Konsul Franko Stritt Grohe: „Ich fühle mich hier einfach wohl“

Der deutsche Konsul in Málaga im Sommerinterview mit Costa del Sol ONline

Franko Stritt Grohe
Franko Stritt Grohe in seinem Büro im Konsulat Málaga. Foto: sas

Franko Stritt Grohe im Interview

Konsul Franko Stritt Grohe ist seit drei Jahren an der Costa del Sol im Amt. Seit August 2023 vertritt der gebürtige Schramberger aus dem Schwarzwald die Bundesrepublik Deutschland in Málaga und ist für acht andalusische Provinzen sowie die autonomen Städte Ceuta und Melilla zuständig.

Während seiner Amtszeit hat er verschiedene Projekte vorangetrieben, darunter das Gedenkprojekt an die Gneisenau anlässlich des 125. Jahrestags ihres Untergangs sowie die Vertiefung des Kontakts zu andalusischen Institutionen und der Stadt Málaga.

Wir haben mit Konsul Stritt über Herausforderungen im Konsulat, aktuelle Projekte sowie über seinen bevorstehenden Ruhestand gesprochen.

Herr Stritt, Sie sind seit ziemlich genau drei Jahren Konsul in Málaga. Turnusmäßig müssten Sie in einem Jahr wechseln. Bleibt es dabei?

Genauso ist es. Ich wechsle am 1. September 2027 tatsächlich, aber in den Ruhestand. Ich habe den Antrag gestellt, ein Jahr länger zu bleiben. Das Auswärtige Amt hat signalisiert, das wäre grundsätzlich möglich, allerdings nicht in Málaga, sondern nur an einem Posten, der sonst schwer zu besetzen ist.

Málaga ist ein gefragter Standort mit wenigen Leiterposten für den gehobenen Dienst und entsprechend leicht zu besetzen. Ich gehe deshalb im Moment davon aus, dass ich am 1. September kommenden Jahres morgens aufstehe und nicht mehr ins Büro gehe.

Gibt es im Konsulat auch ein Sommerloch, in dem weniger zu tun ist?

Nein, das gibt es nicht. Zwar lässt in den Sommermonaten die Nachfrage nach regulären Passterminen seitens der Residenten etwas nach, dafür kommt eine umso größere Zahl von Touristen an die Costa del Sol und entsprechend mehr Personen, die entweder ihren Ausweis verloren oder sogar einfach vergessen haben und sich deshalb an uns wenden. Das Konsulat ist ganzjährig geöffnet und fast täglich ausgebucht.

Was gehört noch zu den Aufgaben des Konsulats?

Rund um das Jahr kümmern wir uns außerdem laufend um mittellose Personen, Deutsche mit psychischen Erkrankungen, in letzter Zeit auch leider häufiger um Minderjährige, deren Eltern ihrem Erziehungsauftrag nicht gewachsen scheinen.

Darüberhinaus werden wir mit etwa 200 Todesfällen im Jahr befasst. Und das sind nur die Fälle, in denen keine Angehörigen vor Ort oder bekannt sind. Es gibt in Andalusien leider häufig Deutsche, die einsam und unbegleitet versterben, wir also auf Bitten der spanischen Behörden versuchen, Angehörige zu ermitteln und zu verständigen. Diese Art Probleme betrifft sowohl Residenten als auch Touristen, und die haben keine Saison.

Wie funtioniert die Zusammenarbeit mit den spanischen Behörden?

Die Zusammenarbeit mit den spanischen Behörden funktioniert sehr gut und in den meisten Fällen kann glücklicherweise in der einen oder anderen Weise geholfen werden.

Eines Ihrer großen Vorhaben bei Amtsantritt war die Gedenkfeier zum 125. Jahrestag des Untergangs der Korvette Gneisenau vor Málaga. Wie fällt Ihr Resümee aus?

Es war sehr viel Arbeit, aber ich bin nach wie vor positiv überrascht, auf welche Resonanz das Projekt hier in Málaga gestoßen ist. Die Leute kamen von sich aus auf uns zu und wollten helfen. Wir haben offene Türen eingerannt, allerdings nur hier in Málaga, außerhalb der Stadt, in Torremolinos oder Marbella, spielte das Thema keine Rolle.

