Das sind die spektakulärsten Feste in Spanien

Einige Traditionen sind auffallend außergewöhnlich und teils von exzentrischer Natur

Besondere Feste in Spanien
Batallo del Vino in La Rioja.

Besondere Feste in Spanien

Feiern ist ein bedeutender Teil der spanischen Kultur und der temperamentvollen Lebensart. Jede Stadt und jedes noch so kleine Dorf hat seinen jährlichen Festkalender mit einer Vielzahl an Feierlichkeiten.

Einige Traditionen sind dabei auffallend außergewöhnlich und teils von exzentrischer Natur – so liefert man sich etwa Schlachten mit Wein oder Tomaten, errichtet Türme aus Menschen, veranstaltet verrückte Verfolgungsjagden oder feiert Silvester einfach zweimal im Jahr. Hier sind zehn der einzigartigsten Feste, die Spanien zu bieten hat.

Castells in Tarragona

Die Castells genannten Menschentürme sind eine Tradition, die ihren Ursprung im 18. Jahrhundert in der Stadt Valls hat, und sich zunächst in Tarragona entwickelte. Seit 2010 sind die Menschenpyramiden sogar Teil des immateriellen Weltkulturerbes der UNESCO.

Jedes Jahr Anfang Oktober findet dieser Wettbewerb in Tarragona statt, bei dem die teilnehmenden Mannschaften, die sogenannten Colles castelleres, versuchen, den höchsten Turm aus Menschen zu errichten.

Den Zuschauern offenbart sich ein unglaubliches Spektakel, denn die sechs bis zehn Etagen hohen Türme werden ausschließlich mit der Kraft der einzelnen Teams gebildet, ohne Einsatz jeglicher Hilfsmittel.

Im 20. Jahrhundert, besonders in den 1980er Jahren, breiteten sich die Castells in ganz Katalonien aus. Der Aufbau von Menschentürme erfolgt zu bestimmten Anlässen, etwa zu Jahrestagen oder Patronatsfesten.

Las Fallas in Valencia

Riesenhafte Statuen werden bei dem extravaganten Fest Las Fallas Mitte März für eine Woche im Zentrum von Valencia zur Schau gestellt, bevor sie am letzten Tag in einem großen Feuerspektakel verbrannt werden.

Das ganze Jahr über bauen die Fallas-Vereine Skulpturen aus Pappmaché, mit denen Prominente, Persönlichkeiten aus Politik oder Sport auf humorvolle Art verspottet oder glorifiziert werden. Lediglich eine der Figuren, nämlich die, die zuvor von einer Jury zur Gewinnerin erkoren wurde, wird von den Flammen verschont und bekommt im Miniaturformat einen Platz im Fallas-Museum.

Santa Marta de Ribarteme in Galizien

Ein makaber wirkendes Ritual findet in As Neves (Pontevedra) in Galizien anlässlich der Romería de Santa Marta am 29. Juli statt. Menschen stellen sich dabei in einem Sarg zur Schau, als ob es ihre eigene Beerdigung wäre.

Mit diesem Fest werden diejenigen geehrt, die dem Tod sozusagen gerade noch von der Schippe gesprungen sind, etwa weil sie Unfälle überlebt oder sich von einer schweren Krankheit erholt haben.

Nachdem die Überlebenden in einer Prozession in offenen Särgen in Begleitung ihrer Familien zur Kirche getragen werden, berichten sie über ihre Nahtoderfahrungen. Live-Musik und gastronomische Köstlichkeiten runden dieses außergewöhnliche Pilgerfest ab.

La Tomatina in Valenica

Wenn 20.000 Menschen mit 140 Tonnen reifen Tomaten um sich werfen, dann kann es sich  nur um das Fest La Tomatina handeln, das am letzten Wochenende im August in Buñol in der Provinz Valencia stattfindet.

Die Tomatenschlacht bildet den Abschluss der einwöchigen Feierlichkeiten zu Ehren von Sant Luis Bertran und der heiligen Jungfrau Mare de Déu dels Desemparats.

Die Tomaten werden mit LKWs auf den Dorfplatz gebracht – und los geht die große Tomatensause. Besonders mutige Teilnehmer versuchen noch, den rutschigen Mast zu erklimmen, an dessen Spitze ein Schinken festgemacht ist.

