Besuch im Künstlerdorf Gaucín
Die Landschaftsumgebung ist einfach spektakulär. Gut 600 Meter unterhalb des einst von Römern und Mauren dominierten Dorfes bahnt sich der Fluss Genal seinen Weg aus der Bergwelt um Ronda heraus gen Süden und quert das von hügeligem Acker- und Weideland und Windrädern beherrschte Campo de Gibraltar.
In der Ferne taucht der mythische Felsen von Gibraltar aus dem tiefblauen Mittelmeer auf, und in südöstlicher Richtung begrenzt der zerklüftete Kamm der Sierra Crestellina den Blick. Einzigartig.
Ihrem Beinamen ‚Balkon der Serranía‘ macht die weiße Berggemeinde alle Ehre. An ihr ist nicht nur die landschaftliche Umgebung malerisch, sondern auch das von der frühmittelalterlichen Festung Castillo del Aguila bewachte Labyrinth aus engen Gassen, kleinen Plätzen, Treppen und weiß getünchten, niedrigen Häuserreihen mit üppigem Blumenschmuck.

Offene Studios vom 5. bis zum 7. Juni
Am Wochenende vom 5. bis 7. Juni wird Gaucín noch einmal zum vielbeachteten Zentrum von Kreativität und Inspiration. 21 lokale Künstler öffnen jeweils von 11:00 bis 19:00 Uhr ihre Ateliers und Werkstätten, um ihre Bilder und Objekte, kreativen Prozesse, Arbeits- und zum Teil auch Wohnräume interessierten Besuchern zugänglich zu machen.
Das jährliche wiederkehrende Event lässt zeitgenössische Malerei, Skulptur, Fotografie, Grafik und Textilkunst mit der andalusischen Landschaft verschmelzen.
Machen Sie sich selbst ein Bild von der dort gebotenen künstlerischen Vielfalt. Im Kulturzentrum El Convento an der gleichnamigen Straße gleich am Anfang des Kunstrundgangs erhält man einen kleinen Vorgeschmack auf das Schaffen aller beteiligten Künstler.
Dort wie überall im Dorf liegt ein vom Tourismusbüro herausgegebener, anschaulich bebilderter Faltplan aus mit Standorte aller Ateliers und Galerien sowie von 16 Läden, Bars und Restaurants.
Exemplarische Besuche
Auf jeden einzelnen Kunstschaffenden näher einzugehen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Wir beschränken uns deshalb auf drei:
Belén Montero ist das neuste Mitglied der bunt gemischten Künstlerkolonie. Einige ihrer farbintensiven Textilkreationen besitzen fast mystische Tiefe und bewegen sich in Richtung meditative Abstraktion.
Damit hat die junge Künstlerin bereits etliche internationale Preise errungen. Sie ist ganz leicht zu finden in ihrem Eckhaus auf der Calle El Convento.

Jenny Waterhouse hingegen gehört zu den Veteranen der Künstlerkolonie. Die überzeugte Plain Air Malerin bringt die grandiosen Landschaften um Gaucín und die dazugehörige Flora seit 1987 auf die Leinwand.
1999 zog sie aus ihrer Finca am Ortsrand in ein eher winziges Townhouse mit steiler Innentreppe und zauberhafter Südaussicht um, wo sie noch heute lebt und arbeitet.
Ihre dem Impressionismus angelehnten Bilder fangen die Wucht der ihr zu Füßen liegenden Landschaften ebenso meisterhaft ein wie die bewegte und zarte Schönheit der blühenden Bäume, Blumen und Gräser.
José Sánchez Zabaleta (Joseba) und seine Frau María wiederum haben sich erst vor wenigen Jahren ihren idealen Lebens- und Arbeitsraum an einem der höchsten Punkte des Dorfes erbaut.
Auf allen Abstellflächen im Erdgeschoss kombiniert der Künstler Bilder von scheinbar unberührten Landschaften und Stillleben in Erd- bis Grautönen oder das Portrait seines den Betrachter aufmerksam musternden Hundes hinter realen Tassen, Tellern mit schrumpeligen Zitronen, Schüsseln voll mit vertrockneten Blüten, leere Sardinen- und Thunfischdosen und andere Alltagsrelikten.
Nichts davon ist banal, alles evoziert Vergänglichkeit, Stille und Nostalgie, poetisch und ungeheuer realistisch.

Joseba wird zu den besten neuen Realisten Spaniens gezählt. Ihm hat das erste und bisher einzige Museum des zeitgenössischen spanischen Realismus kurz nach seiner Eröffnung eine vielbeachtete Einzelausstellung gewidmet.
Sie trug den Namen ‚Almería, la tierra ausente‘ (etwa: Almería, das abwesende Land) und zeigte dem Verfall anheimgestellte Gebäude, eine einsame kleine Kirche am Meer oder endlose brachliegende Felder.
Ab 13. Juni werden Josebas Bilder bei Mokum, der ältesten Galerie Amsterdams für zeitgenössische Kunst zu sehen sein.
Informationen zur Ausstellung der Künstler in Gaucín
Der zweite Teil der diesjährigen Open Studios Gaucín findet am ersten Juniwochenende, Freitag bis Sonntag von 11 bis 19 Uhr statt. Gaucín erreicht man von Manilva an der Küste aus über die A-377 in 30 Minuten, von Ronda aus über die A-369 in 50 Minuten.
Parken kann man rund ums Dorfzentrum, drinnen findet man selten Platz. Nehmen Sie bequemes Schuhwerk mit, denn der Rundgang ist lang und mitunter ziemlich steil. Bei den hohen Tagestemperaturen sollte man zudem hohen Sonnenschutz, Hut und Wasserflasche dabeihaben.



























































