
Berühmte Andalusier
Andalusien besticht nicht nur durch weiße Dörfer, maurische Paläste und malerische Strände. Diese autonome Region brachte auch Menschen hervor, die Kultur, Politik und Wissenschaft des Landes nachhaltig geprägt haben.
Sie verkörpern die Vielfalt dieser großartigen Region und haben den Süden Spaniens mit ihren Werken und Ideen maßgeblich beeinflusst.
Hier sind zehn herausragende andalusische Persönlichkeiten, von denen einige aus der Provinz Málaga stammen.
Pablo Picasso (1881-1973)
Wer kennt ihn nicht – den berühmten Maler, Grafiker und Bildhauer, der zusammen mit Georges Braque den Kubismus begründet hat und als einer der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts gilt.
Dieser eindrucksvolle Künstler wurde in Málaga geboren und wohl kaum einer kennt seinen vollständigen Namen: Pablo Diego José Francisco de Paula Juan Nepomuceno María de los Remedios Cipriano de la Santísima Trinidad Ruiz Picasso.
Pablo Picasso war unglaublich produktiv. Die Zahl seiner Werke, darunter Gemälde, Zeichnungen, Grafiken, Collagen, Plastiken und Keramiken, wird auf rund 50.000 geschätzt. Sein wohl bekanntestes Werk, das riesige Ölgemälde ‚Guernica‘, entstand 1937 als Reaktion auf die Zerstörung der gleichnamigen spanischen Stadt. Es gehört zusammen mit ‚Les Demoiselles d’Avignon‘ zu den bekanntesten Gemälden des Künstlers.
Picasso ist in bedeutenden Kunstmuseen der Welt vertreten. Umfassende Sammlungen werden in Museen in Paris, Barcelona und Madrid gezeigt.
Es war ein inniger Wunsch des Malers, dass sein Werk auch in seiner Heimatstadt zu sehen sein sollte. Das Picasso-Museum in Málaga befindet sich im Palacio de Buenavista (Calle San Agustín 8).
Die Ausstellung umfasst über 200 Werke aus der Privatsammlung der Familie und veranschaulicht die unterschiedlichen Stile, Materialien und Techniken des Künstlers.
Antonio Banderas (*1960)
Ebenfalls aus Málaga kommt der Schauspieler Antonio Banderas, der durch Hollywood-Filme international bekannt wurde. Ursprünglich wollte der Sohn eines Polizisten und einer Lehrerin Fußballer werden, doch eine Verletzung verhinderte dies.
So wandte sich José Antonio Domínguez Bandera stattdessen dem Schauspiel zu, das zu seiner großen Passion wurde. Er absolvierte eine Ausbildung an der Schauspielschule ESAD in Málaga und trat zunächst an Bühnen in Madrid und in nationalen Film- und Fernsehproduktionen auf. Dabei spielte er sechs Mal in Filmen des Regisseurs Pedro Almodóvar – zuletzt 1992 in ‚Fessle mich‘.
Im gleichen Jahr bekam er eine Hauptrolle im Film ‚Mambo Kings‘ und zog danach in die USA. Die Liste erfolgreicher Filme mit Banderas in der Hauptrolle ist ebenso lang wie die seiner Preise und Auszeichnungen. ‚Interview mit einem Vampir‘, ‚Evita‘, und ‚Die Maske des Zorro‘ sind nur ein paar davon.
Sein Debüt als Regisseur feierte Banderas im Jahr 1999 mit ‚Verrückt in Alabama‘ mit Melanie Griffith, mit der er seit 1996 verheiratet war. Seit 2015 ist das Paar jedoch geschieden. Aktuell ist Antonio Banderas mit Nicole Kimpel liiert.
2017 kehrte Banderas Hollywood den Rücken, um in seine Heimatstadt Málaga zurückzukehren, wo er 2019 sein eigenes Theater, das Teatro del Soho, gründete. Außerdem eröffnete er mehrere Restaurants: La Barra de Doña Inés, Atrezzo, Tercer Acto, Doña Inés und La Pérgola del Mediterráneo.
Darüber hinaus hält der Schauspieler Anteile am ‚El Pimpi‘, einem der traditionsreichsten Restaurants der Stadt.
María Zambrano (1904-1991)
Eine der bedeutendsten Intellektuellen Spaniens stammt wurde in Vélez-Málaga geboren – die Philosophin, Lyrikerin und Essayistin María Zambrano. Straßen, Plätze, Parks und Schulen, und sogar der Hauptbahnhof in Málaga wurden nach ihr benannt.
María Zambrano Alarcón begann 1921 in Madrid, bei dem spanischen Philosophen und Essayisten José Ortega y Gasset, Philosophie zu studieren. Von 1931 bis 1936 lehrte sie Metaphysik an der Universität von Madrid und am Cervantes-Institut.
