Off-Grid leben – Selbstversorgergarten statt Blumenbeet

Ein Selbstversorgergarten macht Off-Grid-Leben erst komplett. Tipps zu Mischkultur, Wassersparen, Kompost und nachhaltiger Selbstversorgung in Spanien.

Selbstversorgergarten in Spanien.
Tipps und Tricks für einen Selbstversorgergarten im Off-Grid-Leben. // Foto mit KI erstellt

Selbstversorgergarten in Spanien

Im Artikel „Off-Grid leben – romantische Vorstellung oder knallharter Alltag?“ gab es einen Einblick, wie man sich mit Strom und Wasser versorgen kann, wenn das Haus nicht an das städtische Netz angeschlossen – also „Off-Grid“ – ist.

Doch autark oder eben Off-Grid leben bedeutet mehr als Solarzellen auf dem Dach und Wassercontainer vor der Tür zu haben. Für viele ist es eine Lebensart, gar eine Kunst, unabhängig und nachhaltig zu leben, sich selbst zu versorgen – von Strom und Wasser bis zur eigenen Nahrung.

Heute geht es also ab ins Beet: Ein Selbstversorger-Garten blüht nicht nur, er lebt und nährt. Aber unabhängig davon, ob Sie einfach sicher sein möchten, wo Ihr Obst und Gemüse herkommt oder ob Sie sich tatsächlich mehr oder weniger von Ihrem eigenen Land ernähren möchten, das Klima und der Boden in Spanien bringen die ein oder andere Herausforderung mit sich.

Mit der Natur arbeiten

Tomaten in Deutschland und in Spanien anbauen, sind zwei verschiedene Pflanzpötte.

Während mir hier bereits so manch ein Gemüse, was sich in Deutschland als idiotensicher bewährt hat, verbrannt und so manch eine Gartenschüppe im steinigen Boden verbogen aber ist, kommt mein Garten nun endlich langsam zu Leben.

Einmal mehr habe ich hier gelernt: Wer mit der Natur statt gegen sie arbeitet, heimische Arten anbaut und das Klima akzeptiert und sinnvoll nutzt, der kann sich auf hohe Erträge und nahezu ganzjährigen Gemüse- und Obstanbau freuen.

Wer Biodiversität im eigenen Garten fördert, erschafft sich ein kleines Ökosystem, dass die Ernte vervielfacht. Es muss nicht gleich alles wild und ungezähmt wachsen, aber schauen Sie einmal über den Beetrand: Mit Blühstreifen, ungeschnittenen Hecken, Totholz oder Kompost schaffen Sie Lebensraum für Vögel und Nützlinge, die dann ganz freiwillig Ihre Schädlinge bekämpfen. Denn Pestizide sollten sich in keinen Selbstversorgergarten verirren.

A und O ist auch ein guter Kompost aus Küchenabfällen und Pflanzenresten, der für Mikroorganismen, Regenwürmer und Pilze ein Paradies ist und Ihrem Boden, als Dünger genutzt, nächstes Jahr wieder alle nötigen Nährstoffe für eine gute Ernte bringt.

Ökologisch denken: Mischkultur und Fruchtfolge statt Eintagsbrei

Reih um Reih, dasselbe Kraut, war gestern – Eine Mischkultur von verschiedenen Gemüsearten, die nebeneinander gepflanzt werden, ist auf Spaniens oft kargen Böden elementar, um die Erde nicht gänzlich auszulaugen.

Doch wer kann gut mit wem? Harmonierende Beetpartner sind zum Beispiel Tomaten, Basilikum, Karotte und Zwiebeln. Dagegen haben zum Beispiel Kartoffeln und Tomaten die gleichen Schädlinge und sollten weiter voneinander entfernt wachsen, Kohl und Erdbeeren konkurrieren um die gleichen Nährstoffe, Tomaten und Gurken bevorzugen unterschiedlich viel Wasser. Daher sind auch sie keine guten Nachbarn im Beet.

Auch eine Fruchtfolge sollte eingehalten werden. Pflanzen Sie gleiche Arten nicht zweimal hintereinander an die gleiche Stelle, sonst wird der Boden einseitig ausgelaugt. Tomate, als Starkzehrer zum Beispiel, sollte mit Salat, als Schwachzehrer abgewechselt werden. So wird die Erde unterschiedlich beansprucht und mehr Nährtstoffe bleiben im Boden.

Diese zwei ökologischen Anbauformen halten Schädlinge natürlich fern, schonen den Boden und bringen mehr Ertrag im Selbstversorgerbeet.

Ohne Wasser kein Leben

Wie oft ist mir das Gemüse in Deutschland in so manch einem verregneten Juli geradezu ertrunken?In Spanien dagegen ist Wasser offensichtlich die limitierende Ressource. Am sparsamsten ist eine Tröpfchenbewässerung, idealerweise mit aufgefangenem Regenwasser und niemals in der Mittagshitze, da die Wassertropfen auf den Blättern wie Lupen fungieren und Ihre Pflanzen verbrennen können.

Im Hochsommer kann man so oder so gar nicht so viel gießen wie verdunstet, daher gilt: Mulchen ist Pflicht. Mit einer Schicht Grasschnitt, Stroh oder Laub schützen Sie Ihren Boden vor Austrocknung. Doppelt praktisch: Langsam zersetzt dient der Mulch ebenfalls als Dünger.

Mit etwas Umdenken und Anpassung kann man sich so auf Obst und Gemüse freuen, was nun wirklich mal nach was Sonne schmeckt.

Haltbarmachen

Vom Beet auf den Teller: Ob Trocknen, Fermentieren, Einfrieren, Einkochen oder unterirdisch lagern: Wer so viel Herzblut und Zeit in sein eigen angebautes Nahrung steckt, der will sichergehen, dass nichts verdirbt.

Oft gibt es auch Tauschmärkte in der Gegend, wo man stolz seine Erträge präsentieren und gegen Arten tauschen kann, die man selber nicht angebaut hat – ein praktischer Kreislauf.

Für manche endet der Traum vom autarken Leben sicherlich nicht im Beet: Artgerechte, naturnahe Haltung von Hühnern, Ziegen oder Bienen geben vielen Selbstversorgern zwar viel Arbeit aber eben auch die Sicherheit, dass alles was auf dem Teller landet, hundertprozentig nachhaltig ist – das schmeckt man!

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