Römische Villa in Málaga
Am 24. März feiert das Museo Carmen Thyssen in Málaga seinen 15. Geburtstag und hat sich schon im Vorfeld ein ganz besonderes Geschenk gemacht: die Eröffnung des archäologischen Bereichs unter dem Museum.
Bereits vor dem Umbau des Palacio de Villalón zum Museo Carmen Thyssen, waren im Untergrund die Reste einer römischen Villa entdeckt worden. Einige Jahre nach der Eröffnung des Museums wurde beschlossen diese wertvollen Relikte in das Museum zu integrieren.
Unter der Leitung des städtischen Amtes für Denkmalpflege und Archäologie arbeiteten multidisziplinäre Teams über einen Zeitraum von dreizehn Jahren daran, die freigelegten Strukturen sorgfältig zu dokumentieren und zu sichern.
Eine der größten Schwierigkeiten stellte laut den beteiligten Technikern der hohe Grundwasserspiegel dar. Bei starken Regenfällen drohte das Areal regelmäßig überflutet zu werden. Es waren hydrologische Gutachten und aufwendige Entwässerungsmaßnahmen – darunter Drainagegräben und Schächte –notwendig, um die empfindlichen Mauern und Böden langfristig zu stabilisieren.
Parallel dazu überwachten Fachleute kontinuierlich das Raumklima im Untergeschoss, um Schäden durch Feuchtigkeit oder Temperaturschwankungen zu verhindern.
Nun konnte dieses rund 700 Quadratmeter große archäologische Areal dauerhaft für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Ausgrabungsstätte, die eine römische Wohn- und Produktionsanlage aus der Zeit der antiken Stadt Malaca umfasst, ist ab sofort regulär in den Museumsrundgang integriert.
Ein römisches Industrieviertel mit Wohnbereich
Die Grabungen brachten ein komplexes Ensemble zutage, das vom 1. Jahrhundert n. Chr. bis in das frühe 7. Jahrhundert – also bis in byzantinische Zeit – nahezu kontinuierlich genutzt wurde. Archäologen konnten hier ein suburbanes Viertel am nordwestlichen Rand der römischen Stadt Malaca nachweisen, das Wohn- und Produktionsbereiche miteinander verband.
Neben der Domus mit um einen Innenhof angelegten Wohnräumen umfasst das Ensemble auch eine Fischverarbeitungsanlage mit Becken zur Herstellung von in Salz eingelegten Fisch und Garum und sogar ein Ladenlokal, in dem diese Produkte verkauft wurden.
Im 3. Jahrhundert kam es offenbar zu einer Phase des Niedergangs. In der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts erlebte das Areal jedoch eine erneute Blüte: Bestehende Strukturen wurden erneuert, und es entstanden neue Produktionsanlagen sowie eine weitere Domus.
Erst in byzantinischer Zeit wurde das Gelände endgültig aufgegeben; später richtete man hier sogar eine Nekropole ein.
Das ‚Ninfeo de los Peces‘
Als herausragendes Element gilt ein monumentaler Brunnenbau aus dem späten 1. Jahrhundert, das sogenannte ‚Ninfeo de los Peces. Dieses aufwendig gestaltete Becken befand sich im Innenhof der Domus und diente sowohl der Wasserversorgung als auch der repräsentativen Selbstdarstellung ihres Besitzers.
Besonders bemerkenswert sind die Wandmalereien mit farbigen Fischen auf schwarzem Grund, die in der Provinz Málaga einzigartig sind. Der Brunnen war bis in die Mitte des 5. Jahrhunderts in Gebrauch.
Seine Erhaltung erlaubt nicht nur Einblicke in die römische Hydrauliktechnik, sondern auch in die sozialen Hierarchien und ästhetischen Vorlieben wohlhabender Stadtbewohner.
Alltagsfunde bieten Einblick in die Lebenswelt
Neben den baulichen Strukturen wurden zahlreiche Kleinfunde geborgen, darunter Keramiken, Münzen, Fragmente einer bronzenen Toga-Statue, Bauelemente sowie persönliche Gegenstände wie Haarnadeln, die Einblicke in die Lebenswelt jener Zeit bieten. Diese Objekte, die heute in Vitrinen ausgestellt sind, ergänzen das architektonische Bild um konkrete Spuren des täglichen Lebens.
Die Gesamtheit der Funde unterstreicht die Bedeutung Malacas als bedeutenden Handels- und Hafenstandort im südlichen Hispanien. Die Produktion von Fischsaucen und Konserven war ein zentraler Wirtschaftsfaktor, dessen Export sich über See- und Landwege bis in andere Teile des Römischen Reiches erstreckte.
Virtuelle Realität zur Ergänzung des Rundganges
Aus konservatorischen Gründen ist der Zugang auf 20 Personen pro halbe Stunde begrenzt. Eine Reservierung ist beim Thyssen Museum erforderlich.
Der Besuch wird durch eine audiovisuelle Installation ergänzt, die einen realistischen Eindruck von der ursprünglichen Anlage vermittelt, sowie durch Audioguides und 360-Grad-Rekonstruktionen des Nymphäums und der Verkaufsräume.
Zusätzlich bietet das Museum geführte Touren mit Virtual-Reality-Brillen an, die eine digitale Rekonstruktion des Areals ermöglichen.
Museo Thyssen in Málaga
Das Museo Carmen Thyssen befindet sich in der Calle Compañía 10. Der Eintrittspreis von 15 Euro für den archäologischen Bereich schließt den Besuch der Gemäldesammlung des Museums ein.
Wie die Direktorin des Museo Carmen Thyssen, Lourdes Moreno, bei der Präsentation unterstrich, handelt es sich bei der Fundstätte nicht um ein großes römisches Monument, sondern um einen Bereich, der das alltägliche Leben illustriert und sich perfekt in dieses Museum, in dem die Genremalerei im Mittelpunkt steht, einreiht.
Damit wird der Gang durch die römischen Mauern zu einer Zeitreise, die vom antiken Malaca über den Renaissance-Palast bis zur Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts reicht.























