Als 1936 der Spanische Bürgerkrieg ausbrach, stellte sich María Zambrano offen auf die Seite der Republikaner und ging nach dem Sieg Francos 1939 ins Exil. Nach Aufenthalten in Frankreich, Mexiko, Kuba, Puerto Rico, Italien, Frankreich und der Schweiz kehrte sie 1984 nach Madrid zurück.
Zambranos Werk wurde 1981 mit dem Prinz von Asturien-Preis ausgezeichnet. 1988 wurde ihr als erster Frau der Cervantes-Preis verliehen. Sie starb am 6. Februar 1991 in Madrid und ist auf dem Friedhof von Vélez-Málaga begraben.
Die Lebensgeschichte der berühmten Philosophin, die fast fünfzig Werke veröffentlicht hatte, wurde 2004 unter dem Titel ‚María querida‘ (dt. geliebte Maria) verfilmt. 2023 wurde die Dichterin und Denkerin mit der Medaille der Stadt Málaga geehrt. Im selben Jahr bekam sie mit einer Statue auf der Plaza Las Carmelitas in Vélez-Málaga einen festen Platz in ihrer Geburtsstadt.
Blas Infante (1885-1936)
Der ‚Vater der andalusischen Identität‘ wurde am 5. Juli 1885 in Casares (Málaga) geboren und heißt Blas Infante Pérez de Vargas. Der Politiker, Schriftsteller und Historiker wird aufgrund seines Engagements für ein autonomes Andalusien in der Präambel zum Andalusischen Autonomiestatut von 1983 als ‚Padre de la Patria Andaluza‘ (dt. Vater der andalusischen Heimat) bezeichnet.
Blas Infante ging in Archidona zur Schule. Ab 1900 arbeitete er wie sein Vater als Gerichtssekretär am Gericht von Casares, studierte jedoch nebenbei Jura an der Universität Granada und legte 1906 sein Examen ab. Ab 1910 war er als Notar in Cantillana tätig, wo er mit politisch interessierten Intellektuellen in Kontakt kam. Hier nahmen seine Ideen von einem unabhängigen Andalusien Gestalt an.
1916 wurde Blas Infante Präsident des Centro Andaluz de Sevilla und gab die Zeitung Andalucía heraus. Er entwarf das Emblem, das 1918 von der Versammlung der Andalusischen Provinzen als Wappen Andalusiens angenommen wurde.
In Sevilla gründete der Politiker 1931 die Partei Junta Liberalista de Andalucía. 1936 intensivierte die Andalusische Bewegung ihre Bemühungen um ein Autonomie-Statut. Blas Infante wurde als Präsident der neuen Nationalversammlung gewählt, und die andalusische Flagge auf dem Rathaus von Sevilla gehisst.
Im August 1936 stürmten Mitglieder der Falange Blas Infantes Haus und nahmen ihn gefangen. Er wurde am 11. August an der Straße zwischen Sevilla und Carmona erschossen, wo heute ein Denkmal an die Exekution erinnert.
Federico García Lorca (1898-1936)
Federico García Lorca ist zweifellos der berühmteste und am häufigsten übersetzte andalusische Dichter. Von ihm stammen so bekannte Stücke wie ‚Bodas de sangre‘ (dt. Bluthochzeit) und ‚La Casa de Bernarda Alba‘.
Federico del Sagrado Corazón de Jesús García Lorca erblickte 1898 in Fuente Vaqueros (Granada) das Licht der Welt. Er war der Sohn eines gut betuchten Landwirts und einer Lehrerin, die sein Interesse an Musik und Literatur weckte. Obwohl er Musik studieren wollte, entschied er sich auf Anraten seines Vaters für Jura, studierte jedoch zugleich Philosophie und Literaturwissenschaft an der Universität von Granada.
Seinen ersten Gedichtband brachte García Lorca 1918 heraus, wobei der Vater ihm den Druck finanzierte. 1919 wechselte er an die Universität von Madrid, wo er den Maler Salvador Dalí und den Filmemacher Luis Buñuel kennenlernte. Mit dem Gedichtband ‚Romancero Gitano‘ (dt. Zigeunerromanzen) wurde er 1928 quasi über Nacht berühmt.
In Madrid feierte der Lyriker und Dramatiker 1933 einen großen Erfolg mit seinem bekanntesten Theaterstück ‚Bodas de sangre‘. Es folgte ‚Yerma‘, das 1934 im Madrider Teatro Español aufgeführt wurde. Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte er 1935 und ‚Romancero Gitano‘ wurde zum meistverkauften Gedichtband des Jahrhunderts.
