Susanne Drews lebt seit vielen Jahren an der Costa del Sol. Sie ist AI-Trainerin und hilft Führungskräften, mit Künstlicher Intelligenz umzugehen.
Vor kurzem hat sie Fußball-Legende Thomas Müller am Flughafen München getroffen und trotz der Kürze des Gesprächs einiges von ihm gelernt.
Sie haben gerade den Fußballstar Thomas Müller getroffen. Wie kam es dazu?
Das war wirklich so ein Zufall, ich kam aus Hamburg, wo ich ein Führungskräfteseminar im Marienkrankenhaus hielt. Da es keine direkte Verbindung zwischen Hamburg und Málaga gab, musste ich in München umsteigen.
Ich war total müde von den letzten Tagen und wollte nur nach Hause. Und auf einmal kamen da immer mehr Sportler ans Gate, alle gleich gekleidet in Trainingsanzügen.
Man hörte sofort: Amerikaner. Ich drehte mich um und da kam plötzlich Thomas Müller und setzte sich genau hinter mich. Einfach so. Mit einem Pappbecher Tee in der Hand, sich mit seinen Kollegen unterhaltend.
Was hat sie besonders beeindruckt?
Für ihn war das alles so normal. Am Flughafen am Gate sitzen und aufs Boarding warten, im engen Flieger zwischen andere gequetscht zu sein. Am Gepäckband auf sein Gepäck zu warten, was er selber vom Band zog und dann verschwand. Ich hätte wenigstens mit einem Bodyguard gerechnet, haha.
Am Gepäckband standen wir genau nebeneinander und plauschten kurz. Über das Wetter in Spanien, die kürzlichen Überschwemmungen, dass es jetzt hoffentlich in der Zeit seines Trainingscamps (Anm. d. Redaktion: Thomas Müller ist bis zum 10. Februar im Trainingslager in Sotogrande) besser wird. Keine Allüren, viel Geduld.
Er hat alle meine blöden Fragen wie: „Passiert Ihnen das oft, dass Sie in Spanien angesprochen werden?“ ganz ruhig beantwortet. Wenn ich da jetzt darüber nachdenke, was für eine dämliche Frage das ist…
Welche Fragen hätten Sie Thomas Müller gerne noch gestellt?
Im Auto auf dem Nachhauseweg ist es mir eingefallen, wie gut man ihn über Führung hätte fragen können. Wir nehmen Beispiele aus dem Sport ja sehr gerne, um Teamplay und Fairness vorzuführen.
Was ich gerne noch gefragt hätte, wäre zum Beispiel: „Was motiviert Sie noch, wenn Sie alles gewonnen haben?“ Oder: „Was zerstört Teamleistung schneller: Ego oder Unsicherheit?“ „Welche Eigenschaft wird bei Mannschaftskapitänen gefeiert, schadet aber langfristig dem Team?“
Gerade im Fußball gibt es so viele Situationen, in denen Führung entscheidend ist. Thomas Müller war Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und ist es jetzt bei den Whitecaps im kanadischen Vancouver. Das sind zwei ganz unterschiedliche Teams, Kulturen und Situationen.
Da hat er definitiv eine Menge zu erzählen, wenn es um das Thema Führung geht.
Wie sieht gute Führung aus?
Das ist eine komplexe Frage. Führung ist sehr situativ. Eines sollte gute Führung in allen Lagen gemeinsam haben: es geht um den Menschen, mit Menschen. Auch wenn die Technik immer schneller zum Einsatz kommt. Gute Führung braucht Zeit. Zeit zum Reden, zum Zuhören, zum Umsetzen des Feedbacks.
Es braucht Vorbereitung, Struktur und gleichzeitig Flexibilität. Schlüssel für eine gute Führungskraft ist für mich die innere Haltung der Person. Für welche Werte stehe ich ein, wo sind meine Grenzen, bin ich authentisch, ich selber.
Wer das für sich beantworten kann, führt sein Team gut durch gute und schlechte Zeiten. Wer den Mut hat, Entscheidungen zu treffen und sie klar und transparent zu formulieren, kann nicht falsch liegen.
Und was mich bei Thomas Müller beeindruckt hat: Er hat diese Präsenz ohne Aufführung. Und vielleicht ist das genau das, was echte Führung ausmacht. Keine perfekten Antworten zu haben. Aber echt zu sein. Selbst nach dem größten Erfolg.
Sie arbeiten auch mit Führungskräften, die KI ausprobieren oder einführen wollen. Wo sehen sie aktuell die größten Missverständnisse im Umgang mit Künstlicher Intelligenz?
Es gibt eine große Diskrepanz zwischen dem Wissensstand und was die KI wirklich kann. Manche unterschätzen sie komplett und andere wiederum überschätzen das Können der KI.
