Antequera Luz de Luna
Antequera hat den Ruf, im Sommer ein Backofen zu sein. Mit Temperaturen, die oftmals die 40-Grad-Grenze überschreiten, wagt sich kaum ein nordeuropäischer Tourist in den Ort.
Doch die Barockstadt ist auch und gerade im Sommer einen Besuch wert. Von Juli bis September organisiert die Stadt das Programm Luz de Luna, bei dem man die Sehenswürdigkeiten der Gemeinde im Mondschein und bei angenehmen nächtlichen Temperaturen kennenlernen kann.
Führungen bei Sonnenuntergang, nächtliche Besuche der Dolmen, Sternenbeobachtungen, Lichtshows, Flamenco- und Jazzfestivals sind nur einige Highlights des umfangreichen Programms.
Zum Weltkulturerbe ernannte Kultstätte
Die von einem beeindruckenden Felsen, der Peña de los Enamorados, dominierte Stadt besitzt eine bewegte Geschichte, die auf die Jungsteinzeit zurückgeht. Die beeindruckende Dolmenanlage am Eingang Antequeras wurde von der UNESCO im Jahr 2016 zum Weltkulturerbe ernannt.
Diese Auszeichnung erkennt die Einmaligkeit dieser aus drei Dolmen bestehenden Anlage an und hebt die Kreativität bei der Konstruktion dieser Bauten hervor, bei der die tonnenschweren Steine mit rudimentären Mitteln zu ihrem Standort transportiert wurden.
Die Dolmen Antequeras weisen jedoch noch eine weitere Besonderheit auf. Während die meisten Dolmenstätten im Mittelmeerraum astronomisch ausgerichtet sind, verweisen die Dolmen Antequeras auf landschaftliche Phänomene.
Der Dolmen El Romeral ist zu den kuriosen Steinformationen des Gebietes El Torcal hin ausgerichtet, während der Dolmen von Menga einen privilegierten Blick auf die Peña de los Enamorados bietet.
Der britische Archäoastronom Michael Hoskin schrieb einmal sinngemäß, dass die Erbauer hier nicht einfach Kultstätten errichteten, sondern die Landschaft selbst zu einem Bestandteil ihrer Monumente machten. Tatsächlich scheint sich hier Natur in Architektur und Architektur in Natur zu verwandeln.

Strategische Lage
Die im Volksmund auch als „El Indio“ bekannte Peña de los Enamorados – die Silhouette des Felsens erinnert an das Gesicht eines nordamerikanischen Indianers – hat nicht nur die Menschen der Frühgeschichte fasziniert, sondern gilt auch heute noch als das Identitätsmerkmal der Bewohner Antequeras.
Aufgrund seiner Lage am Schnittpunkt der Verkehrsachsen der bedeutendsten andalusischen Städte war Antequera in allen geschichtlichen Epochen ein begehrter Ort.
Die Römer gründeten hier die Stadt Antikaria, deren strategischer Standort den Wohlstand sicherte. Noch heute erinnern Villen, Mosaike und zahlreiche Funde im Stadtmuseum an diese Epoche.
Der berühmte bronzene Efebo von Antequera, eine nahezu vollständig erhaltene römische Statue eines jugendlichen Athleten, gehört zu den bedeutendsten archäologischen Entdeckungen Andalusiens.
Im 8. Jahrhundert übernahmen die Mauren die Stadt und nannten sie Medina Antaqira. Sie bauten mächtige Stadtmauern und errichteten die Alcazaba, deren wuchtige Torre del Homenaje bis heute über der Stadt thront.
Kurioserweise krönt ein nach der Wiedereroberung der Stadt errichteter Renaissance-Glockenturm diese arabische Festung.
Die Rückeroberung durch die Truppen König Ferdinands I. von Aragón im Jahr 1410 gilt als einer der entscheidenden Schritte der christlichen Reconquista. Der Sieg war von so großer symbolischer Bedeutung, dass Ferdinand fortan den Beinamen „El de Antequera“ trug.
Stadt der Kirchen, Klöster und Paläste
Im 18. Jahrhundert erreichte Antequera als bedeutende Handelsstadt am Kreuzungspunkt der Routen zwischen Málaga im Süden, Granada im Osten, Córdoba im Norden und Sevilla im Westen den größten wirtschaftlichen Aufschwung und galt als das „Herz Andalusiens“.
Die florierende Textilindustrie trug dazu bei, dass sich zahlreiche Adlige und fast alle religiösen Orden hier ansiedelten. Über 60 Kirchen und Klöster zählte die Stadt in ihrer besten Epoche.
Heute ist diese Zahl auf die Hälfte geschrumpft, doch Antequera besitzt innerhalb Europas immer noch die größte Konzentration von Kirchen pro Einwohner. Der wirtschaftliche Wohlstand spiegelt sich auch in den Kunstwerken wider, die die Kirchen und Museen der Stadt beherbergen.