Nachdem Lorca im Sommer 1936 sein Theaterstück ‚La Casa de Bernarda Alba‘ fertiggestellt hatte reiste er in das Landhaus seiner Eltern. Er wurde von dem Putsch Francos überrascht und suchte Schutz im Haus von Freunden in Granada.
Obwohl deren Söhne führend in der Franco-treuen Falange tätig waren, konnten sie Lorcas Verhaftung nicht verhindern. Er wurde von den Putschisten verschleppt und am 19. August zusammen mit zwei anderen Republikanern erschossen.
Severo Ochoa (1905-1993)
Der spanisch-amerikanische Biochemiker Severo Ochoa wurde zwar in Asturien geboren, doch wirkte der Nobelpreisträger lange an der Universität von Málaga. Sein Vater starb als er sieben Jahre alt war, worauf seine Mutter mit ihm nach Málaga zog, wo er die Schule besuchte.
Sein Interesse an Biologie führte ihn an die Medizinische Fakultät der Universität Madrid, wo er sein Studium 1929 mit Bravour abschloss. Durch ein Stipendium kam Severo Ochoa zu Otto Meyerhof am Kaiser-Wilhelm-Institut für Medizinische Forschung in Heidelberg, wo er ab 1929 Forschungen zur Biochemie und Physiologie des Muskels durchführte.
Anfang der 1940er Jahre ging Ochoa in die USA, wo er an verschiedenen Universitäten tätig war bevor er an der New York University School of Medicine zuerst Assistenz-Professor für Biochemie (1945), Professor für Pharmakologie (1946), Professor für Biochemie (1954), und schließlich Direktor der Abteilung für Biochemie wurde. 1956 nahm der Wissenschaftler die amerikanische Staatsbürgerschaft an.
Severo Ochoa wurde 1959 zusammen mit Arthur Kornberg der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für die Entdeckung des Mechanismus in der biologischen Synthese der RNA und der DNA verliehen.
Vier herausragende Flamenco-Künstler
Ob Gesang, Gitarre oder Tanz – der Flamenco bewegt nicht nur die Spanier, sondern findet weltweit große Begeisterung. Zu den bedeutendsten Interpreten dieser Kunstform gehören folgende vier Persönlichkeiten, die alle aus der Provinz Cádiz stammen.
Der legendäre Flamencosänger Camarón de la Isla (1950-1992), der eigentlich José Monje Cruz hieß, wurde 1950 in San Fernando geboren.
Da Camaróns Geburtsort auf der als ‚La Isla‘ bezeichneten Halbinsel vor Cádiz liegt, bekam er den Namenszusatz ‚de la Isla‘. Seine unverkennbare und ausdrucksstarke Stimme machte Camarón, der aus einer in einfachen Verhältnissen lebenden Familie stammte, zu einem international erfolgreichen Flamencosänger, der den traditionellen Flamenco revolutionierte und zur Musiklegende wurde.
Seine Mutter, genannt ‚La Canastera‘, war in der Region als Flamencosängerin bekannt, sein Vater arbeitete in der eigenen Schmiede und war in seinem Heimatort ebenfalls als Flamencosänger angesehen.
Der weltbekannte Gitarrist Paco de Lucía (1947-2014) wurde als Francisco Sánchez Gómez in Algeciras geboren. Er gilt als Großmeister der Flamencogitarre und bereicherte den traditionellen Flamenco, indem er ihn mit Jazz und Klassik verband. Seinen ersten Gitarrenunterricht bekam Paco de Lucía im Alter von fünf Jahren von seinem Vater.
Eine weibliche Legende der Flamencokunst ist Rocío Jurado (1946-2006). María del Rocío Trinidad Mohedano Jurado kam in Chipiona als Kind einer mittelständischen Familie zur Welt.
Die international bekannte Sängerin und Schauspielerin spezialisierte sich auf Copla und Flamenco, sowie auf romantische Balladen und melodische Lieder. In Spanien wird sie als ‚La más grande‘ verehrt.
Eine weltweit gefeierte Flamencotänzerin und Choreografin ist Sara Baras (*1971). Wie Camarón wurde auch sie in San Fernando geboren.
Den Flamencotanz, den sie so ausdrucksstark und stilprägend präsentiert, hatte ihr ihre Mutter Concha Baras beigebracht, die eine eigene Tanzschule führte.

Die Premiere ihrer neuen Spanientour ‚Infinita‘ startet vom 11. bis 13. September im Teatro de la Maestranza in Sevilla und kommt vom 24. bis 27. Oktober nach Málaga ins Teatro Cervantes.























































