Andalusisches Satellitensystem soll Müll im Meer vorhersagen

Forscher der Universität Cádiz entwickeln eine Methode, die nach Starkregen die Ankunft von Abfall an den Stränden des Mittelmeers vorhersagen soll

Plastikmüll im Mittelmeer
Foto: Junta de Andalucía

Plastikmüll im Mittelmeer

Starkregen spült Müll von Straßen, Kanälen und Flussbetten ins Meer – und wenige Tage später landet er an den Stränden. Genau diesen Zusammenhang hat eine Forschungsgruppe der Universität Cádiz (UCA) jetzt erstmals systematisch untersucht.

Das Ergebnis ist ein satellitengestütztes System, das Behörden warnen soll, bevor der Abfall die Küste erreicht.

Eine Arbeitsgruppe hat dafür eine Methode entwickelt, die Satellitenbilder mit mathematischen Modellen kombiniert. Kern des Systems ist eine Methode, die bislang vor allem in der Klimatologie eingesetzt wurde und nun erstmals auf die Meeresforschung übertragen worden ist.

Sie ermöglicht es, den gesamten Verlauf eines Extremereignisses nachzuvollziehen – von der Entstehung eines Tiefdruckgebiets über die Reaktion der Flüsse bis zur Ausbreitung des Mülls im offenen Meer.

Für die Studie analysierten die Wissenschaftler 90 Tage lang täglich verschiedene Variablen eines konkreten Ereignisses im nordwestlichen Mittelmeer. In diesem Zeitraum gelangten 50 Tonnen Abfall vom Land ins Meer – hauptsächlich infolge von Starkregen und dem damit verbundenen Anstieg der Flüsse.

Der Großteil davon trat in wenigen Stunden oder Tagen ein, ausgelöst durch die sogenannte „first flash“ – die erste Hochwasserwelle nach intensiven Regenfällen. Kürzere Flüsse und städtische Gebiete reagierten dabei fast sofort; bei größeren Flüssen wie der Rhône verzögerte sich der Eintrag um zwei bis drei Tage.

Von den 50 Tonnen Abfall waren 26 Tonnen schwimmfähiges Material. Etwa 68 Prozent davon trieben letztlich an Strände, während rund 32 Prozent im Meer versanken. Die übrigen 24 Tonnen lagerten sich direkt auf dem Meeresgrund nahe der Küste ab.

Müll wird wieder an Strände zurückgespült

Die Satellitendaten zeigten zudem, dass sich der Müll bis zu 300 Kilometer von der Küste entfernte, bevor Teile davon wieder an die Strände zurückgespült wurden.

Dabei bildete der Abfall schmale, streifenförmige Ansammlungen an der Meeresoberfläche, die nur wenige Meter breit, aber über 20 Kilometer lang werden können.

In ihnen sammeln sich Plastik, Pflanzenreste, Pollen und Meeresschleim, eine zähflüssige Substanz, die bei warmem Wasser und hoher Nährstoffbelastung entsteht.

Das System befindet sich noch in der Entwicklungsphase und wird im Feld erprobt. Ziel ist eine vollautomatische Plattform, die Behörden mehrere Tage vor der Ankunft von Strandmüll warnt und so gezielte Reinigungsmaßnahmen ermöglicht.

Das Projekt wird von der Forschungsbehörde der Junta de Andalucía sowie der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) gefördert. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Marine Pollution Bulletin veröffentlicht.

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