Teil 6 – Rückschläge
In meiner unerschütterlichen Vorfreude, dachte ich mir absolut jeder wird sich freuen, in den Süden zu ziehen – Sonne satt, blauer Himmel, weniger Regen. Ob Mensch, Tier oder Pflanze – aus meiner Sicht klingt das nach klarer Verbesserung der bisherigen Lebensumstände.
Nun hat man ja nicht unendlich viel Platz im Umzugstransporter – vor allem dann nicht, wenn man mit Hunden, Katze und Pferden umzieht. Also musste ich drastisch aussortieren – meine Klamotten haben sich um die Hälfte reduziert, Skisachen bleiben bei den Eltern, Decken, Schals, Mützen – alles nur was wirklich nötig ist.
Dann landete ich aber bei meinen Pflanzen. Ich hoffe Sie stimmen mir zu, dass es die reinste Ironie wäre, dass sich meine Palmen, Oleander und sämtliche Sukkulenten jahrelang mühsam durch den deutschen Winter quälen und ich sie dann, wenn ich in ihre idealen Lebensumstände ziehe, herzlos zurücklasse. Logische Konsequenz: Sie müssen mit.
Der Umzugstransporteur schaut mich etwas verwirrt an, als ich mit einem Minimum an Gepäck, aber mit mächtigen Pflanzpötten vor dem Transporter stehe und mich frage, was ich wohl an unnötigem Ballast wieder aus dem Van ausladen kann.
Mit viel Geschick und sich endlich auszahlenden Tetris-Spielstunden der Kindheit, passten dann endlich (fast) alle Pflanzen in den Transporter.
Angekommen auf der Finca, stelle ich stolz meine grünen Lieblinge behutsam in den Halbschatten (!) und sehe sie vor meinem inneren Auge einen Luftsprung machen. Aber dann?
Kaum drei Tage später: Meine wärmeliebenden, aus dem Süden kommenden, sonnen-anbetenden, kälteempfindlichen Pflanzen haben einen Sonnenbrand. Fast 2000 Kilometer haben sie in einem dunklen Transporter verbracht, der zu allem Überfluss noch 48 Stunden verspätet ankam, um nun hier in der neuen Heimat kläglich zu leiden.
Ja, manche sogar zu sterben. Ich zweifle an jeglichem grünen Daumen meinerseits und rette die Überlebenden ins Haus.
Und sei das noch nicht genug: Auch der Hund hat eine rote Nase und die Pferde sind sich auch recht sicher: vor Eisheiligen kann alles passieren – da bleib ich lieber noch im Winterfell. Sicher ist sicher.
Nun gut, nächstes Frühjahr sind wir dann hoffentlich alle vorbereitet – auf Sonne satt das ganze Jahr über.
Teil 7 folgt in Kürze…
Lisa Westerhoff ist Journalistin und Biologin und verbindet Schreiben und Tierwelt. Unter anderem hat sie in Auffangstationen in Costa Rica und den Niederlanden gearbeitet.
Ihr langer Traum nach Spanien zu ziehen, wird gerade Realität. Gemeinsam mit ihrem Partner zieht sie nach Katalonien, nahe Tortosa und beginnt ein neues Kapitel mit Katze, Hunden und Pferden.
Verfolgen kann man das Ganze auf dem Instagram-Kanal a.finca.dos























































