Stimmt es, dass man mit jeder Feige eine tote Wespe isst?

Die Echte Feige und eine kleine Wespenart bilden eine spannende Symbiose – keine der beiden Arten könnte ohne die andere überleben

Feigen Costa del Sol

Feigen an der Costa del Sol

Es wird immer wieder behauptet, jede Feige enthalte die Überreste einer Feigenwespe. Wir möchten dieser Aussage nun einmal auf den Grund gehen und schauen ob sie richtig ist.

Sommerzeit ist Feigenzeit – dies gilt auch an der Costa del Sol, denn die Echte Feige (Ficus Carica) kommt in der ganzen Provinz Málaga vor. Man begegnet ihr fast überall und kann sie auch auf allen Etappen des großen Wanderwegs Gran Senda entdecken.

Feigenbäume blühen zweimal im Jahr, nämlich zwischen Februar und April und zwischen August und September. Sie lieben trockenes und sonniges Gelände, wie es im Hinterland der Costa del Sol reichlich zu finden ist, und gedeihen auch in felsigen Gebieten in bis zu 1700 Metern Höhe.

Die kleinen runden oder tropfenförmigen Früchte schmecken herrlich aromatisch und süß und sind darüber hinaus auch noch sehr gesund. Doch die Fortpflanzung der ‚Echten Feige‘ ist alles andere als einfach.

Einer kleinen Wespenart, die man Feigenwespe nennt, kommt bei der Bestäubung von Feigenbäumen eine bedeutende Rolle zu. Die Beziehung zur Wespe haben übrigens alle der über 800 Feigenarten auf der Welt gemeinsam. Zu jeder Feigenart gehört eine eigene Wespenart, die sie explizit bestäuben kann.

Die Blüten der Feige befinden sich übrigens im Inneren der Frucht. Das ist kurios… genau genommen sind Feigen also gar keine Früchte, sondern nach innen gestülpte Blütenstände. Da ist die Frage naheliegend, wie diese Blüten dann überhaupt bestäubt werden können.

Was genau sind Feigenwespen?

Als Feigenwespen im engeren Sinne bezeichnet man die Vertreter der Familie Agaonidae. Die Agaonidae zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihre Eier in die Blütenstände von Feigenarten ablegen und damit zugleich die Bestäubung der Blüten besorgen.

Wie kommt die Wespe in die Feige?

Da die Essfeige nur weibliche Blüten besitzt, nimmt ein Feigenwespenweibchen zunächst die Pollen einer männlichen Bocksfeige auf, bevor es durch einen winzigen Spalt in die Blüte einer Essfeige kriecht, um dort seine Eier abzulegen.

Beim Eindringen verliert es seine Flügel und aufgrund des unglaublich engen Durchgangs gibt es sowieso kein Entkommen mehr. Die etwa zwei Millimeter kleinen Wespen verenden in der Blüte, wobei ihre Körper auf natürliche Weise abgebaut werden – sie werden von den Pflanzenenzymen verdaut. Die dadurch entstehenden Nährstoffe fördern wiederum die Entwicklung der Frucht.

Hat die Echte Feige weibliche oder männliche Blüten?

Die Echte Feige ist zweihäusig und hat auf verschiedenen Bäumen männliche und weibliche Blüten. Die weiblichen Blütenstände sind die Feigen, die wir essen. Die sogenannten Bocksfeigen hingegen haben in ihrem Inneren sowohl weibliche als auch männliche Blüten. Außerdem haben sie kürzere Stiele. ‚Bocksfeigen‘ werden sie genannt, weil sie nur den Böcken (Ziegen) schmecken.

Landet das Feigenwespenweibchen auf einer Bocksfeige, dann stirbt es zwar im Inneren, kann jedoch seine Eier ablegen und sichert somit das Überleben der nächsten Generation.

Wenn das Wespenweibchen hingegen auf einer Essfeige landet, so ist ihm das Glück noch weniger hold. Da die Essfeige über längere Stiele verfügt, ist der Legestachel des Wespenweibchens für die Eiablage zu kurz. Die Feige wird zwar bestäubt, doch die Wespe stirbt irgendwann vor Erschöpfung.

Sind Feigen dann überhaupt vegan?

Bis die Frucht vollständig gereift ist, sind keine wahrnehmbaren Reste der Wespe mehr vorhanden. Man nimmt diese Überreste beim Verzehr von Feigen zwar auf, doch sind diese bereits vollständig in die Frucht integriert. Wenn man eine Feige isst, wird man also nicht auf eine Wespe beißen.

Veganer und Vegetarier können auch weiterhin bedenkenlos Feigen genießen, denn in den reifen Früchten ist kein totes Tier sondern lediglich dessen Abbauprodukt enthalten.

Auch bei anderen Obstsorten kommen solche Rückstände von Insekten vor. Dennoch muss jeder Veganer oder Vegetarier letztlich selbst entscheiden, ob er eine Feige mit einer vollständig verdauten Wespe als vegan bezeichnen möchte oder nicht.

Wer absolut auf der sicheren Seite sein möchte, der sollte zu selbstfruchtenden Feigensorten greifen, die keiner Wespe zur Bestäubung bedürfen, wie zum Beispiel Dauphine oder Dalmatie.

Da die Feigenwespe hauptsächlich im Mittelmeerraum vorkommt und wärmere Gebiete favorisiert, handelt es sich bei den in Deutschland wachsenden Sorten, die reife Früchte ausbilden, ausschließlich um selbstfruchtende Sorten.

Steckt nun also in jeder Feige eine tote Wespe?

Nein. In manchen Feigen befindet sich zwar eine tote Wespe – vielmehr deren nicht mehr wahrnehmbare Rückstände – doch ist die längst nicht bei allen der Fall. Schließlich gibt es Hunderte von Sorten, die von den Menschen gezüchtet werden. Die meisten davon werden über Setzlinge vermehrt und kommen ohne Bestäubung aus.

Beim Essen kann man wilde Feigen übrigens anhand ihrer knusprigen Kerne von den nicht bestäubten Sorten unterscheiden. Da letztere keine Samen entwickeln, haben sie viel weichere Kerne.

Quellen: Opinion de Málaga, Wikipedia

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