Nachdem die Besucherzahl bei diesem verrückten Event im Jahr 2012 auf 50.000 Personen angestiegen war, muss man sich seit 2013 vorab online für die Tomatenschlacht registrieren. Kostenlos ist das Spektakel nur noch für die Einheimischen. Für alle anderen fällt eine Anmeldegebühr an. Da nur 20.000 Karten erhältlich sind empfiehlt sich eine rechtzeitige Buchung.

Salto de Colacho in Burgos

Eine der ungewöhnlichsten und zugleich faszinierendsten Traditionen des Landes ist der Salto de Colacho. Seit 1621 wird diese Veranstaltung im Juni in dem Dorf Castrillo de Murcia in der Provinz Burgos zelebriert. Das Fest kombiniert christliche und heidnische Elemente und feiert den Sieg des Guten über das Böse.

Im Anschluss an eine Prozession werden Babys, die im Vorjahr geboren wurden, vom Pfarrer gesegnet und dann auf Kissen gebettet vor blumengeschmückte Altäre gelegt.

Der sogenannte Colacho – ein Mann im gelb-roten Kostüm, der den Teufel darstellt – rennt mit einer Peitsche durch die Straßen, worauf er von den Anwesenden verspottet wird.

Sobald er die Babys erreicht, springt er über sie hinweg, um damit böse Geister zu vertreiben und die Kleinen zu segnen und vor Krankheiten zu schützen.

Zum Abschluss werden die Babys mit Blumen bestreut, um dann in die Arme der Eltern zurückzukehren. Es folgt ein ausgiebiges Fest mit traditionellen Tänzen.

San Fermin in Pamplona

Besondere Feste in Spanien
San Fermin in Pamplona.

Navarras Hauptstadt Pamplona ist Schauplatz eines internationalen Festes mit religiösem Charakter. San Fermin beginnt am 6. Juli mit einer Rakete, die vom Balkon des Rathauses abgefeuert wird.

Der bedeutendste Teil dieses Festes ist die Stierhatz, das am Folgetag startet. Dabei werden Stiere eine etwa 800 Meter lange Strecke durch die Straßen bis zur Arena getrieben, und Menschen laufen vor den Stieren her, immer bestrebt, nicht von ihnen überrannt zu werden.

Eine Woche lang wird dieses Spektakel täglich wiederholt, bis die Feier am 14. Juli vor dem Rathaus endet. Die Menschen singen zusammen das traditionelle Lied Pobre de mí und ein Feuerwerk beschließt das Fest.

La Fiesta del Cascamorras in Granada

Im September wird in der Provinz Granada eines der lustigsten Feste in Spanien gefeiert – eine irre Verfolgungsjagd mit langer Geschichte. Denn laut einer 500 Jahre alten Legende hat das ausgelassene Fest seinen Ursprung darin, dass ein Arbeiter aus Guadix in Baza eine Marienstatue ausgegraben hat, die er mit nach Hause nahm.

Dies führte natürlich zu Streitigkeiten, und so kommt nun der Cascamorras, ein Possenreißer aus Guadix, jeden 6. September nach Baza, um die Marienfigur zu entführen.

Die Einwohner wollen dies verhindern und bespritzen ihn mit Öl, Schlamm und schwarzer Farbe. Am 9. September kehrt der Cascamorras schließlich mit leeren Händen nach Guadix zurück, wo er dann von den enttäuschten Bewohnern erneut mit Schmutz beworfen wird.

Els Enfarinats in Alicante

Am 28. Dezember, dem Tag der Unschuldigen, wird in der Kleinstadt Ibi bei Alicante von maskierten Rebellen symbolisch für einen Tag der Bürgermeister abgesetzt. Die in alte Uniformen gekleideten Männer erobern sodann die Ortschaft in einer wilden Mehlschlacht. Els Enfarinats ist valencianisch und bedeutet soviel wie „die Bemehlten“.

Der neue Bürgermeister der Enfarinats übernimmt den Kommandostab womit die Mehlmänner die Macht übernommen haben. Nun stehen sich die Enfarinats und die mit der Machtübernahme nicht einverstandene Opposition gegenüber.

Die zwei Gruppen bewerfen sich mit Mehl und Eiern, bis alle so in Mehlstaub gehüllt sind, dass nicht mehr erkennbar ist wer hier gegen wen kämpft. Beide Gruppen ziehen durch die Straßen, um bei den Bürgern und in Geschäften Geld für einen guten Zweck zu sammeln.

