Dreikönigskuchen – moderner Brauch mit viel Geschichte

In vielen spanischen Bäckereien herrscht Hochbetrieb. Allein in Málaga werden bis zu 200.000 Stück des "Roscón de Reyes" gebacken

Dreikönigskuchen Spanien
Am 6.Januar ist der"Roscón de Reyes" auf jedem spanischen Tisch zu finden.

In Spanien wird noch bis zum 6. Januar weitergefeiert

Während in Deutschland schon alle Kerzen am Adventskranz gebrannt haben, alle Türchen am Adventskalender geöffnet wurden und viele Kinderwünsche schon in Erfüllung gegangen sind, wird in Spanien noch bis zum 6. Januar weitergefeiert. Zum krönenden Abschluss der gesamten Weihnachtszeit kommt bei vielen spanischen Familien noch eine süße Tradition auf den Tisch: der „Roscón de Reyes“, der Dreikönigskuchen. Wer sich also fürs neue Jahr vorgenommen hat etwas abzunehmen, der sollte die Diät noch ein wenig hinauszögern und am 6. Januar einen dieser Kuchen kosten. Bis es dazu kommt müssen viele Bäckerein der Provinz nochmal richtig Gas geben.

Hochbetrieb in den Backstuben

In der Backstube Ávila in der Provinzhauptstadt Málaga laufen die Maschinen seit vier Uhr morgens auf Hochtouren und kneten tüchtig Mehl, Hefe, Zucker, Milchpulver, Butter und Eier zusammen. Kurz darauf werden kleine Teigkugeln ausgespuckt. Die Produktion des Roscón de Reyes steht am Anfang des Jahres an erster Stelle. «Für uns fängt das Jahr erfolgreich an
wenn unsere Kunden zufrieden sind, sagt der Besitzer Horacio Ávila. Es ist ihm wichtig, dass seine Königskuchen aus natürlichen Zutaten gebacken werden, er verwendet deshalb weder Frischhaltemittel noch Emulgatoren.

In der Backstube formt Juan Córdoba mit seinen flinken Händen verschieden große runde Stücke. «Je nach Größe sind 300, 500, 750 oder 1.000 Gramm Teig nötig» erklärt Ávila, während er seinen Mitarbeiter kritisch beobachtet. Ganz umsonst, denn Profibäcker Córdoba hat alles im Griff und formt mit absoluter Präzision ein rundes «O» aus dem Teig. Noch sieht der Kuchen ziemlich klein und kümmerlich aus. Das ändert sich aber im Gärraum, wo sich die Hefebakterien bei wohligen 35 Grad Celsius und 65 Prozent Luftfeuchtigkeit besonders gerne vermehren.

Doch bevor die Dreikönigskuchen in den Ofen wandern und einen unwiderstehlichen Duft verströmen, werden sie noch mit Eigelb, Hagelzucker, getrocknetem Obst und Mandelsplittern verziert. Mehr wird zu den Zutaten nicht verraten, denn nach 31 Jahren soll das Rezept von Ávila immer noch ein wohlbehütetes Geheimniss bleiben. Nur noch so viel lässt sich Ávila entlocken: «Orangeat und Zitronat braucht der Kuchen für einen intensiven Geschmack.»

Der Bohnenkönig

Die Ursprünge des Dreikönigskuchens kommen aus dem alten Rom, wo beim Fest zu Ehren des Gottes Saturnus eine Bohne im Brot versteckt gewesen sein soll. Wer die Bohne fand, wurde Bohnenkönig und konnte für einen Tag einen Hofstaat ernennen. Auch aus dem 16. Jahrhundert ist in Spanien, dank Felipe V. ein Dreikönigsfest mit Bohnenkuchen überliefert. Der alte Brauch geriet allerdings in Vergessenheit und wurde erst in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts vom Bäckergewerbe neu belebt.

Heutzutage ist der Brauch vor allem in Spanien, der Schweiz, den Niederlanden, Frankreich und England sehr verbreitet. Regional sind die Rezepturen sehr unterschiedlich, gemeinsam ist aber allen Dreikönigskuchen, dass eine getrocknete Bohne, eine Mandel, eine Münze oder ein anderer kleiner Gegenstand eingebacken wird. Wer beim Essen auf diesen Glücksbringerstößt, ist für einen Tag König der Familie.

In der Bäckerei Tejeros, die in Málaga schon seit 1975 für leckere Dreikönigskuchen sorgt, drücken Arbeiter mit viel Geschicklichkeit die begehrte Plastikfigur in den Teig. Der Stolz der Bäckerinnen und Bäcker ist, dass niemand ahnt, in welchem Stück der König steckt, denn die
gute Platzierung der Könige ist ebenso wichtig wie das perfekte Rezept. Trotzdem verrät uns Besitzer Manuel Ruiz einen Trick: «Wenn fünf Stücke näher beieinander liegen und eines etwas mehr Platz einnimmt, so steckt darin bestimmt der König». Dann nämlich wurde für das Königsstück, das immer als Letztes eingefügt wird, zu viel Platz ausgespart. Allerdings geben sich die Kollegen als Königsmacher alle Mühe Unregelmäßigkeiten wieder auszugleichen. So funktioniert dieser Trick zum schummeln wohl nur im Ausnahmefall.

Den Roscón de Reyes kann man bis zum 6. Januar in allen Supermärkten und Bäckereien mit verschiedenen Füllungen kaufen.

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