Im städtischen Museum kann man neben archäologischen Fundstücken auch zahlreiche bedeutende Werke der Barockkunst, darunter Gemälde von Murillo und Zurbarán, bewundern.
Selbst im Sommer ist das Schlendern durch die Stadt ein Genuss. Zwischen den steinernen Fassaden der Klöster und Kirchen finden sich immer wieder schattige Plätze mit Brunnen, und der Paseo Real sorgt mit seiner Vegetation ebenfalls für angenehme Temperaturen.
Den Aufstieg über steile Gassen zum hochgelegenen Viertel der arabischen Burganlage sollte man sich jedoch für den frühen Morgen oder die Abendstunden reservieren. Von hier aus hat man einen atemberaubenden Panoramablick auf Antequera und seine Umgebung.
Der monumentale Arco de los Gigantes, der den Eingang in die ehemalige Festungsstadt markiert, dient dabei als stilvoller Rahmen sowohl für die Stadtkulisse als auch für die Colegiata de Santa María, eines der frühesten Renaissancebauwerke Andalusiens.
Sommernächte voller Kultur
Die unterhaltsamste Art, Antequera kennenzulernen, sind die Aktivitäten, die im Rahmen des Programms „Luz de Luna“ geboten werden. Auf dem Programm stehen Führungen durch die Stadt, die Dolmenanlage und das Landschaftsgebiet El Torcal, Routen, bei denen man viel über die Mythen und Legenden der Stadt erfahren kann, nächtliche Besuche der Alcazaba, Astronomienächte, Weinproben und vieles mehr.
Einige Aktivitäten werden auch auf Englisch angeboten.
Zudem umfasst „Luz de Luna“ zahlreiche kulturelle Events, die den Besuchern die lauen Sommernächte versüßen sollen. Am 17. und 18. Juli wird ALF, ein Musik- und Lichtfestival, veranstaltet, mit dem an die Ernennung der Dolmen zum Weltkulturerbe erinnert werden soll.
Von 22.30 bis 2 Uhr nachts werden Video-Mappings in der Real Colegiata de Santa María – dieses Jahr erstmals auch im Inneren des Tempels –, Lichtinstallationen in der Cuesta de San Judas, Kerzenbeleuchtung auf der Plaza Coso Viejo, eine Licht- und Feuershow auf der Plaza de San Sebastián und das Music Party Universe im Innenhof des Rathauses geboten.

Auf der Plaza de San Luis legt zudem ein DJ zu Video-Mappings auf.
Der Platz vor der Colegiata de Santa María wird die großen Musikevents des Sommers beherbergen. Hier finden jeweils um 22.30 Uhr folgende Veranstaltungen statt: am 30. Juli ein Indie-Musik-Konzert, am 31. Juli und 1. August das Antequera Blues Festival, am 7. August das Gitarrenfestival Paco de Antequera und am 8. August die Noche de Flamenco Santa María.
Das vollständige Programm ist auf der Website turismo.antequera.es/event/luz-de-luna oder direkt vor Ort in der Oficina de Turismo in der Calle Encarnación 4 zu finden.
Im Tourismusbüro erhält man zudem alle weiteren nützlichen Informationen über die Stadt.























































