Gefährliche Spinnen in Spanien – Mythos und Realität

Nach den kürzlich veröffentlichten Berichten über Gewebeschäden und Nekrosen steigt die Angst vor Spinnenbissen in der Bevölkerung.

Gefährliche Spinnen in Spanien: Mythos oder Gefahr?
Die Europäische Schwarze Witwe. // Foto: Sphoo - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32803543

Gefährliche Spinnen in Spanien

Wer an gefährliche Tiere in Südspanien denkt, hat meist Schlangen oder Skorpione vor Augen und denkt im seltensten Fall an Spinnen, zumal in einschlägigen arachnologischen Foren immer wieder versichert wird, dass es in Spanien keine gefährlichen Spinnen gibt.

Tatsächlich leben auf der Iberischen Halbinsel jedoch mehrere Spinnenarten, deren Bisse medizinisch relevant sein können. Schwere Vergiftungen sind allerdings äußerst selten, Todesfälle sind in Spanien praktisch unbekannt.

Dennoch lohnt es sich, einige Arten zu kennen – insbesondere die Mittelmeer-Einsiedlerspinne (Loxosceles rufescens), die in den vergangenen Jahren zunehmend in den Fokus von Wissenschaftlern, Schädlingsbekämpfern und Medien geraten ist.

Violinspinnen – scheu und wenig aggressiv

Die bedeutendste medizinisch relevante Spinne Südspaniens ist die Mittelmeer-Einsiedlerspinne (Loxosceles rufescens), auch als Braune Violinspinne oder Geigenspinne bekannt.

Sie gehört zur Familie der Sicariidae und ist im gesamten Mittelmeerraum heimisch. In Spanien kommt die Art nahezu landesweit vor, besonders häufig jedoch in den wärmeren Regionen Andalusiens, Murcias, Valencias und auf den Balearen.

Sie lebt bevorzugt in menschlichen Behausungen, alten Gebäuden, Kellern, Lagerräumen, Garagen und Schuppen.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Art eng an den Menschen angepasst ist und sich häufig unbemerkt in Häusern ansiedelt. Die Spinne ist nachtaktiv und äußerst scheu.

Tagsüber versteckt sie sich in Ritzen, hinter Bildern, unter Möbeln oder in selten benutzter Kleidung. Anders als Radnetzspinnen baut sie keine auffälligen Fangnetze. Ihre Beute jagt sie aktiv in der Nacht.

Der spanische Arachnologe Rubén de Blas beschreibt die Art in einer aktuellen Fachpublikation als „ausgesprochen zurückgezogen lebend und wenig aggressiv“. Bisse entstehen fast immer dann, wenn die Spinne versehentlich gedrückt wird – etwa in Schuhen, Bettwäsche oder Kleidungsstücken.

Wie gefährlich ist ihr Biss?

Die Gefährlichkeit von Loxosceles rufescens wird häufig überschätzt. Ihr Gift enthält Enzyme, die Gewebe schädigen können. In einigen Fällen entsteht ein sogenannter Loxoszelismus – eine lokale Hautreaktion mit Schmerzen, Rötungen und gelegentlich Gewebsnekrosen.

Wissenschaftliche Fallanalysen bestätigten jedoch, dass fast alle Fälle ohne schwere Komplikationen innerhalb weniger Wochen ausheilen. Die Autoren betonen ausdrücklich, dass die Spinne Menschen nur selten beißt und dass keine zuverlässig dokumentierten Todesfälle bekannt sind.

Typische Symptome eines Bisses der Geigenspinne sind brennende Schmerzen an der Bissstelle, Rötungen und Schwellungen sowie Blasenbildung. In seltenen Fällen können Hautnekrosen auftreten; sehr selten kommen Fieber oder allgemeines Krankheitsgefühl hinzu.

Zunehmende Aufmerksamkeit in Spanien

In letzter Zeit berichteten spanische Medien mehrfach über vermutete Bisse von Loxosceles rufescens, etwa in Málagas Stadtteil El Palo und im Stadtzentrum von Madrid.

In beiden Fällen verursachten die Bisse starke Gewebeschäden und Nekrosen. Eine 2024 erschienene wissenschaftliche Arbeit weist auf eine steigende Zahl gemeldeter Vorfälle hin. Die Autoren vermuten, dass sowohl die bessere Erkennung der Art als auch klimatische Veränderungen eine Rolle spielen könnten.