Sehr viel Arbeit wurde auch vom Deutschen Wirtschaftsforum DWA geleistet, das gemeinsam mit uns Veranstaltungen organisiert hat. Es war meines Erachtens ein großer Erfolg, auch die Zusammenarbeit mit spanischer Seite, mit der Stadt, dem Hafen und dem Militär, war hervorragend.

Können Sie ein Beispiel für diese Zusammenarbeit nennen?

Etwa zwei Wochen vor der Gedenkveranstaltung rief mich der Hafenkommandant aus Málaga an und bot uns spontan ein Schiff an. Wir wollten ursprünglich zum Gedenken an die 41 bei dem Ereignis ums Leben gekommenen Soldaten einen Kranz ins Wasser legen. Ein Kranz darf jedoch nichts enthalten, das sich nicht auflöst.

Am Ende wurden es 41 weiße Rosen. Der Militärattaché aus Madrid und weitere Vertreter begleiteten uns, und Matrosen ließen die Rosen zu Wasser, während wir die Reden hielten und die Nationalhymne gespielt wurde.

Auch der ökumenische Gottesdienst in der Kathedrale von Málaga, der erste seiner Art dort überhaupt, mit neun Geistlichen verschiedener Konfessionen und Sprachen, war ein besonderer Moment.

Sind noch Punkte aus dem Gneisenau-Projekt offen?

Zwei, drei Punkte stehen noch an: die Umbenennung einer Rotonda (Kreisverkehr) am Hafen und ein Touristenweg mit QR-Codes zu Stationen, die mit der Gneisenau zu tun haben. Das ist etwas in den Hintergrund gerückt, weil sowohl die Stadtverwaltung als auch wir andere Aufgaben haben, es ist aber nicht abgeschlossen.

Bei Ihrem Amtsantritt war der grüne Wasserstoff ein großes Thema. Wie ist der aktuelle Stand?

Das Interesse ist weiterhin groß. Baden-Württemberg zum Beispiel hat enge Kontakte zu den zuständigen Ministerien hier, nicht direkt über uns. Bei der European Hydrogen Conference vergangenes Jahr in Sevilla habe ich mich dafür eingesetzt, dass auch deutsche Bundesländer mit Ständen vertreten sind, Baden-Württemberg hatte dort einen großen Stand, zusammen mit Nordrhein-Westfalen.

Das Problem ist: Grüner Wasserstoff ist noch teurer als andere Energieformen, deutsche Unternehmen würden gerne umsteigen, es fehlt aber ein verlässlicher Fahrplan. Hinzu kommt die Sorge, Europa könnte hier zu langsam sein und zu sehr in Regelungen verharren, ähnlich wie bei der Photovoltaik, wo ein großer Teil der Produktion inzwischen nach China abgewandert ist.

Spanien könnte deutlich mehr grünen Wasserstoff produzieren, sucht aber Abnehmer, während in Deutschland die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Abnahme noch fehlen.

Sind für dieses Jahr offizielle Delegationsbesuche aus Deutschland geplant?

Aus dem Bundestag nicht, aber eine kleine Landtagsdelegation der bayerischen AfD, die nach Sevilla reist. Sie will sich vor allem damit befassen, wie Spanien und Andalusien ältere Menschen vor der Hitze schützen, ein durchaus wichtiges Thema. Solche Delegationen müssen immer auch nach Sevilla, weil dort die Landesregierung sitzt, ein offizieller Besuch nur in Málaga und Granada wäre nicht üblich.

Begleiten Sie solche Delegationen in der Regel?

