und ob der Anbieter während der Tour Hintergrundwissen zum Ozean, den Tieren und ihren Gefährdungen vermittelt.
  • Regeln für die Annäherung an die Tiere, Aufenthaltsdauer und Geschwindigkeit des Bootes sollten transparent sein.

Denn eigentlich gibt es sehr eindeutige Richtlinien. Neben dem international geltenden ACCOBAMS (diese schier unendliche Abkürzung steht für: Agreement on the Conservation of Cetaceans of the Black Sea, Mediterranean Sea and Contiguous Atlantic Area) zum Schutz der Wale und Delfine gibt es seit 2007 auch einen königlichen Erlass – Decreto Real –, der den Umgang mit den Tieren in spanischen Gewässern regelt.

Verantwortungsvolle Whale-Watching-Unternehmen sollten sich diese Regeln für Touristen sichtbar auf die Fahne schreiben und sie strikt befolgen.

Der Decreto Real in Kürze

  • Tiergruppen dürfen nicht getrennt werden.
  • Annäherung mit Booten, ohne die Bewegungsrichtung der Tiere einzuschränken.
  • Einsatz von Sonar/Akustiksystemen zum Auffinden der Tiere ist verboten.
  • Das Boot darf nicht näher als 60m an die Meeressäuger heranfahren.
  • Das Berühren und Füttern der Tiere sowie Schwimmen oder Tauchen mit Walen und Delfinen ist verboten.
  • Im Umkreis von 300m zu den Tieren: max. 2 Boote.
  • Konstante Geschwindigkeit des Bootes während der Beobachtung; nicht schneller als das langsamste Tier der Gruppe.
  • Wenn sich ein Wal dem Boot nähert, Leerlauf einlegen. Bei Delfinen kann eine konstante, langsame Geschwindigkeit beibehalten werden.

Damit genug der Regeln …

Whale Watching in Andalusien: Nachhaltig Wale beobachten
Turmares aus Tarifa widmet sich seit über 25 Jahren der Delfin- und Walbeobachtung. // Foto: turmares.com

Was haben Wal, Wildschwein, Waschbär und wir gemeinsam?

Genau, alle sind Säugetiere. Wale – zu denen auch Delfine gehören – sind eben einfach Meeressäugetiere. Das bedeutet, die Jungtiere wachsen in einer Plazenta heran und werden nach der Geburt mit Milch gesäugt.

Bei Walen erfolgt das nur eben unter Wasser. Und da hören die Ähnlichkeiten noch lange nicht auf: Sie haben ebenfalls eine lange, intensive Elternzeit: Die Jungtiere bleiben jahrelang bei ihrer Mutter und lernen alles, was sie für ein Walleben wissen müssen. Außerdem atmen wir alle über Lungen statt Kiemen: Daher müssen Meeressäuger regelmäßig auftauchen – sie sind nur besser im Luftanhalten als wir.

Doch die Ähnlichkeiten werden noch interessanter: Andere Delfine zum Beispiel, oder auch Objekte, bekommen individuelle Lautmuster – sie benennen sie gewissermaßen.

Außerdem helfen die Tiere verletzten Familienmitgliedern: Wenn sie es aus eigener Kraft nicht schaffen, schwimmen ihre Artgenossen unter sie und bringen sie so an die Wasseroberfläche, um zu atmen.

Wissenschaftler fanden sogar heraus: Sie haben eine Kultur. Bestimmte Verhaltensweisen (Jagd- oder Fischtechniken z. B.) sind nicht einfach instinktiv. Sie werden innerhalb der Gruppe gelernt, präzisiert und weitergegeben, sodass diese von Gruppe zu Gruppe und von Gegend zu Gegend variieren können und in anderen Populationen überhaupt nicht vorkommen.

Von Andalusien aus: Welche Meeressäuger kann ich beim Whale Watching beobachten?

Mit der Straße von Gibraltar, den Kanaren und den balearischen Inseln hat das Mittelmeer Top-Walbeobachtungs-Hotspots. Je nach Saison, Nahrungsangebot, Strömung und ganz sicher einem Quäntchen Glück variieren die Chancen auf Sichtung dieser Kandidaten:

Gewöhnlicher Delfin (Delphinus delphis)

  • Einer der schnellsten Delfine: bis zu 65 km/h.
  • (Eigentlich illegale) Treibnetze werden ihnen oft zum Verhängnis: Delfine bleiben hängen und ertrinken elend.

Wussten Sie, dass Delfine Werkzeuge nutzen? Zum Beispiel setzen sie Meeresschwämme auf ihre Nase und suchen damit den Meeresboden ab. So verhindern sie Verletzungen durch scharfe Gegenstände.

Gestreifter Delfin (Stenella coeruleoalba)

  • Oft in gemischten Schulen mit Gewöhnlichem Delfin.
  • Vor allem in der zweiten Sommerhälfte oft Schulen mit einigen hundert Tieren im Mittelmeer.

Wussten Sie, dass Delfine sich im Spiegel erkennen können? In Tests wurden sie an Körperstellen markiert, die sie ohne Spiegel nicht sehen können. Sie nutzen dann den Spiegel erfolgreich, um die Markierung zu untersuchen.

Großer Tümmler (Tursiops truncatus)

  • Spätestens durch die Serie Flipper kennt jeder den Großen Tümmler.
  • In Freiheit schwimmen sie pro Tag circa 150 km – mehr, als jedes noch so große Becken ersetzen kann.
  • Lebenserwartung: bis zu 50 Jahre.

Kleiner Schwertwal (Pseudorca crassidens)

  • Ist eigentlich eine Delfinart.
  • … und sogar eine der größten: Männchen erreichen 6,1 m Länge und 2.200 kg Gewicht.
  • Schließen sich mit anderen Delfinarten zusammen und bilden strategische Jagdgemeinschaften, die über viele Jahre bestehen.

Gewöhnlicher Grindwal (Globicephala melas)

  • Bestand im Mittelmeer seit einem Virusausbruch 2007 stark reduziert; die Zahlen erholen sich nur sehr langsam.
  • Tauchtiefe bis 824m.
  • Tauchdauer: 20 min.

Wussten Sie, dass die sozialen Bindungen der Grindwale so stark und komplex sind, dass sie bei schwachen, orientierungslosen oder verletzten Tieren bleiben – so erklären manche Forscher die traurigen Massenstrandungen der Grindwale.

Orca (Orcinus orca)

  • Leben in sozialen Familienverbänden, die meist von einem erfahrenen Weibchen angeführt werden.
  • Recht selten im Mittelmeer gesichtet, oft nur nahe der Straße von Gibraltar.

Wussten Sie, dass Orcas Fischern den Thunfisch direkt vom Angelhaken stibitzen? Den Kopf – inklusive dem Haken – lassen sie schlauerweise zurück.

Pottwal (Physeter macrocephalus)

  • Die Plastikverschmutzung der Meere brachte traurige Berühmtheit: Ende Februar 2018 strandete in Murcia ein ausgehungerter Pottwal – mit 29 Kilogramm Müll im Magen!
  • Tauchtiefe: bis 3 km – damit sind sie Rekordhalter unter den Meeressäugern.
  • Tauchdauer: bis 80 min.
  • Lebenserwartung: 80 Jahre.

Wussten Sie, dass Pottwale in unterschiedlichen Regionen unterschiedliche Klicklaute zur Kommunikation nutzen? Das ist vergleichbar mit unseren Dialekten!

Finnwal (Balaenoptera physalus)

  • Niemand Geringeres als das zweitgrößte Tier der Welt schwimmt im Mittelmeer: der Finnwal.
  • 22 Meter lang, 80 Tonnen schwer.
  • Zahlen durch Waljagd, die bis 1989 ging, stark reduziert.

Wussten Sie, dass die nächsten Verwandten der Wale Nilpferde sind?

Respektvolle Whale-Watching-Unternehmen im Überblick

Nach einiger Recherche zum Thema Walbeobachtung an Andalusiens Küste wurde ich zum Glück fündig und fand eine Handvoll von Unternehmen, die es mit dem Meeresschutz ernst meinen. Sicher ist: Es lohnt sich, nicht dem erstbesten „Orcas garantiert“-Anbieter ins Boot zu fallen.

  • Einmal Meeresbiologe sein: Hier können Sie selbst an Datenerhebung und der Forschungsarbeit teilnehmen: Ecolocaliza, Cádiz.
  • Seit 1998 setzt sich die Firmm-Stiftung für die Meeressäuger und den Schutz ihres Lebensraumes ein: Firmm-Stiftung, Tarifa.
  • Respektvolle Walsichtungen mit Meeresfachleuten und -biologen: Turmares, Tarifa.
  • WeWhale setzt auf umweltfreundliche Boote und schließt verantwortungsvolle WW-Anbieter zusammen. WeWhale, Dénia, Sotogrande, Tarifa & Barbate.

– Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. –

Ich bin der Überzeugung, eine gelungene Waltour kann die nötigen finanziellen Mittel für den Schutz sowie wichtige wissenschaftliche Daten sammeln. Und sicher ist auch schon so manch ein zukünftiger enthusiastischer Meeresbiologe von einer Walbeobachtungstour zurückgekommen.

Walschutz und Whale Watching schließen sich also nicht aus – wenn man es richtig macht.

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