Wohnungsproteste in Spanien
Mit klappernden Töpfen und eindeutigen Transparenten haben die Demonstrationen gegen die aktuelle Wohnungssituation in Spanien angefangen – mit Zeltlagern, Aktivistencamps, Dächern aus Planen und Tausenden von wütenden Bürgern halten sie bis heute an.
Umso lauter nachdem das Parlament am Freitag die beiden Dekrete für mehr Mieterschutz und bezahlbaren Wohnraum abgelehnt hatte.
Die Zwangsräumung der 87-jährigen Maricarmen Abascal Ende September in Madrid hat das Fass zum Überlaufen gebracht.
Seitdem sind landesweit Abertausende Protestierende unterwegs. Unter dem Motto „Ni una Maricarmen más“ – „Keine weitere Maricarmen“ – kämpfen die Aktivisten gegen Zwangsräumungen, für stabilere Mietverträge und mehr Schutz für Mieter in ganz Spanien.
Maricarmen lebt seit 1956 in ihrer Wohnung im Retiro-Viertel in Madrid. Dass sie nun, 70 Jahre später, auf einer Trage zwangsgeräumt wird, entflammte eine neue, landesweite Protestbewegung.
Die Rentnerin äußerte sich in einem Video deutlich: „Ich will, dass es den Leuten Mut macht zu kämpfen und die Gesetze zu verändern, die meine Zwangsräumung zugelassen haben.“
Dekrete wurden abgelehnt
Die vorgeschlagenen Dekrete, die am Freitag überraschenderweise unter anderen von den Parteien Partido Popular, Vox und Junts abgelehnt wurden, forderten vor allem langfristige bzw. unbefristete Mietverträge, Mietpreisbremsen und Einschränkungen der Nutzung von Wohnraum für Tourismus.
Denn neben drastisch gestiegenen Quadratmeterpreisen, blockieren auch Ferien- sowie Zweitwohnungen, Zimmervermietungen und Kurzzeit-Verträge den verfügbaren Wohnraum.
Auch spekulative Käufe großer Immobilienunternehmen lassen die Mietpreise in die Höhe schießen – so weit, dass die breite Bevölkerung Alternativen suchen muss: „Die Kauf- und Mietpreise sind in Regionen wie Madrid derzeit so hoch, dass es sehr schwierig ist, etwas zu finden, das nicht die Hälfte des Gehalts verschlingt“, betont Mario Acosta Andújar, 37-jähriger Lehrer aus der Hauptstadt.
Er und seine Partnerin, Marta Navarro García (28), ebenfalls Lehrerin, haben Glück und können zu einer angemessenen Miete bei einem Verwandten wohnen, denn sie „hätten in dieser Gegend nichts zu einem vernünftigen Preis mieten können.“
So erging es Maricarmen: Ein großes Wohnungsbauunternehmen kaufte ihre Wohnung auf und erhöhte die Miete von 440 auf 1650 Euro – unbezahlbar für die Rentnerin.
Die Fakten des spanischen Statistikamtes sprechen für sich: Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Wohnungspreise spanienweit um 12,2%. Offensichtlich kommt da kaum eine Gehaltserhöhung hinterher.
Auch das Lehrerpaar ist realistisch und sieht in der aktuellen Situation keine Möglichkeit auf ein Eigenheim: „Selbst in unserer Situation, in der wir zu zweit sind“, betont Marta. Und in der Tat, ist das Problem laut Statistikamt besonders gravierend bei jungen Menschen. 44,3% der 26-34-Jährigen in Spanien leben noch bei ihren Eltern.
Fast jeder Zweite (47,3%) nennt als Hauptgrund, die zu hohen Kosten für Miete oder Immobilienkauf.
Ein Trost für die Aktivisten: Das Blatt wendete sich zum Guten für Maricarmen: Sie darf zurück in ihre Wohnung – mit einem neuen Vertrag und einer bezahlbaren Miete.
Wie ist die Situation in Málaga?
Auch auf der Plaza de la Constitución campieren seit Ende September Aktivisten. Die Wohnungspreise in Andalusien sind 2026 mit 11,9% Anstieg im Vergleich zum Vorjahr ähnlich hoch wie in ganz Spanien.
Die Stadt Málaga setzt nun auf Sozialwohnungen und preisgebundene Objekte. Es gab – Stand 2025 – mit 4311 einen relativ hohen Anteil an sozialen Wohnungen – der drittgrößte Bestand hinter Madrid und Barcelona.
Für 2026 sind zusätzliche Wohnungen im Universitätsviertel geplant bzw. bereits fertiggestellt. Das städtische Register für Interessenten an gefördertem Wohnraum (Registro Municipal de Demandantes de Vivienda Protegida) in Málaga bestätigt die hohe Nachfrage und investiert auch dieses Jahr Millionen für den Bau der Sozialwohnungen.
Aktuell wird das Angebot an Sozialwohnungen der Nachfrage aber nicht gerecht und spätestens seit 2024 gibt es in ganz Málaga immer wieder Demos gegen die stark gestiegenen Mietpreise sowie touristische Vermietungen.
Für die kommenden Jahre sind weitere (Neubau-)Projekte für preisgebundene Mietwohnungen geplant – ob das Angebot der Nachfrage entspricht, wird sich zeigen.
Nun heißt es für die Demonstranten – und viele Bürger in ganz Spanien – auf die Vorlage neuer Gesetze zu warten, die ein Angebot an bezahlbarem Wohnraum sichert und Fälle wie Maricarmen verhindert. Ministerpräsident Pedro Sánchez hat angekündigt, an diesem Wochenende über vorgezogene Neuwahlen zu entscheiden. Auch wird öffentlich über einen Generalstreik diskutiert.



























