Es bedarf deutlich mehr Aufklärung und Trainings, um Führungskräften zum einen den Nutzen besser aufzuzeigen, was man wirklich mit KI machen kann und was man lieber selber erledigen sollte.
Auf der anderen Seite sehe ich, dass viele große Angst haben, etwas falsch zu machen. Dabei geht es ja darum, mit der KI spielerisch zu erfahren, was möglich ist. Wir müssen eine Neugier entwickeln und Spaß daran haben, die KI zu nutzen.
Welche Fähigkeiten werden für Führungskräfte immer wichtiger im Zeitalter der KI?
Führungskräfte werden zu Allround-Talenten. Es wird erforderlich sein, ein gewisses KI-Wissen zu haben, egal welche Branche. Der strategische Einsatz der Tools wird von Führungskräften entschieden.
Zudem werden sie viel mehr in ihr Team integriert, das Aufbauen von Vertrauen im Team, Erkennen, wenn ein Teammitglied unsicher ist, zwischenmenschliche Beziehungen werden immer wichtiger. Wir haben momentan vier verschiedene Generationen auf dem Arbeitsmarkt. Das ist ein schwieriges Pflaster.
Es ist wichtig zu wissen, wie diese Generationen funktionieren, was sie jeweils benötigen, um ihren Job gut zu machen. Kommunikation ist ein großes Thema. Genauso wie Empathie und die Fähigkeit, sich flexibel an unterschiedliche Situationen anpassen zu können. Selbstführung und Resilienz sind da unabdingbar.
Wir leben in einer Zeit der Schnelllebigkeit und des Wandels. Umso wichtiger, dass die Führungskräfte wissen, für welche Werte sie einstehen und diese jeden Tag ihrem Team vorleben. Die KI wird unser Co-Pilot. Wir müssen also jetzt lernen, ihr einen menschlichen Rahmen zu geben.
Sie haben mit Chemp.ai eine Plattform mitentwickelt, mit deren Hilfe Führungskräfte den Umgang mit KI lernen. Wie kam es dazu?
Das kam sehr organisch. Die Entwicklung von Führungskräften und Mitarbeitern hat mich schon sehr lange beschäftigt. Seit fast 10 Jahren arbeite ich in diesem Bereich. Technikaffin wurde ich, als ich hier an der Küste für eine große Tech-Support-Firma arbeitete.
Ich wusste bis dahin gar nicht, dass Technik mich so sehr interessiert.
Und so kam es dann auch mit KI. Ich bin da schon seit Jahren mit dabei, lerne täglich dazu, probiere neue Tools aus, habe eine feste Routine, um up to date zu bleiben.
Durch meine Arbeit mit Managern habe ich gesehen, was ihnen am schwersten fällt, die Vorbereitung auf schwierige Gespräche zum Beispiel. Generell das Thema empathische Kommunikation.
Also habe ich einige Tools, Custom GPTs, erschaffen und die kamen gut an. Der Schritt eine Plattform und eine mobile App zu entwickeln kam dann einfach als logische Folge.
Sie wohnen ja schon lange hier an der Costa del Sol. Ist das inzwischen Heimat?
Ja, ich bin seit 20 Jahren hier an der Küste und ich würde schon sagen, die Costa del Sol ist meine Heimat. Meine Kinder sind hier beide zur Welt gekommen und gehen auf eine normale öffentliche spanische Schule.
Mit meiner Tätigkeit nehme ich auch immer mehr an lokalen Aktivitäten teil. Chemp.ai wurde erst kürzlich dank der Fundación Unicaja in den Parque Tecnológico in Málaga aufgenommen, wir haben ein tolles Büro mitten im Zentrum der Stadt gesponsert bekommen, für ein Jahr.
Ich bin in verschiedenen Unternehmerverbänden Mitglied in verschiedenen Sprachen. Ich mag auch gerade diese Mischung der Internationalität besonders an der Küste und der andalusischen Gemütlichkeit.
Haben Sie Plätze an der Costa del Sol, die Sie immer wieder gerne besuchen?
Mit meinen Kindern bin ich im Sommer sehr gerne in La Cala de Mijas. Es ist ein schöner Strand, es gibt gute und günstige Chiringuitos. Bis vor kurzem haben wir auch in der Nähe gewohnt, da war ich sehr oft auf dem tollen Wanderweg laufen. Jetzt hat es uns wieder ins Hinterland nach Coín verschlagen. Das ist wiederum schön nahe am Refugio de Juanar, auch so ein schöner Naturplatz.
Ansonsten bin ich immer gerne in Málaga-Stadt. Es ist faszinierend, welche Entwicklung diese Stadt in den letzten zehn Jahren erlebt hat. Manchmal vielleicht ein bisschen zu viel Tourismus für meinen Geschmack, aber dafür wohnen wir ja im Hinterland und können ausweichen.


















































