Kommt der Tunnel durch die Straße von Gibraltar?
Wer von der Costa del Sol nach Westen fährt, kommt irgendwann an einen Punkt, an dem Marokko zum Greifen nahe scheint. Bei Tarifa, der südlichsten Stadt des europäischen Festlands, liegt Afrika nur 14 Kilometer entfernt.
Dazwischen liegt die Straße von Gibraltar, eine der bedeutendsten Meerengen der Welt.
Die Meerenge ist etwa 60 Kilometer lang und zwischen 14 und 44 Kilometern breit. An ihrer tiefsten Stelle reicht sie bis zu 900 Meter unter den Meeresspiegel. Als einzige natürliche Verbindung zwischen Atlantik und Mittelmeer wird sie täglich von rund 300 Schiffen durchfahren.
Dabei ist die Meerenge mehr als eine Grenze zwischen Staaten. Die starken Strömungen und der Austausch der Wassermassen zwischen Mittelmeer und Atlantik schaffen besondere Bedingungen für die Meeresfauna. Wale, Delfine und Thunfische sind hier keine Seltenheit.
Zum Schutz der Meeressäuger gelten für Schiffe in besonders sensiblen Bereichen zudem Empfehlungen, die Geschwindigkeit auf 13 Knoten zu begrenzen.
Politische Bedeutung
Die geografische Enge hat immer auch politische Bedeutung gehabt. Im Norden liegt Spanien mit Tarifa und dem britischen Überseegebiet Gibraltar, im Süden Marokko und die spanische Exklave Ceuta.
Ceuta gilt als einer der sensibelsten Grenzpunkte zwischen der EU und Marokko; insbesondere der massenhafte Ansturm von Migranten Ende Juli hat die politischen Spannungen deutlich gemacht.
Gibraltar selbst ist seit über 300 Jahren britisch, die Souveränität bleibt zwischen London und Madrid bis heute umstritten.
Der jahrzehntelange Streit um die Grenze hat sich seit Juli 2026 jedoch entspannt: Mit einem Abkommen zwischen der EU und Großbritannien wurde der Grenzzaun, die sogenannte Verja, entfernt. Die Schengen-Kontrollen erfolgen seitdem am Flughafen und am Hafen von Gibraltar.
Tunnel soll Europa und Afrika verbinden
Und die Zukunft? Seit Jahrzehnten gibt es Pläne, Europa und Afrika fest miteinander zu verbinden. Nach den derzeitigen Planungen soll eine Eisenbahnverbindung durch einen rund 42 Kilometer langen Tunnel führen. Davon verlaufen etwa 28 Kilometer unter dem Meeresboden. Geplant sind zwei eingleisige Röhren sowie ein zentraler Servicetunnel.
Als spanischer Anschlussbereich ist die Gegend um Vejer de la Frontera vorgesehen. Auf marokkanischer Seite soll die Verbindung weiterhin bei Kap Malabata nahe Tanger enden.
Die Fahrt durch den Tunnel würde voraussichtlich rund 30 Minuten dauern. Eine Ende 2025 bekannt gewordene technische Untersuchung des deutschen Tunnelbaumaschinen-Herstellers Herrenknecht kam zu dem Ergebnis, dass das Projekt mit heutiger Technik grundsätzlich realisierbar ist.
Gleichzeitig bestehen erhebliche geologische Risiken. Das ist auch einer der Gründe, warum die Erdbebengefahr bei den Planungen eine zentrale Rolle spielt. Das schwere Erdbeben von Lissabon im Jahr 1755 wird mit den tektonischen Vorgängen in dieser Region in Verbindung gebracht.
Im Dezember 2025 unterzeichneten Spaniens Nationales Geografisches Institut und Marokkos Forschungszentrum CNRST ein Memorandum für dreijährige gemeinsame seismologische Untersuchungen.
Als nächster großer Schritt ist eine umfangreiche Erkundung des Untergrunds geplant. Eine Ausschreibung für eine mehrere Kilometer lange Erkundungsgalerie könnte nach derzeitigen Planungen 2027 erfolgen. Damit sollen die größten geologischen Risiken vor einer endgültigen Entscheidung über den Bau des eigentlichen Tunnels untersucht werden.
Ein konkreter Baubeginn für den Tunnel steht allerdings noch nicht fest. Frühere Planungen nannten 2030 als möglichen Start, eine Inbetriebnahme wurde für die zweite Hälfte der 2030er-Jahre bis etwa 2040 ins Auge gefasst. Angesichts der noch ausstehenden Untersuchungen sind diese Termine jedoch nicht gesichert.
Auch bei den Kosten gibt es bislang keine endgültige Zahl. Für den spanischen Streckenanteil werden derzeit mehr als 8,5 Milliarden Euro genannt. Ältere Schätzungen für das Gesamtprojekt lagen bei bis zu 20 Milliarden Euro.
Bis dahin verbinden Fähren die beiden Kontinente. Von Tarifa nach Tanger dauert die Überfahrt je nach Verbindung rund eine Stunde, von Algeciras nach Tanger etwa eineinhalb Stunden.
Quellen: Herrenknecht, El Español, El Independiente, Ministerio de Transportes.
























