Kapituliert die Opposition kommt es zum Waffenstillstand. Ein Tanz mit kostümierten Frauen und Männern, sowie den bunt gekleideten und maskierten Els Tapats beendet das Fest, bei dem rund sieben Tonnen Mehl, 9.000 Eier und über 7.000 Knallfrösche zum Einsatz kommen.

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Mehl- und Eierschlacht Els Enfarinats.

Nochevieja (Silvester) im August in Granada

Ein Stromausfall in der Silvesternacht führte dazu, dass in Bérluches in der Provinz Granada seit 1994 zweimal im Jahr Silvester gefeiert wird.

Denn aufgrund dieses Stromausfalls blieben die mitternächtlichen Glockenschläge aus und die Einwohner konnten ihre zwölf Weintrauben zur Begrüßung des neuen Jahres nicht verzehren (Anmerkung: In Spanien werden traditionell zwölf Trauben zu den zwölf Glockenschlägen gegessen, die Glück für die zwölf Monate des neuen Jahres bringen).

Aus Protest gegen die schlechte Stromversorgung beschlossen die Bewohner von Bérluches kurzerhand, die vertane Silvesternacht am ersten Samstag im August nachzufeiern – frei nach dem Motto: Doppelt hält besser.

Inzwischen erfreut sich das sommerliche Silvesterfest einer so großen Beliebtheit, dass es schon über 10.000 Besucher anzieht.

La Batalla del Vino in La Rioja

Das Weinanbaugebiet La Rioja ist in der ganzen Welt für seine Weine berühmt. Die Weinschlacht von Haro, die jeden 29. Juni nahe der Kapelle San Felices, etwa sechs Kilometer von Haro entfernt ausgetragen wird, ist ein Ereignis, das an Eigentümlichkeit kaum zu überbieten ist.

Tausende ganz in weiß gekleidete Menschen liefern sich eine Schlacht mit rund 70.000 Litern Wein. Dabei kommen nicht nur lederne Weinschläuche, sondern auch Eimer, Wasserpistolen und sogar Sprühgeräte aus der Landwirtschaft zum Einsatz. Nach wenigen Minuten sind alle schon klatschnass.

Die Batalla del Vino dauert eine Stunde und alle Teilnehmer gelten als Gewinner. Nach dieser Weinschlacht stärkt man sich mit Caracoles a la riojana (dt. Schnecken in roter Soße) und genießt die gemeinsame Feier.

Zum Ursprung dieses Festes gibt es mehrere Theorien, wobei keine belegt werden kann: so wird etwa gesagt, das Fest gehe auf einen echten Kampf zwischen Winzern aus Haro und dem 22 Kilometer entfernt in Kastilien liegenden Miranda de Ebro zurück.

Einer anderen Erzählung zufolge wollte ein Dorfbewohner seinen Begleiter bei einer Wallfahrt erfrischen, indem er den Wein aus seinem Trinkbeutel über ihn goss – diese Idee soll dann gleich viele Anhänger gefunden haben, woraus sich das Fest entwickelt hat.

Tanz der Zwerge in Santa Cruz de la Palma

In Santa Cruz de la Palma auf den Kanarischen Inseln findet alle fünf Jahre der Tanz der Zwerge statt. Der Danza de los Enanos ist eines der symbolträchtigsten Ereignisse der Bajada de la Virgen de las Nieves (dt. Herabtragen der Jungfrau).

Die Virgen des las Nieves wurde seit jeher auf der Insel verehrt. Bei besonderen Nöten trug man sie von ihrer Kapelle hinunter in die Stadt.

Nach der Anordnung des kanarischen Bischofs Bartolomé García Ximénez findet seit 1680 alle fünf Jahre das Herabtragen der Jungfrau statt. 1835 wurden die Zwerge zu den exklusiven Darstellern für die Virgen de las Nieves.

Dieses außergewöhnliche Spektakel vereint Musik, Choreographie und eine überraschende Verwandlung, die das Publikum seit Generationen in den Bann zieht. Die Teilnehmer dieser einzigartigen Bühnenproduktion führen einen traditionellen Tanz auf, der den Geist der Insel widerspiegelt.

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