Gleichzeitig warnen sie jedoch vor voreiligen Diagnosen, da viele Hautverletzungen fälschlicherweise Spinnen zugeschrieben werden. Experten betonen deshalb regelmäßig, dass Panik fehl am Platz ist. Die tatsächliche Zahl bestätigter gefährlicher Bisse bleibt sehr niedrig.

Die Europäische Schwarze Witwe

Neben der Einsiedlerspinne gilt die Europäische Schwarze Witwe (Latrodectus tredecimguttatus) als die medizinisch bedeutendste Spinne Spaniens. Sie lebt vor allem in trockenen, ländlichen Gebieten Südspaniens, insbesondere in Andalusien, Murcia und Extremadura. Man findet sie häufig unter Steinen, auf Feldern und in niedrigem Buschwerk.

Ihr Nervengift ist deutlich stärker als das der Einsiedlerspinne. Nach einem Biss können starke Schmerzen, Muskelkrämpfe, Schweißausbrüche, Übelkeit und ein Blutdruckanstieg auftreten.

Trotz ihres schlechten Rufs sind schwere Verläufe selten. Eine moderne medizinische Versorgung führt in der Regel zu einer vollständigen Genesung. Auch diese Spinne ist nicht aggressiv und beißt nur zur Verteidigung.

Weitere medizinisch relevante Arten

Die gelblich gefärbten Dornfingerspinnen (Cheiracanthium spp.) leben in Wiesen, Gärten und landwirtschaftlichen Flächen. Ihr Biss verursacht meist lokale Schmerzen, Schwellungen, Juckreiz und vorübergehende Entzündungen.

Die Symptome ähneln häufig einem Wespenstich und klingen normalerweise innerhalb weniger Tage ab.

In Spanien kommen außerdem mehrere Arten der Gattung Falsche Witwen (Steatoda spp.) vor. Ihre Bisse können Schmerzen und lokale Beschwerden verursachen, erreichen jedoch gewöhnlich nicht die Schwere eines Witwenbisses. Medizinische Komplikationen sind selten.

Was tun nach einem Spinnenbiss?

Die meisten Spinnenbisse verlaufen harmlos. Dennoch empfehlen Mediziner folgende Maßnahmen:

  • Ruhe bewahren.
  • Die Bissstelle mit Wasser und Seife reinigen.
  • Kühlen, um Schmerzen und Schwellungen zu reduzieren.
  • Schmuck oder enge Kleidung im betroffenen Bereich entfernen.
  • Die Stelle beobachten und fotografieren.
  • Wenn möglich, die Spinne fotografieren, ohne sie zu berühren.

Unverzüglich ärztliche Hilfe sollte man in Anspruch nehmen, wenn starke Schmerzen, ausgedehnte Schwellungen, Fieber, Atemprobleme, Muskelkrämpfe oder nekrotische Hautveränderungen auftreten.

Besondere Vorsicht ist außerdem bei Kindern, älteren Menschen und Personen mit Vorerkrankungen geboten.

Wie lässt sich ein Biss vermeiden?

Da die meisten Bisse durch unbeabsichtigtes Quetschen entstehen, sind einfache Vorsichtsmaßnahmen sehr wirksam. Dazu gehören das Ausschütteln von Schuhen vor dem Anziehen, die Kontrolle selten benutzter Kleidung, das Ausschütteln der Bettwäsche nach längerer Abwesenheit sowie das Tragen von Handschuhen bei Garten- und Aufräumarbeiten.

Hilfreich ist zudem das Abdichten von Rissen und Spalten in Häusern sowie das Sauberhalten von Kellern und Abstellräumen.

Mehr Mythos als Realität

Trotz der sensationsheischenden Berichte in einigen Medien spricht die verfügbare wissenschaftliche Evidenz dafür, dass schwere Komplikationen selten und Todesfälle außerordentlich unwahrscheinlich sind.

Zwar kommen mit der Mittelmeer-Einsiedlerspinne (Loxosceles rufescens) und der Europäischen Schwarzen Witwe (Latrodectus tredecimguttatus) zwei medizinisch relevante Arten vor, doch beide gelten als ausgesprochen scheu und greifen Menschen nicht aktiv an.

Die größte Gefahr geht nicht von der Aggressivität der Tiere aus, sondern von zufälligen Kontakten in Häusern, Kellern oder Gärten. Mit einfachen Vorsichtsmaßnahmen lässt sich das ohnehin geringe Risiko weiter minimieren.

HINTERLASSE EINE ANTWORT

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein