Oktoberfest und Buletten an der Costa del Sol

Die Auswanderer-Communities und ihre Besonderheiten an der Sonnenküste

Deutsche an der Costa del Sol: Große Auswanderer-Hotspots
Estepona gehört zu den beliebtesten Gemeinden an der Costa del Sol. // Foto: Olga Fil

Deutsche an der Costa del Sol: Die größten Auswanderer-Hotspots

Wenn ich meine Suchmaschine nach Zahlen für Deutsche an der Costa del Sol frage, wird mir schnell schwindelig. Einige Tausend, sichert sich eine Quelle ab, zehntausend seien es bestimmt, so eine weitere Angabe, rund vierzigtausend schätzen wiederum andere.

Zusammenfassend können wir wohl davon ausgehen, dass schätzungsweise 10.000 bis 40.000 Deutsche offiziell an der Costa del Sol leben. Hinzu kommt eine hohe Dunkelziffer durch nicht offiziell gemeldete Auswanderer oder solche, die sich nur saisonal von der Sonne verwöhnen lassen.

Die folgenden Zahlen sind also oft Schätzungen und dienen vor allem als Überblick.

Im ersten Teil von Spaniens Auswanderer-Communities mit dem gewissen Extra haben wir uns ganz spezielle Beispiele von Gemeinschaften angesehen, in denen Einheimische und Zuwanderer durch besondere Aktionen eine Community erschaffen haben, in der man zusammen statt nebeneinander herlebt.

Heute schauen wir uns die Costa del Sol genauer an. Wo sind die größten deutschen Auswanderer-Hochburgen? Welche Teile der deutschen Kultur sind fest vor Ort etabliert? Was unterscheidet die Hotspots an Andalusiens Küste?

Die Hotspots deutscher Auswanderer an der Costa del Sol

Torrox Costa – „Klein Deutschland“ mit dem angeblich besten Klima Europas

  • Rund 2.500 Deutsche sind hier offiziell gemeldet. Damit zählt der Küstenort zu einem der größten Hotspots an der Costa del Sol.
  • Zur Geschichte: In den 70er-Jahren baute ein deutscher Bauunternehmer (Bau Hoffmann) die ersten großen Wohnblöcke in Torrox Costa. Jeder Deutsche, der eine Wohnung hier kaufte, bekam den Flug geschenkt. Beworben wurde dies in Anzeigen deutscher Zeitungen – eine Marketingstrategie, die funktioniert hat.
  • Ärzte, Anwälte, Apotheken – ja, sogar deutsche Gottesdienste gibt es hier.
  • O’zapft is! Im Herbst gibt es jedes Jahr ein riesiges Oktoberfest, das Tausende Besucher anlockt.
  • Unumstrittener Pluspunkt: In Torrox Costa findet man deutsches Graubrot.

Marbella – Luxus an der Sonnenküste

  • In Marbella leben schätzungsweise rund 2.500 Deutsche.
  • Hier findet man alles, was das deutsche Herz begehrt – immer mit dem gewissen Etwas an Luxus: Kulturveranstaltungen, Weihnachtsmärkte, deutsch-spanische Sportvereine, Golf und Yachten, Yachten, Yachten.
  • Die private Deutsche Schule Málaga organisiert viele Aktivitäten für Deutsche sowie Spanier und wirbt mit einer erstklassigen Bildung vom Kindergarten bis zum deutschen Abitur.
  • Kostenlose Sprachkurse werden angeboten.
  • Während deutsche Ärzte in vielen touristischen Orten zu finden sind, geht Marbella mit mehreren deutschen Praxen noch einen Schritt weiter und bringt deutschsprachige Spezialisten nahezu aller Fachrichtungen unter ein Dach.
  • Deutsche Folklore und Gastronomie: Die Stadtverwaltung Marbellas veranstaltet zusammen mit deutschen Vereinen jedes Jahr zum Tag der Deutschen Einheit ein Fest an der Strandpromenade.

Fuengirola – ein Mix verschiedener Nationen

  • Rund 1.000–1.500 offiziell gemeldete Deutsche. Haupteinflüsse sind eher skandinavisch und britisch.
  • Anti-Bubble-Gesellschaft: Fuengirola ist keine rein deutsche Hochburg. Expats (25–30 % der Einwohner sind Zuwanderer) und Spanier leben hier eng zusammen und haben viele gemeinsame Aktivitäten ins Leben gerufen.
  • Sehnsucht nach Currywurst oder Berliner Buletten? Das Restaurant Ku’Damm Berlin ist der Treffpunkt für viele Auswanderer.
  • Der Costa del Sol Community Choir besteht aus Mitgliedern verschiedenster Nationen und probt in Marbella und Fuengirola. Auch ein Kunstkreis zeichnet in den beiden Städten gemeinsam mit Expats und Einheimischen.

Málaga – moderner Hotspot vieler Nationen

  • Offizielle Zahlen zu deutschen Einwohnern sind vage, Schätzungen zufolge leben aber rund 900 Deutsche offiziell hier.
  • Tech-Szene: Viele IT-Spezialisten und junge digitale Nomaden leben und arbeiten in Málaga.
  • Die Stadt bietet kostenlose Sprachkurse für Zuwanderer an.
  • Erasmus-Hotspot: In den Uni-Vierteln hört man Deutsch an vielen Ecken.
  • Das Goethe-Zentrum Málagas ist ein zentraler Hotspot für kulturellen Austausch.
  • Zwischen traditionellen Tapas-Bars findet man hier deutsches Bier und deutsches Brot.
  • Digital statt Stammtisch: Die Vernetzung deutscher Auswanderer erfolgt vor allem digital.
  • Wöchentliche Expat-Treffen in Bars der Gegend sorgen für Multi-Kulti-Austausch.

Estepona – moderne, junge und sich rasant entwickelnde Stadt

  • Rund 900 Deutsche sind hier gemeldet.
  • Die Stadt findet mehr und mehr Beliebtheit bei jüngeren Auswanderern, die sich oft als digitale Nomaden niederlassen.
  • Es gibt keine rein deutschen Communities.
  • Deutschsprachige Spezialisten sind in Krankenhäusern und Arztpraxen zu finden.
  • Wie dahoam: Mittlerweile veranstaltet die Stadt auch hier jährlich ein kleines Oktoberfest.

Nerja – weniger Glamour, mehr Ruhe und Natur

  • Rund 600–800 Deutsche sind hier gemeldet.
  • Der ARD-Auswanderer-Film „Der Traum vom Süden“ wurde zu großen Teilen in Nerja gedreht.
  • Das nahe Naturschutzgebiet Sierra de Almijara zieht Naturliebhaber und Wanderer an, die sich in Gruppen zusammenschließen.
  • Für eine deutschsprachige medizinische Versorgung ist die deutsche Hochburg Torrox Costa nicht weit entfernt.

Ob Graubrot, Weizenbier, Schnack in der vertrauten Sprache oder medizinische Versorgung in der Not – manchmal tut es gut, etwas Vertrautes in seiner Wahlheimat Spanien zu finden.

Wer die Waage hält und nicht in einer isolierten deutschen „Blasen-Gesellschaft“ landet, hat an der Costa del Sol jede Menge Möglichkeiten, sich wohlzufühlen. Irgendwo zwischen Glamour, Natur und Metropole finden auch Sie sicherlich Ihren Heimathafen.

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