Wenn es meine Zeit erlaubt, ja. Wir bereiten die Besuche vor, machen die offiziellen Termine und Vorschläge, etwa wo gegessen wird, und stimmen den Zeitplan realistisch ab. Bei der AfD-Delegation weiß ich noch nicht sicher, ob ich selbst dabei sein kann, weil zeitgleich eine Maßnahme im Rahmen des Markterschließungsprogramms für KMU (Kleine und mittlere Unternehmen) aus dem Bereich SmartCity im Auftrag des BMWE hier in Málaga und Sevilla stattfinden wird. Notfalls bitten wir die Botschaft in Madrid um Unterstützung.

In Deutschland gibt es gegenüber der AfD die Brandmauer. Spielt das für die Begleitung eine Rolle?

Nein. Es handelt sich um eine offizielle Delegation, und die wird genauso behandelt wie jede andere auch, unabhängig von der politischen Couleur.

Es gibt ja weitere Projekte, z. B. die 7. Ausgabe der deutschen Filmwoche in Málaga, die am 24. November startet. Wie ist der aktuelle Stand?

Sehr gut. Vor zwei Wochen war Dr. Blau, die Leiterin des Goethe-Instituts, in Málaga, und wir hatten gemeinsam einen Termin beim Bürgermeister Francisco de la Torre und bei der zuständigen Kulturstadträtin. Wir haben deutlich gemacht, dass sich das Filmfestival nicht nur an ein deutschsprachiges, sondern auch an ein spanischsprachiges Publikum richten soll, und um Unterstützung gebeten, es bekannter zu machen.

Der Bürgermeister brachte sofort die große Projektionsfläche am Kaufhaus Corte Inglés ins Gespräch. Konkrete Projekte sind daraus noch nicht entstanden, aber nach der Sommerpause gehen das Goethe-Institut und wir gemeinsam mit Vorschlägen auf die Stadt zu.

Der Bürgermeister von Málaga möchte die Stadt zu einem internationalen Wirtschaftsknotenpunkt entwickeln. Welche Rolle spielt dabei das Deutsche Wirtschaftsforum Andalusien und wie unterstützt es das Konsulat?

Das Deutsche Wirtschaftsforum DWA ist eine wichtige Stütze, weil es hier weder eine deutsche Handelskammer noch nennenswerten direkten Kontakt zu deutschen Unternehmen gibt.

Erhalten wir eine entsprechende Anfrage, geben wir sie an das DWA weiter, umgekehrt hilft das Forum deutschen Unternehmen mit Interesse an der Region etwa bei der Suche nach Räumlichkeiten oder bei der Kontaktaufnahme zu anderen Firmen.

Die spanische Handelskammer prüft zudem, ob sie in Andalusien eine Dependance eröffnet, viele Mitglieder des Wirtschaftsforums sind bereits Mitglied der Handelskammer in Madrid. Das Forum versteht sich dabei ausdrücklich nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung, da es vor Ort sonst keine vergleichbare Struktur gibt.

Vizekonsulin Susanne Kempermann geht bald in den Ruhestand. Gibt es schon eine Nachfolge?

Ja, ihre Nachfolgerin wird Sonja Rogoll de Lazo. Sie war bereits von 2001 bis 2006 hier am Konsulat tätig. Alle, die schon länger, etwa 20 Jahre, hier sind, kennen sie noch. Sie tritt ihre neue Stelle am 21. August an, Susanne Kempermann bleibt noch bis dahin.

Bei unserem ersten Gespräch vor drei Jahren hatten Sie noch keinen Lieblingsplatz an der Costa del Sol, weil Sie gerade erst angekommen waren. Hat sich das inzwischen geändert?

Es ist eher die Atmosphäre insgesamt, ich fühle mich hier rundum wohl, nicht nur wegen des Wetters, sondern weil die Menschen hier wirklich freundlich sind und einfach eine positive Stimmung herrscht.

Einen einzelnen festen Ort oder ein Stammrestaurant gibt es nicht, mein Mann und ich gehen gerne nach Málaga hinein, und haben auch in Torremolinos, das ich anfangs wenig mochte, einige schöne Ecken mit netten Restaurants entdeckt. Als Pensionär werde ich es dann wahrscheinlich trotzdem nicht öfter zum Strand schaffen, aber insgesamt fühle ich mich hier einfach wohl.

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